Betty murdered me
tragen fiese Masken, hinter denen nette Jungs stecken. Auf der Bühne sind sie ziemlich aggro und sie singen: sleeeeep good, sleeeeep well, but tonight you sleep in fucking hell ... Metalhead Kevin Wannecke, 21 Jahre alt und ehemals mit Parsley says good bye unterwegs: "Die Masken sollen aussehen wie Pandaköpfe. Wir wollen damit eigentlich sehr viel ausdrücken, etwa, dass die Tiere einfach nur vom Menschen misshandelt werden - wobei die Menschen eigentlich die Klügeren sein müssten." Betty murdered me sind Erik Metze, 19 Jahre alt, Pit Nötzold, 22 Jahre und Benjamin Hunger, geboren 1990. Sie kommen aus Sömmerda. Kevin sind insbesondere die Fans wichtig: "Wir sind wirklich stolz auf die Leute, die uns in dieser kurzen Zeit so viel geholfen haben, uns zu den Shows gefolgt sind, uns eingeladen haben ... Ein riesengroßes Dankeschön!"Betty Murdered Me: Wie wir auf Betty murdered me gekommen sind, das war reiner Zufall. Wir proben in einer Art Bunker und über uns steht ein Bürogebäude. Da wir nicht wirklich die leiseste Musik spielen und unser Schlagzeuger auf die Trommeln schlägt, als ob es um sein Leben ginge, gab es ab und an Beschwerden. Eines schönen Abends kam eine Dame mittleren Alters in unseren Raum gestürmt und schrie uns an, dass wir jetzt endlich mal ruhig sein sollten, knallte die Tür zu und verschwand vor sich hinfluchend. Daraufhin fiel der Satz: "Alter, das könnte Betty Boops Zwillingsschwester sein. Nur, dass die so aussah, als würde sie uns killen wollen."
Wie entstehen eure Songs?
Zuerst steht ein Textentwurf und das Thema des Songs, danach überlegen wir, wie sich das musikalisch am besten umsetzen lässt. Also eher extrem aggressiv und schnell oder doch melodiöser oder gemischt oder mit einem speziellen Part zum Thema ... Dann fangen wir an zu schreiben, spielen einzelne Parts durch und setzten sie aneinander, verwerfen das meiste, schreiben wieder, verwerfen davon die Hälfte, passen den Text an und irgendwann kommt dann ein Lied dabei heraus. Wir versuchen so wenig wie möglich allein zu schreiben und komponieren 99 Prozent zusammen. Denn nur so können wir sicher sein, dass wir alle hinter dem Lied stehen.
Wie wichtig sind euch die Texte?
Um mal als Sänger zu antworten: Bevor ich irgendeine Scheiße ohne Sinn und Botschaft singe, nur um cool dazustehen, erschieße ich mich lieber. Aber mal im Ernst, mir sind die Texte äußerst wichtig. Ich will zum Denken anregen und den Zuhörern auch was bieten, das sie fordert. Ich weiß, man versteht nicht viel vom Text und viele Bands nehmen das als Grund, irgendwelchen Mist zu singen; aber ich möchte, dass die Aggressionen, die wir instrumental rüberbringen, sich auch in den Texten widerspiegeln und die Menschen ansprechen, die genug davon haben, sich fremd steuern zu lassen.
Wie steht ihr zu Phänomenen wie Popstars oder DSDS?
Teilweise haben die Sänger/innen schon was drauf. Aber meistens fehlt die Liebe zum Musikmachen. Wenn man sich Lieder schreiben lässt, bringt man nichts von seinen eigenen Emotionen mit ein. Wenn der Druck des Profits im Nacken hängt und Produzenten am Werk sind, die einen in eine Sparte drängen, zu der man nicht gehört, dann kann man einfach keine Musik machen, die man lebt, und produziert nur seelenlosen Mist, mit dem sich leider viel zu oft Geld machen lässt.
Was haltet ihr generell von Wettbewerben?
Wettbewerbe gibt es, seit es Menschen gibt. Kräfte messen liegt in unserer Natur. Dagegen gibt es nichts zu sagen. Was wirklich daran nervt, ist, dass viele Bands einen Konkurrenzkampf daraus machen. Wir sehen Wettbewerbe als Chance, neue Leute kennen zu lernen und auch mal mit genrefremden Bands Auftritte zu haben. Gewinnen ist schön, aber zweitrangig.
Wie professionell seid ihr und wollt ihr einmal vom Musikmachen leben?
Es wäre wunderbar, wenn wir von unserer Musik leben könnten. Auch wenn es sich abgedroschen anhört, wir stecken eine ganze Menge Herzblut in unsere Lieder und es wäre toll, wenn man das ein Leben lang machen könnte und dafür auch noch bezahlt wird. Wie professionell wir sind, soll jeder für sich entscheiden. Schaut uns an und macht euch selbst ein Bild.
Wie ist es für euch, auf der Bühne zu stehen?
Absolut genial! Wir können die Musik, die wir leben, nach außen tragen und Menschen mit unserer Energie anstecken. Wenn das Publikum sich mit uns in Trance und Rage tanzt, ist das ein unbeschreibliches Gefühl.
Absolutes No-No auf der Bühne?
Gibt es nicht. Jeder muss für sich entscheiden, wie er sich präsentiert.
Was muss mit auf die Bühne?
Instrumente wären sinnvoll. Hosen, haben wir gehört, sollen auch gut beim Publikum ankommen.
Wer sind eure musikalischen Vorbilder?
Parkwaydrive, Heaven shall burn und Callejon gehören auf alle Fälle dazu. Jeden aus der Band haben andere Künstler geprägt, das kann man schwer verallgemeinern.
Diesen Satz über uns können wir nicht mehr hören:
Ihr seid wie Slipknot, so mit den Masken und so.
Was kann man am Musikunterricht in der Schule verbessern?
Zuerst muss der Notendruck verschwinden und weniger musikalische Schüler/innen sollten spielerisch ans Musikmachen herangeführt werden. Projekte sollten nach Begabung gestaltet werden. Einigen liegt halt das Theoretische oder die Geschichte der Musik näher, anderen das Musizieren. Jeder sollte nach seinen Begabungen gefördert und zu nichts gezwungen werden.
Dankeschön!
Silke Kettelhake
Fotos: ©privat
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