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Pink Floyd: Money

Was tun, wenn die Kasse klingelt?

16.12.2011 | Nina Aleric | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Pink Floyd 1972

Pink Floyd 1972

1973 veröffentlichte die britische Band Pink Floyd das Konzeptalbum "The Dark Side of the Moon", ein Klassiker der Musikgeschichte. "Jeder ist ein Mond und hat eine dunkle Seite, die er niemandem zeigt", schrieb Mark Twain 1894 in seinem Roman "Knallkopf Wilson" und inspirierte damit die Band zu der Titelwahl.

Es geht auf dem Album um Erscheinungen, die zu der dunklen Seite des Menschen gehören: Tod, Gewalt und Wahnsinn. "Brain Damage", die Hymne des Albums, der Monolog eines Lunatics (eines Verrückten), verbindet diese Aspekte und gipfelt in der so ironischen wie verheißungsvollen Aufforderung: "I'll see you on the dark side of the moon." "Money", eine der beiden Single-Auskopplungen, Auftaktstück auf der B-Seite der Platte, beschreibt eine der gewaltigen Kräfte, die die Menschen antreibt: das Geld.

Her mit dem süßen Leben!

Die Kasse geht mit einem Klingeln auf, die Münzen klimpern. Der Kassenton wiederholt sich und formiert sich zu einer endlosen Schleife, einem Rhythmus. Dieses berühmte Intro wird gerne und oft in Fernsehsendungen eingespielt, sobald es um das Thema Geld geht. Text und Musik stammen von Roger Waters, dem exzentrischen Kopf der Band.

Pink Floyd 1972

Pink Floyd 1972

"Money, it's a hit / Don't give me that do goody good bullshit / I'm in the high-fidelity first class travelling set / And I think I need a Learjet." Wenn die Kasse mal geklingelt hat, gibt es kein Halten mehr: Ein dicker Wagen oder ein Privatjet müssen her! Besser noch: ein ganzes Footballteam: "Think I'll buy me a football team." Der Ton ist selbstgewiss bis zum Äußersten. Wer hier spricht, den plagen keine Gewissensbisse. Der Wohltätigkeitsmist, der "goody good bullshit", hat in so einem Leben keinen Platz.

Die Gier nach Geld steuert die Gesellschaft, so die Botschaft in "Money". Und das, wo es wesentlich mehr Arme als Reiche auf der Welt gibt. Das offizielle Video zum Song zeigt neben vielen Bildern von einem Leben in Luxus auch immer wieder kurz Bilder der Armut – oft nur wie ein Aufblitzen, ein vages, mit schlechtem Gewissen verbundenes Wissen daran, dass es draußen auch ein anderes Leben gibt. Der Kick des Besitzens, des Verdienens, des Ausgebens ist groß, die Lust, das soziale Gewissen zu verdrängen, gewaltig: "Money, it's a gas". Geld ist ein Knaller.

Explodierende Platten

TDSOTM-Albumcover

TDSOTM-Albumcover

Die Studioversion des Tracks dauert ganze sechs Minuten und beinhaltet nur drei Strophen. Das Stück wechselt nach einem lockeren Saxophon-Solo nach der zweiten Strophe, mit einer legendären Gitarren-Kadenz David Gilmours, den Takt. Nun schweigen die Worte, nur die Musik spricht. Im offiziellen Musikvideo wird dieser Teil von gewaltigen Explosionen untermalt. Wer genau hinschaut, sieht, dass hier eine weitere Ebene eingebaut ist: Gesprengt wird "The Dark Side of the Moon", das Album, das man gerade vorher noch in der seriellen Fabrikation auf dem Förderband sah, auf dem Weg zur kommerziellen Verwertung.

Die Botschaft: Pink Floyd war bewusst, dass sie mit ihren erfolgreichen Platten ebenso angreifbar waren wie die dicken Banker und die blond getönten Oberklasse-Mädchen, die sich in "Money" angesprochen fühlen sollten. "The Dark Side of the Moon" erwies sich dann sogar als Kassenschlager. Die Konzeptplatte wird heute zu den drei erfolgreichsten Alben aller Zeiten gezählt. Noch heute, knapp 40 Jahre nach der Erstveröffentlichung, werden jährlich mehrere hunderttausend Exemplare davon verkauft.

Nina Aleric ist Soziolinguistin, freie Journalistin und Teach First Fellow.

 

Foto oben: ©Storm Thorgerson
Foto unten: ©Genie







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