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Wie wird das Essen der Zukunft aussehen?

Aus dem Labor frisch auf den Tisch

26.4.2002 | Carola Pohl | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Gene auf dem Teller? Was wenig appetitanregend klingt, ist eigentlich ganz normal. Von Natur aus sind Gene in allem, was lebt oder einmal gelebt hat: im Schnitzel genauso wie im Salat. Seit Urzeiten ist der Mensch daran gewöhnt. Auf gentechnisch veränderte Organismen trifft das nicht zu. Im Prinzip sind das neuartige Organismen. Im Gegensatz zu Züchtern, die die vorhandenen Eigenschaften einer Pflanze oder Tierart nutzen, setzen sich Gentechniker über Artschranken hinweg. Mit dem Gen einer Flunder sollen Erdbeeren frostresistent werden, eine Anti-Matschtomate ist bereits im Handel. Selbst uralt sieht sie noch frisch aus. Wie es um die Nährstoffe steht, sieht ja keiner. In Deutschland sind diese Tomaten allerdings verboten. Zwei Eigenschaften lassen sich besonders gut in Pflanzen einbauen: Entweder die Pflanzen werden unempfindlich gemacht gegen Pflanzengifte (Herbizidresistenz) oder sie werden so verändert, dass ihnen Schädlinge nichts mehr anhaben können. So wie der "Bt"-Mais der Firma Novartis. Dieser Mais produziert jetzt eine Giftvorstufe und kann sich damit gegen die gefräßige Raupe des Nachtschmetterlings "Maiszünsler" wehren.

Kritiker sehen Gefahren für Mensch und Umwelt

Umweltschützer befürchten, dass neben dem Maiszünsler auch andere, vielleicht seltene Insekten und Insektenfresser zu Schaden kommen. Außerdem besteht die Gefahr, dass die Schädlinge im Laufe der Zeit resistent werden gegen das Gift. Und was passiert, wenn die Fähigkeit zur Giftproduktion auf Wildpflanzen übergeht, weiß keiner so genau. Eine Herbizidresistenz könnte zum Beispiel durch Pollenflug ebenfalls auf Wildpflanzen übertragen werden. Aus diesen Pflanzen kann dann ein Superunkraut entstehen. Auch für den Mensch sind die Folgen nicht absehbar. Besonders für Allergiker kann es Probleme geben. Wer heute seine Überempfindlichkeit gegen Nüsse kennt, kann diese meiden. Was aber, wenn Nuss-Bestandteile plötzlich in zuvor nussfreien Produkten auftauchen? Damit nicht genug: Im Genlabor müssen aus Millionen Zellen diejenigen gefunden werden, bei denen die Manipulation gelungen ist. Als Suchhilfe verwenden die Forscher antibiotikaresistente "Marker-Gene". Wenn diese Gene über die Nahrung in den Darm gelangen, könnte mittelfristig die Wirksamkeit von Antibiotika nachlassen.

Verbraucher lehnen Gentechnik ab

Obwohl Umfragen zeigen, dass die Mehrheit der Bevölkerung kein Gentech-Essen will, hat es sich längst in die Supermärkte eingeschlichen. Eine Untersuchung der Stiftung Warentest ergab: in 31 von 82 untersuchten mais- oder sojahaltigen Produkten wurden fremde Gene gefunden. Ein Hinweis auf der Packung fehlte fast immer. Grundsätzlich müssen alle Zutaten mit getechnisch veränderter Erbsubstanz gekennzeichnet sein, sofern sie nachweisbar und nicht "zufällig und unbeabsichtigt" in das Produkt gelangt sind. Doch es bleiben Schlupflöcher: Ist verändertes Erbmaterial in den Endprodukten nicht mehr nachweisbar, muss auch nicht gekennzeichnet werden. Das betrifft z.B. Öle und Emulgatoren. Außerdem dürfen Tiere genmanipuliertes Futter fressen, ohne dass ihre Erzeugnisse (Fleisch, Milch, Eier) gekennzeichnet werden müssen.

Was kann man tun?

Völlig machtlos ist man als Verbraucher trotzdem nicht. Auf Druck der Bevölkerung verzichten inzwischen viele deutsche Supermarktketten bei ihren Eigenmarken auf Gentechnik. Das "Einkaufsnetz" von Greenpeace enthält eine Liste mit Herstellern, die ebenfalls auf Gentechnik verzichten. Auch wer Öko-Produkte kauft, ist relativ sicher. In welchem Ausmaß wir künftig gentechnisch veränderte Nahrungsmittel essen werden, hängt also auch von uns selbst ab.

Carola Pohl arbeitet als freie Journalistin für verschiedene Magazine und Fernsehanstalten. Sie lebt in Berlin.


www.infoXgen.com
Die Arbeitsgemeinschaft InfoXgen setzt sich gegen Gentechnik bei Lebensmitteln ein.

www.transgen.de
Die Website der Verbraucherinitiative TransGen bietet die Möglichkeit, durch ein Suchsystem Informationen zu einzelnen Lebensmitteln zu erfahren.

Über das Öko-Institut e.V. (Binzengrün 34, 79114 Freiburg) kann man umfangreiches Informationsmaterial zum Thema Gen-Food beziehen.

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