Ausgehen, Party, Trinken: Das können ausfüllende Tätigkeiten sein. Mehr noch: Wer professionelles Ausgehen betreibt, ist schnell ein produktiver Bestandteil desselben - genau wie die Organisatoren des Nightlife, Clubbetreiber, Musiker, Labelmacher, Tresenkräfte, Türsteher und DJs. Nur schade, dass die Gesellschaft das so nicht anerkennnen will.
Forward ever ...
Was man dann so denkt, beschrieb neulich die Berliner Musikerin und Autorin Christiane Rösinger: "Die Nächte [sind] ein ewiges Ins-Kino-Gehen, Was-trinken-Gehen, Auf-Konzerte-Gehen, In-Clubs-Gehen, Auf-Partys-Gehen, Nach-Hause-Gehen. Das ist langweilig, aber auch sehr anstrengend. Alles, was wir tun, ist gleichzeitig hoch spezialisierte Arbeit, aber fast nichts wird bezahlt: sich informieren, schreiben, Projekte machen, vernetzen, Band haben, Kinder großziehen, ausgehen. Wir müssen Erlebnisse haben, um sie verwerten zu können, Demütigungen erleben, um daran zu wachsen, zwischenmenschliche Schwierigkeiten überwinden, um soziale Kompetenz anzuhäufen. Diese Anstrengungen werden von unserer leistungsorientierten Gesellschaft natürlich null honoriert, aber das ist uns auch ein bisschen recht, denn wir sind ohnehin für ein eher kontemplatives Dasein geschaffen." Im Kern hat Christiane Rösinger wahrscheinlich Recht.
Christoph Twickel (Hg.): Läden, Schuppen, Kaschemmen. Eine Hamburger Popkulturgeschichte (Edition Nautilus 2003, ca. 15 €)
Zum Weiterlesen:
Judith Ammann: Who's been sleeping in my brain? Interviews Post Punk (Edition Suhrkamp 1987, manchmal erhältlich bei www.zvab.de)
Gespräche mit den entscheidenden Post-Punk-Protagonist/innen der frühen 80er Jahre, war seiner Zeit weit voraus und ist leider schon lange vergriffen - umso spannender ist die Suche danach ...
Legs McNeill und Gillian McCain: Please Kill Me. Die unzensierte Geschichte des Punk (Hannibal Verlag 2003, ca. 26 €)
Der Oral History-Klassiker über die New Yorker Punk Szene. Sowohl Vorbild für Jürgen Teipels "Verschwende deine Jugend" als auch für "Läden, Schuppen, Kaschemmen".
Martin Eberle: Temporary Spaces (Die Gestalten Verlag 2001, 40 €)
Über den Zeitraum von 10 Jahren dokumentierte der Fotograf Martin Eberle vorwiegend illegale und meist längst verschwundene Clubs in Berlin. Eberle fotografierte diese Orte menschenleer, ihre Eingänge bei Tageslicht - so wie man sie beim Ausgehen nie gesehen hat. Der Autor Heinrich Dubel führte dazu Interviews mit ehemaligen Besuchern, die er zu sehr kurzen, aussagekräftigen Bildlegenden destilliert - bislang das eigenartigste und überzeugendste Buch über das Nachtleben der 1990er Jahre in Berlin-Mitte.
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