Nachdem Jello Biafra aus seiner legendären Punk-Band, den Dead Kennedys, rausgeekelt wurde, entdeckte er die Bühne für sich erneut. Anstatt nur gegen die Politik Amerikas lauthals zu singen, fing er an, sie in "spoken word performances" in Grund und Boden zu reden. Wie eine Punkversion von Michael Moore rügt er seit mehr als zehn Jahren republikanische und demokratische Regierungen, die religiöse Rechte und die globale Großmacht der Konzerne. Alles im Namen des für Amerika typischen, zivilen Ungehorsams. Da ist George W. Bush - als Symbol aller drei Schreckgespenster - für den Punk-Orator natürlich ein gefundenes Fressen. fluter.de fragte ihn, was ihn ärgert, was ihn freut und was er gegen "seinen" Präsidenten unternehmen will.
Seit dem Ende des Irak-Krieges hat sich die Stimmung in den USA sehr gegen den Präsidenten gewendet. Während des Krieges aber haben sich die amerikanischen Schüler/innen und Student/innen nur sehr zurückhaltend gegen George W. Bush geäußert. Haben junge Menschen in Amerika ihren Kampfgeist aufgegeben?
Natürlich sehe ich das nicht so. Bei meinen Spoken-word-Shows an den Universitäten treffe ich eigentlich nur coole Menschen. Meiner Meinung nach ist der Aktivismus an mehreren Fronten ausgeweitet: Organisationen wie "Amnesty International", die "American Civil Liberties Union" (Amerikanische Bürgerrechtsunion) und "United Students Against Sweatshops" verzeichnen alle höhere studentische Mitgliederzahlen. Das sind für mich Beispiele für kleinere, aber leichter zu gewinnende Kämpfe, an denen man sich beteiligen sollte, um das Große zu verändern.
Als Lead-Sänger der Punk Gruppe Dead Kennedys warst und bist du auch heute noch eine Ikone oder ein Vorbild für viele Menschen - jung und alt. Wirst du oft von jungen Menschen gefragt, was sie machen können oder sollen?
Am Ende meiner Shows biete ich normalerweise Ideen an, wie zum Beispiel meinen Slogan aus dem ersten Golfkrieg: "Hasst nicht die Medien. Werdet die Medien!" Damit meine ich nicht nur, dass du Untergrund-Fanzines hochziehen oder im Internet Informationen verteilen sollst - sondern, dass du dich von Angesicht zu Angesicht mit Leuten austauschst. Leuten, mit denen du zu Hause, in der Schule, bei der Arbeit und in der Familie zu tun hast. Ihnen erklärst, warum der Krieg falsch ist, dass die Konzerne ihnen ihr Geld wegnehmen und nicht die Einwanderer oder andere arme Menschen. Und ihnen beibringst, wie man sich von der Macht der Konzerne lösen kann. Deswegen appelliere ich so vehement an die Menschen, den globalen Marken oder den großen Ketten kein Geld zu geben.
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