Hannes Pries, 20
Hannes Pries arbeitet als FÖJler (Freiwilliges Ökologisches Jahr) bei Attac Deutschland in Verden an der Aller. Sein monatliches Einkommen liegt bei 500 Euro, davon sind 150 Euro selbst verdient, den Rest bekommt er von den Eltern. Sein derzeitiger Kontostand liegt bei 700 Euro.
Ob Geld glücklich macht? Ich würde sagen: Nein. Aber ich bin da vielleicht auch etwas untypisch. Ich gehe lieber raus in die Natur als zum Einkaufen. Es ist mir auch nicht wichtig, dass mir unglaublich viel gehört. Was mich sehr viel mehr beschäftigt, ist die Verteilung von Geld in der Welt. Ich habe zum Beispiel neulich gelesen, dass 385 Milliardäre genau so viel Geld besitzen wie 2,5 Milliarden Menschen zusammen und dass das Vermögen dieser reichsten Leute immer weiter wächst, während die Armen immer weniger haben. Gegen diese Ungerechtigkeit etwas zu unternehmen, finde ich wichtig. Deshalb bin ich auch zu Attac gegangen. Von den Leuten dort hat niemand besonders hohe materielle Ansprüche. Essen, ein Dach überm Kopf und Hygiene - solange es dafür reicht, ist es okay. Im Moment wüsste ich auch gar nicht, wofür ich sonst noch Geld ausgegeben sollte. Für einen privaten Internet-Anschluss vielleicht. Oder für eine Fahrkarte nach Hause. Das wäre schon schön, aber unbedingt notwendig ist es nicht.
Mirwad Altunay, 16
Mirwad Altunay besucht die Schadow-Oberschule in Berlin-Zehlendorf. Sie verdient sich jeden Cent selbst. Zur Zeit liegt ihr Wochenbudget bei 7,5 Euro.
Ich würde meine Familie nicht gegen Geld eintauschen. Niemals! Trotzdem würde ich in Hinsicht auf das Geld gern so ein Leben führen wie meine Freunde, die jedes Jahr in den Urlaub fahren und zwei Tage vor Weihnachten noch Schuhe für 300 Mark von ihren Eltern kriegen. In solchen Momenten bin ich wirklich neidisch, auch wenn das oberflächlich klingen mag, aber es ist nun mal so. Das heißt nicht, dass ich mir keine schöne Jeans leisten kann, nur muss ich mir das Geld selbst zusammen sparen. Also jobbe ich. Hausflurwischen und Gartenarbeit. Das bringt 15 Mark die Woche. Taschengeld bekomme ich nicht. Weil ich das nicht möchte. Weil ich weiß, es ist knapp genug. Die Schule hat deshalb auch die Hälfte meiner letzte Klassenfahrt gesponsert. Erst wollte ich nicht, weil ich mir asozial vorkam. Dann hat mir mein Lehrer gut zugeredet und wir haben es halt doch gemacht. In solchen Momenten fühle ich mich richtig arm. Zum Glück sind es nur Momente. Trotzdem habe ich mir fest vorgenommen, später wirklich viel Geld zu verdienen, um meine Familie zu unterstützen und mir all das leisten zu können, was meine Mutter sich nicht leisten kann. Wenn dann von einer Freundin kommt: "Mirwad, nimm doch das Geld nicht so wichtig ..." denke ich schon: "Klar, du hast es ja. Ich hab's nicht."
Adrian Wallstab, 17
Adrian Wallstab lernt Bankkaufmann bei der Berliner Sparkasse. Sein Azubi-Gehalt liegt bei 500 Euro netto im Monat. Davon muss er 175 Euro zu Hause abgeben. Sein Kontostand zurzeit: 13 Euro.
Also ich wäre gern Millionär. Auf jeden Fall! Klar weiß ich auch, dass Geld allein nicht glücklich macht, aber Geld kann das Glück verstärken. Außerdem vermittelt es Sicherheit. Mir macht es jedenfalls Spaß, in meinem Portmonee Scheine zu sehen. Wobei ich mich über zehn Zehner mehr freue als über einen Hunderter. Das ist so. Einfach dieser Effekt, viel von etwas zu haben, was begehrt ist. Ich träume auch oft von Geld, wobei ich das Geld dann nicht in Scheinen sehe, sondern als Kontostand auf einem Kontoauszug. Mein Kontostand fasziniert mich einfach. Ihn zu sehen mit ganz vielen Nullen hinten dran, das ist es, was mich im Moment am allermeisten reizt. Für mich ist der Kontostand ein Erfolgsindikator. Denn wenn regelmäßig viel Geld auf dem Konto eingeht, heißt das ja auch, dass man einem Unternehmen viel Wert ist. Deshalb arbeite ich auch darauf hin, dass aus meinem kleinen Azubi-Geld eines Tages großes Geld wird und ich die Freiheit habe, fast alles machen zu können. Was das genau sein wird, weiß ich noch nicht. Aber wenn es so weit ist, fällt mir bestimmt was ein!
Valerie Schönfeld, 19*
Valerie Schönfeld studiert Chemie an der Freien Universität Berlin. Nebenbei jobbt sie in einer Buchhandlung. Je nachdem, wie viel Zeit ihr der Stundenplan lässt, kommt sie auf einen Verdienst von bis zu 150 Euro im Monat. Außerdem steuert ihre Mutter 50 Euro bei.
Mein Verhältnis zum Geld ist relativ entspannt. Vermutlich, weil mir noch ziemlich viel abgenommen wird. Ich muss zum Beispiel zu Hause nichts für Miete und Essen abgeben. Das heißt, dass ich das Geld, das ich mir erarbeite, ausgeben oder auf die Seite legen kann. Daher würde ich schon sagen, dass ich luxuriös lebe - vielleicht nicht im Vergleich zu denen, die zum Abitur ein Auto geschenkt bekommen und es sich leisten können, regelmäßig in den Winterurlaub zu fahren, aber am Wochenende mit Freunden wegzugehen oder mir mal was Schönes zum Anziehen zu kaufen, ist auf jeden Fall drin. Bis vor kurzem habe ich sogar noch geraucht. Das war auch Luxus. Dieses Sich-keine-Sorgen-machen-müssen-ums-Geld ist natürlich sehr angenehm und ich würde mir wünschen, dass es auch in Zukunft so bleibt. Außerdem ist es mir extrem wichtig, dass ich das Geld, das ich später mal verbrauche, selbst verdiene. Zu den Frauen, die einen Millionär heiraten wollen, gehöre ich definitiv nicht. Im Gegenteil: Finanziell abhängig zu sein - egal, ob von einem Mann oder dem Staat - finde ich schlimm. So ein Schmarotzerdasein wäre nichts für mich. Auf keinen Fall.
(*Name auf Wunsch von der Redaktion geändert)
Die Interviews führte Beate Herkendell. Sie arbeitet als Autorin und Journalistin in Berlin.
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