t

First Steps - der Wettbewerb des deutschen Jungfilms

Die Konkurrenz und das Geschäft

24.8.2011 | Nana A. T. Rebhan | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Andrea Hohnen

Andrea Hohnen

Das Dutzend ist voll! Bereits zum 12. Mal wird der First Steps Award, der Filmpreis für deutsche Nachwuchsregisseure, vergeben. Noch bangen die in fünf Kategorien nominierten Regisseure/innen, wer von ihnen gewinnen wird – gestern am 23. August 2011 fand die Preisverleihung im Berlinale-Theater am Potsdamer Platz statt. Dabei wurden insgesamt 72.000 Euro vergeben. Doch es geht nicht nur ums Geld – wichtiger ist die Anerkennung durch Filmschaffende und Medien, die den Filmhochschulabsolventen durch die Auszeichnung zukommt. Unter den Preisträgern der letzten Jahre befinden sich mittlerweile etablierte Regisseure wie Hans Weingartner, Benjamin Heisenberg und Florian Gallenberger. Bevor Gründungsmitglied Nico Hofmann die Programmleiterin Andrea Hohnen bat, für First Steps tätig zu werden, arbeitete die gelernte Medienwissenschaftlerin als Festivalbetreuerin an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin und konzipierte einen europäischen Spielfilmwettbewerb beim Filmfest Ludwigsburg. Andrea Hohnen ist von Anfang an beim First Steps Award dabei.

Nana A.T. Rebhan: Wie kam es zu First Steps? Wer sind die Gründungsmitglieder?

Andrea Hohnen: Die Idee zu First Steps hatten Nico Hofmann und Bernd Eichinger. Die Partner der ersten Stunde – teamWorx, Spiegel TV, ProSieben Sat.1 und Mercedes-Benz – sind bis heute dabei, statt Constantin Film kam die Deutsche Filmakademie dazu. Das ist übrigens ein in Deutschland einzigartiges Konstrukt: Die vier privatwirtschaftlichen und der gemeinnützige Partner tragen diesen Preis seit 12 Jahren!

Wie finanziert sich der First Steps Award?

Der Löwenanteil kommt zu gleichen Teilen von den fünf Partnern; das Medienboard gibt einen Zuschuss.

Wie viele Filme wurden dieses Jahr eingereicht? In welchen Kategorien?

Wir hatten dieses Jahr einen Rekord von 222 Filmen. Darunter waren 74 Kurzspielfilme bis 25 Minuten, 29 Spielfilme bis 60 Minuten, 17 abendfüllende Spielfilme, 53 Dokumentarfilme aller Längen und 49 Werbefilme.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Filme aus?

Alle Abschlussfilme des jeweiligen Jahrgangs aus den deutschsprachigen Filmschulen – also inklusive den Absolventenfilmen aus Wien und Zürich – sind zur Teilnahme aufgefordert. Für die Nominierung durch unsere drei Jurys spielen Kriterien wie eine starke persönliche Handschrift, der Umgang mit Emotionen, außergewöhnliche handwerkliche Fähigkeiten, eine innovative Filmsprache und die Behandlung von Gegenwartsthemen eine Rolle.

Wie viele Filme sind nominiert?

In diesem Jahr 27, also etwas mehr als die üblichen fünf Filme in fünf Preiskategorien. In zwei Kategorien haben sich die Jurys entschlossen, einen mehr zu nominieren.

Dürfen nur Filmhochschulabsolventen ihre Filme einreichen?

Unser Fokus liegt auf Abschlussfilmen von Filmstudenten. Der Preis wurde ja ins Leben gerufen, um die Branche auf die jungen Profis aufmerksam zu machen.

Gibt es auch Ausnahmen?

Gewinner des Jahres 2010

Gewinner des Jahres 2010

Ja. Es dürfen auch Filmemacher unter 35 Jahren einreichen, die keine Filmausbildung absolviert haben. Wenn ihre Produktionen mit Diplomfilmen vergleichbar sind, nehmen sie am Wettbewerb teil. Fast jedes Jahr gibt es unter den Nominierten solche freien Einreichungen, in diesem Jahr sogar zwei.

Gibt es Themenschwerpunkte, die sich dieses Jahr herauskristallisiert haben?

Heimat und Fremde, Migration und Emigration, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Noch nie hatten wir so viele fremdsprachige Filme. Interessante, sehr reife Filme über den Umgang mit dem eigenen Fremdsein, den Verlust von Sicherheiten, die Suche nach einem Ort in der Welt.

Sieht man den Filmen denn an, dass sie frisch aus der Filmhochschule kommen? Wie "reif" sind sie?

In diesem Jahr ist es einfach unübersehbar und auffällig, wie unwahrscheinlich reif die abendfüllenden Spielfilme sind. Das haben wir schon lange nicht mehr gehabt, das hätte ich nicht in der Form erwartet. Sowohl was den philosophischen Hintergrund angeht, finde ich die Filme sehr erwachsen und sehr reif, was die Themenwahl angeht und den Umgang mit diesen; als auch vor allem in der handwerklichen Souveränität, mit der solche Experimente gewagt werden wie der Einsatz der Handkamera, oder eben halbdokumentarisch im afrikanischen Sumpf mit einem einzigen Hauptdarsteller. Man sieht diesen Filmen an, dass ihre Macher/innen schon ziemlich genau wissen, was sie können.

Welche Bedeutung hat der First Steps Award innerhalb der deutschen Filmszene?

Als Bühne für Absolventen und ihre ersten Schritte ist er unersetzlich, einzigartig und maßgeblich.

Hilft er dabei, einen Fuß ins Business zu bekommen?

Schon die Nominierung gilt in der Branche als Auszeichnung. Wir können etwa über den aktuellen Jahrgang sagen, dass alle nominierten abendfüllenden Spielfilme teilweise sogar schon Kinostarttermine haben, Fernsehtermine sowieso, denn fast alle diese abendfüllenden Spielfilme werden in Koproduktion mit Sendern produziert, zunehmend übrigens auch Kurzfilme.

Welche Gewinnerfilme aus den letzten Jahren lieben Sie ganz besonders?

"Mein Stern" von Valeska Grisebach und "Richtung Zukunft durch die Nacht" von Jörg Kalt, der sich vor zwei Jahren umgebracht hat. Beide Auszeichnungen haben für mich unter Beweis gestellt, dass unsere Jurys im Entscheidungsfall den kommerziellen Blick ablegen und außergewöhnlich zwingende künstlerische Ansätze erkennen können. "Mein Stern" hat das Zeug zum Klassiker.

Auf welchen Film warten Sie noch?

Seitdem ich Filme auswähle, tue ich das mit der aus Erfahrung gespeisten Haltung, dass der nächste Film das Außergewöhnlichste ist, was ich je gesehen habe. Es kann manchmal drei Wochen dauern, bis dieser nächste Film kommt, aber er kommt. Hundertprozentig. Er wird immer kommen. Dabei geht es mir überhaupt nicht um bestimmte Themen oder Genres, sondern darum, dass er mich ein Stück weit verändert. Für diese Kraft liebe ich Filme.

Nana A.T. Rebhan ist gerade mit dem Drehen ihres zweiten Dokumentarfilms in Berlin beschäftigt.

Fotos: ©Heike Steinweg, ©Jirka Jansch/www.firststeps.de







Kommentare

Dein Kommentar