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Kann ich bitte noch ein Hotel haben?

Kapitalismusspiel Monopoly

13.12.2011 | Adrian Bechtold | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Der Frankfurter Hauptbahnhof ist schummrig beleuchtet. Viele kleine Tische sind in der Haupthalle aufgestellt, jeweils zwei Menschen sitzen daran und beugen sich über ein buntes Spielbrett. Der Reutlinger Hans Georg Schellinger, von Beruf Kälteanlagenbauer, triumphiert – wie schon bei der letzten Meisterschaft. Schon 2004 hat er alle geschlagen. Schellinger, das steht jetzt fest, wird in Las Vegas an der Monopoly-Weltmeisterschaft teilnehmen. Mit seinem Schnäuzer und dem Zylinder auf dem Kopf sieht er "Mr. Monopoly", dem auf der Schachtel abgebildeten Maskottchen, verblüffend ähnlich.

Fast jeder hat Monopoly schon einmal gespielt. Toll, wenn schnell die eigene Straße mit Hotels gelingt; frustrierend, wenn der Kontrahent alle Bahnhöfe hat. Purer Zufall? Überhaupt nicht! "Die Taktik ist, um jeden Preis die richtigen Straßen zu bekommen und alles in Häuser zu investieren", erklärt der dreimalige Monopoly-Meister Klaus Armbrüster. Was nun die "richtigen Straßen" sein mögen, bleibt sein Geheimnis.

Bisher aber konnte noch kein deutscher Meister international einen Titel erringen. Der aktuelle Weltmeister ist Björn Knappskog aus Dänemark, der sich 2009 in der Spielerstadt Las Vegas gegen die anderen Landesmeister durchsetzen konnte. Erst 2013, bei der nächsten Monopoly-Meisterschaft, haben die Deutschen wieder eine Chance.

Verschiedene Gründermythen

Die Geschichte von Monopoly ist eine von mehreren Schöpfern, verschiedenen Unternehmen und zahlreichen Spielversionen. Ganz genau weiß es niemand mehr. Fest steht nur, dass die Britin Elizabeth Magie Phillips und der US-Amerikaner Charles Darrow Anfang des 20. Jahrhunderts getrennt voneinander die Grundtypen des heutigen Monopoly erstellten – Magie Phillips mit "The Landlord's Game" um 1903, Darrow, der seine Spielversion "Monopoly" nannte, 1934. Darrow verkaufte sein Patent 1935 an Parker Brothers.

Der Grundgedanke blieb über die Jahrzehnte gleich: Man kauft Straßen, baut auf ihnen möglichst viele Häuser und Hotels, sichert sich damit eine Art Wegerecht und nimmt dann seine Mitspieler tüchtig aus. Ein Prinzip, das nicht allen gefällt. Unter dem NS-Regime wurde Monopoly wegen seines angeblich "jüdisch-spekulativen Charakters" von Joseph Goebbels höchstpersönlich verboten. Auch die Kommunisten in der DDR konnten sich mit dem kapitalistischen Grundgedanken von Monopoly nicht anfreunden. In ostdeutschen Wohnzimmern und in Westpaketen hatten die Brettspiele nichts zu suchen.

Kein Wunder, dass China und Nordkorea dem kapitalistischen Brettspiel auch heute noch kritisch gegenüberstehen. Eine offizielle Version für diese Länder steht noch aus. Im vorkommunistischen Kuba aber hatte Monopoly viele Fans. Als Fidel Castro an die Macht kam, wurde das Spiel verboten, alle aufgefundenen Exemplare zerstört – ein Spiel um Immobilienspekulation passte nicht in die wunderbare Welt der Planwirtschaft.

Neues Land, neue Straßen

Nachdem Monopoly unter der NS-Diktatur verboten war – die Berlin-Version übrigens –, sollte es nach dem Krieg erfolgreich auf dem deutschen Markt etabliert werden. Der Entwurf einer deutschen Version war allerdings nicht unkompliziert: Während in anderen Ländern bis heute berühmte Städte als Vorlage dienten – die Spielerstadt Atlantic City für die USA, London für Großbritannien –, konnte Berlin nicht mehr als Modell genommen werden und die neue deutsche Hauptstadt, das kleine Bonn an der niederrheinischen Tiefebene, war aus Sicht des Herstellers wenig attraktiv. Die Spielentwickler entschieden sich schließlich für beliebig klingende Straßennamen, die in vielen Städten zu finden sind. Man spielt in Deutschland seitdem von der einfachen Badstraße bis zur feudalen Schlossallee.

Monopoly ist ein Spiel der Rekorde: Über eine Milliarde Menschen haben auf über 275 Millionen Monopoly-Brettern die besten Freunde in den Bankrott geschickt. Mal 286 Stunden in einem Baumhaus, mal 99 Stunden in der Badewanne oder 70 Tage am Stück, beim längsten Spiel überhaupt. Im April 2011 wurde ein neuer Guinness-Weltrekord gesetzt: 32,976 Spieler aus 197 verschiedenen Ländern spielten Monopoly Millionaires, eine Online-Version, gleichzeitig. So viele Monopoly-Spieler gleichzeitig gab es noch nie.

Monopoly-Verfilmung durch Ridley Scott

Die Tücken des Spiels entdeckte die Firma Parker Brothers schon sehr früh und wies deshalb auch die ersten Anfragen der Spiele-Entwicklers Darrow kategorisch ab: Viel zu kompliziert sei das Spiel, es würde zu lange dauern, es sei praktisch unverkäuflich. Charles Darrow stellte Monopoly darauf selbst her. Erst als der erste Erfolg einsetzte, änderte der Spielehersteller seine Meinung und kaufte das Konzept. Monopoly eroberte schnell die Welt, und auch den Weltraum: Extra für die NASA wurde eine weltraumtaugliche Version produziert, die Astronauten bei längeren Aufenthalten bei Laune halten soll. Natürlich mit unzerstörbaren Aluminiumhäusern und nicht entflammbaren Geldscheinen.

Monopoly ist Teil unserer Kultur geworden: Der Detektiv Hercule Poirot streitet sich in der verfilmten Kurzgeschichte "The lost Mine" von Agatha Christie über Glück oder Können in diesem Spiel. Letztlich findet sich der dringend gesuchte letzte Beweis in der Spielanleitung. Ob in "Alf", bei "Seinfeld" oder in Milos Formans "Einer flog über das Kuckucksnest": In all diesen Filmen und Serien wird das leicht erkennbare Spielbrett mit Hotels, Gefängnis und Ereigniskarten in Szene gesetzt. Sogar Mr. Burns aus den "Simpsons" erzählt stolz, dass er sowohl Elektrizitäts- als auch Wasserwerk besitzt und ein Hotel auf der Badstraße gebaut hat. Nicht ahnend, dass er sich damit keine goldene Nase verdienen wird. Die größte mediale Verarbeitung kommt allerdings erst: Hollywood-Größe Ridley Scott sitzt gerade an einer Kinoverfilmung. Der Arbeitstitel lautet schlicht "Monopoly".

Dazu lesen

Andreas Tönnesmann: Monopoly: Das Spiel, die Stadt und das Glück (Wagenbach 2011, 124 S., 22.90 €)

 

 

Adrian Bechtold (25) lebt als Student und freier Journalist in der Schweiz.

Foto oben: flickr Creative Commons / foreverdigital
Foto unten: Privat



Links

Monopoly-Wiki (engl.)
Mehr über Monopoly auf Wikipedia





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