t

Jenseits von Neon

"Ich hoffe, zu erfahren …"

31.8.2011 | Natasha Mahle | Kommentar schreiben | Artikel drucken

 

Vice, Weave oder Muh - wer liest diese Zeitschriften? Und was erhofft man sich vom Lesen? Eine Umfrage mit Fotos, unter anderen aus der Augsburger Bahnhofsbuchhandlung.

Veronika, Ingolstadt: Muh

Auf Muh aufmerksam geworden bin ich über Facebook. Dort habe ich erfahren, dass dieses Heft neu auf dem Markt ist und es um Themen wie Musik und Sport geht, aber alles auf Bayern bezogen. Gerade unter jungen Leuten scheint es da einen Trend "Zurück zur Regionalität" zu geben. Diese Ausgabe spricht mich besonders an, weil das Titelthema Surfen ist. Mittlerweile haben ja viele Städte kleine Surfspots, das finde ich toll. Ich werde mir Muh jetzt mal kaufen, und wenn's mir gefällt, werde ich es in Zukunft regelmäßig am Augsburger Bahnhof mitnehmen und auf der Heimfahrt nach Ingolstadt lesen.

 

Marius, Langerringen: Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt/Erneuerbare Energien

Ich lese landwirtschaftliche Zeitschriften, weil wir daheim einen Bauernhof haben und ich gerade eine Ausbildung zum Landwirt mache. Zurzeit bin ich noch im ersten Ausbildungsjahr. Das Bayerische Landwirtschaftliche Wochenblatt kenne ich schon ewig, weil es bei uns, seit ich denken kann, zu Hause herumliegt. Das gibt es ja auch schon über 200 Jahre. Alternative Energien sind für mich auch interessant, vor allem, weil sie in der Ausbildung noch kein Thema sind – obwohl wir in der Landwirtschaft große Gebäude haben, auf denen man Photovoltaik-Anlagen installieren könnte. In Erneuerbare Energien erfährt man, ob sich das rentiert und was es für Möglichkeiten gibt. Dieses Wissen kann ich in Zukunft vielleicht nutzen, weil ich später wahrscheinlich einen unserer zwei Betriebe übernehmen werde.

Vera, Augsburg: Page/Weave

Ich habe Multimedia studiert, das ist eine Mischung aus Gestaltung und Informatik. Weil ich mich als Motion-Designerin etablieren will und gerade einen festen Job suche, kann ich Tipps rund um das Thema "Medien und Werbung" gut gebrauchen. Die hoffe ich, in der Page zu finden. Als junger Designerin gefällt mir allerdings die Weave, ein Ableger der Page, noch besser. Da geht's hauptsächlich um das bewegte Bild, also eher um das generative Gestalten. Bisher habe ich nur ein kostenloses Probeheft gelesen. Denn auch wenn ich genau zu der Zielgruppe gehöre, die das Magazin ansprechen will: Knapp 15 Euro pro Heft sind für mich als Berufsanfängerin schon ganz schön happig.

 

Andreas, Memmingen: Rock Hard

Mich kann man als treuen Leser betrachten. Seit meinem 15. Lebensjahr bin ich Abonnent von Rock Hard. Bis heute ist das mein alljährliches Geburtstagsgeschenk: ein Rock-Hard-Abo! Metal nimmt einen sehr großen Platz in meinem Leben ein. Ich bin selber musikalisch aktiv, auf zahlreichen Konzerten unterwegs, und im Sommer nehme ich so gut wie jedes Festival mit. Informationen dazu, ob Tourdaten, Festivaltermine, Plattenrezensionen oder fachkundig geführte Interviews, finde ich in Rock Hard, dem Magazin, das mein Leben und meine Lebenseinstellung zum Teil widerspiegelt.

Sabine, Memmingen: Men's Health

Ich bin bestimmt nicht die Zielgruppe von Men's Health, wie ja schon der Name sagt. Trotzdem lese ich das Magazin sehr gerne. Ich finde es unterhaltsam, die typischen Mann-Frau-Probleme einmal von der anderen Seite aus zu betrachten. Es wäre naiv zu glauben, dass man nach dem Lesen bestimmter Artikel nie mehr Probleme mit dem anderen Geschlecht hat. Trotzdem können die Artikel einen gewissen Input geben. Außerdem hat die Zeitschrift auch noch einen anderen großen Vorteil: So gut wie jeden Monat wird beschrieben, wie sich eine Wampe in einen Waschbrettbauch verwandelt. Wenn sich viele Männer davon inspirieren lassen, freue ich mich jetzt schon auf den nächsten Schwimmbadbesuch.

Laura, Dettingen: journalist

Ich habe diese Ausgabe von der journalist bei meiner Schwester schon im Bücherregal entdeckt und bereits reingeschmökert. Ich bin seit eineinhalb Jahren bei der Jugendpresse aktiv und schreibe für eine Tageszeitung und diverse Jugendmedien. Zum Schreiben bin ich durch ein medienpädagogisches Projekt gekommen. Wir haben für einen Jugendkalender Interviews und Reportagen gemacht. Am Journalismus reizt mich, mit immer neuen Themen und Leuten in Kontakt zu kommen, Geschichten zu recherchieren und sie anschließend interessant zu Papier zu bringen. Im journalist hoffe ich zu erfahren, was die Medienwelt umtreibt und worüber Journalisten gerade diskutieren.

 

Vera, Biberach: Vice

Bei einer Städtereise nach Hamburg habe ich in einem Shop auf der Reeperbahn ein dickes Magazin entdeckt. Das Foto auf dem Cover hat mich total angesprochen, deshalb habe ich die Zeitschrift mitgenommen – und war enorm überrascht. Vice ist kein billiges Veranstaltungsblättchen, sondern bietet aufwendig recherchierte Reportagen über sexuelle Gepflogenheiten auf der ganzen Welt oder eine Abenteuerreise durch den Tunnel von Sinai nach Gaza. Das Beste an Vice ist aber die Bildsprache, sie haben spezielle bis extreme Fotos im Blatt. Manche kann ich mir minutenlang anschauen. Da ich selber fotografiere, kann ich mir auch Ideen und Anregungen holen. Bei uns in Süddeutschland bekomme ich das Heft nicht, deshalb ist Vice meine Startseite.

Natascha Mahle lebt als freie Journalistin in Biberach. Elke Eckert hat Journalistik und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als freie Journalistin Reportagen, Interviews und Filmkritiken.

Fotos: ©Natascha Mahle & Elke Eckert







Kommentare

Dein Kommentar