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Green California

Kalifornien nimmt in den USA eine Vorreiterrolle in Sachen Umwelt ein

26.7.2011 | Claudia Steiner | Artikel drucken

Cable Car in San Francisco

Cable Car in San Francisco

Die Sonne brennt. Die Luft ist trocken, staubig und schmutzig. Tausende Autos stehen Stoßstange an Stoßstange. Auf mehreren Spuren. Jeden Tag. "Manchmal braucht man für wenige Meilen zwei Stunden", sagt eine genervte Kalifornierin. Die Stadt Los Angeles ist mit 3,8 Millionen Einwohnern nach New York die zweitgrößte Stadt in den USA. Mit knapp 13 Millionen Einwohnern gehört die Greater Los Angeles Area sogar zu den größten Ballungsräumen der Welt. Im Kampf gegen die Blechlawinen und die Abgase wurde eine U-Bahn gebaut, die öffentlichen Busse sind gasbetrieben. Auf den Freeways ist die Überholspur für Fahrzeuge mit mindestens zwei Insassen reserviert. Die "Carpool Lane" soll die Bewohner der Metropole dazu anhalten, Fahrgemeinschaften zur Arbeit zu bilden. Wer alleine über die linke Spur braust und erwischt wird, zahlt eine saftige Strafe. Um die Autobahnen sauber zu halten, stehen am Straßenrand "Adopt a highway"-Schilder – Privatleute, Firmen oder Organisationen kümmern sich dann ehrenamtlich um die Reinigung ganzer Straßenabschnitte. Los Angeles hat sich vorgenommen, die Treibhausgasemissionen bis 2030 deutlich zu reduzieren, nämlich um 35 Prozent, um das Niveau von 1990 zu unterschreiten. Derzeit hat der Großraum Los Angeles so hohe Emissionen wie Schweden – das aber mit 9,5 Millionen Menschen deutlich weniger Einwohner hat.

Der Klimawandel und die damit verbundenen höheren Temperaturen werden Kalifornien härter treffen als andere Regionen der Erde. Bereits heute hat der Staat Probleme mit der Wasserversorgung, regelmäßig brechen verheerende Waldbrände aus, Tausende Menschen müssen dann evakuiert werden. Nicht nur deshalb hat Kalifornien in den USA eine Vorreiterrolle in Sachen Umweltschutz. Bereits Anfang der 1960er-Jahre führte der Bundesstaat Abgasgrenzwerte im Straßenverkehr ein – in der Europäischen Gemeinschaft geschah dies erst 1970. 2006 hatte der damalige Gouverneur Arnold Schwarzenegger den "Global Warming Solution Act" unterzeichnet. Darin hieß es, dass in Kalifornien Treibhausgasemissionen bis 2020 auf das Niveau von 1990 sinken und bis 2050 um weitere 20 Prozent verringert werden sollen. Auch der derzeitige Gouverneur Jerry Brown, der seit 2010 im Amt ist, setzt auf die grüne Welle. In den 1970er- und 1980er-Jahren – als er schon einmal Gouverneur war – ließ der Demokrat die ersten Windparks des Landes bauen. Brown: "Wir müssen die Umwelt schützen und Jobs schaffen, die langfristig für Wohlstand sorgen." Zum Ende seiner jetzigen Amtszeit, die vier Jahre dauert, soll ein Drittel des Stroms in Kalifornien aus Solaranlagen kommen. Insgesamt sprach sich Brown für den Zubau von 20.000 MW an erneuerbaren Energien bis 2020 aus.

Wettstreit um grüne Patente

Aquarium of the Bay

Aquarium of the Bay

Fast scheint es, als sei unter den kalifornischen Städten und Regionen ein "grüner" Wettbewerb ausgebrochen: In San Francisco bringt eine Hybridfähre Touristen zur Gefängnisinsel Alcatraz. Die California Acedemy of Science im Golden Gate Park in San Francisco gilt als das grünste Museum der Welt. Das Gebäude beherbergt unter anderem ein Planetarium und eine riesige Glashalle, in der sich ein künstlicher Regenwald befindet. Gedämmt wurde das Gebäude mit recycelten Jeans. Das Dach ist bepflanzt. Ein Teil des Stroms wird mit Solarenergie erzeugt. Der umweltfreundliche Entwurf des italienischen Architekten Renzo Piano erhielt von der US-Behörde für umweltfreundliches Bauen das LEED-Zertifikat in Platin (LEED = Leadership in Energy and Environmental Design). In Santa Monica gibt es das erste komplett mit Solarenergie betriebene Riesenrad. Das 35 Meter hohe Pacific Wheel am Pier dreht – getrieben von der Sonne – bereits seit 1998 seine Runden. In Santa Barbara fahren Elektro-Shuttlebusse die Menschen durch die Innenstadt. In Silicon Valley, einst bekannt für Computer- und Halbleitertechnologie, wetteifern Firmen um die besten Patente für grüne Technologien.

Das Monterey Bay Aquarium betreibt ein "Seefood Watch Project" und erklärt, welche Fische und Meeresfrüchte gegessen werden können und auf welche Konsumenten besser verzichten sollten, weil die Art bedroht ist. Auch im Aquarium of the Bay in San Francisco erklären Mitarbeiter beim Rundgang schon den ganz Kleinen, welche Fische nicht auf den Teller gehören. "Isst du gern Thunfisch?", fragt eine Mitarbeiterin einen kleinen Jungen. "Ja, ich liebe Thunfisch!", antwortet der. "Weißt du, es gibt nicht mehr so viele Thunfische in den Meeren, vor allem Blauflossen-Thunfische sind bedroht. Du solltest besser andere Fischarten essen wie zum Beispiel Sardinen oder Seebrasse." Inzwischen gibt es sogar Initiativen, um den Fang von Haifischen zu verbieten, was angesichts der hohen Anzahl chinesischstämmiger Bewohner – in der chinesischen Küche gelten Haifischflossen als Delikatesse – aber schwierig werden könnte.

Earthbound Farm in Carmel

Earthbound Farm in Carmel

"Es geht um einfache Veränderungen, wie Nahrungsmittel aus der Region zu verwenden, biodynamische Weingüter für die Weinprobe auszusuchen und einen Teil der Wege zu Fuß, mit dem Rad oder öffentlichen Verkehrsmitteln zurückzulegen", sagt Caroline Betata, Chefin der California Travel and Tourism Commission. "Auch für Übernachtungen gibt es viele grüne Angebote, die vorbildliches Recycling und Energiemanagement verwenden." Und so werben The Good Hotel oder The Orchand Garden Hotel in San Francisco nicht nur mit ihrem guten Service und der zentralen Lage, sondern auch mit ihrem grünen Image. Die Häuser sind vorbildlich isoliert, in den Zimmern stehen Möbel aus recycelten Materialien, die Hotels wechseln Handtücher nur aus, wenn gewünscht, und sie trennen natürlich den Müll.

"In der mittleren USA ist die Situation noch anders."

Auch viele Restaurants und Lebensmittelläden setzen auf Organic Food. Ein Beispiel für den Aufstieg von Ökogemüse und -obst ist die Earthbound Farm bei Carmel. Drew und Myra Goodman waren 1984 aus Manhattan in New York in diese Gegend gekommen und haben auf etwa einem Hektar angefangen, Himbeeren anzupflanzen. Inzwischen produzieren 150 Bauern auf den mehr als 14.540 Hektar Obst, Salat und Gemüse – ohne künstliches Dünge- und ohne Schädlingsbekämpfungsmittel. "Die meisten Insekten richten keinen Schaden an, warum sollte man sie dann vernichten?", sagt Samantha Cabaluna und läuft durch einen riesigen Kräutergarten. Und falls sich doch einmal zu viele Läuse über den Salat hermachen, gibt es natürliche Feinde. Sie holt aus einem kleinen Stoffsäckchen Hunderte von Marienkäfern heraus und setzt die hungrigen Tiere auf Pflanzen, die von Blattläusen befallen sind. "Die Menschen in Kalifornien, aber auch an der Ostküste sind sehr umwelt- und gesundheitsbewusst", sagt Cabaluna. "Sie legen großen Wert darauf, sich gesund zu ernähren und auf die Umwelt zu achten. In der mittleren USA ist die Situation noch anders."

Natürlich gibt es auch in Kalifornien noch Verbesserungsbedarf: Noch immer haben viele Familien mehrere Autos in der Garage stehen – im ganzen Bundesstaat Kalifornien sind 32 Millionen Fahrzeuge registriert. Häuser, Restaurants und Supermärkte werden im Hochsommer auf Kühlschranktemperaturen heruntergekühlt, Millionen Liter Wasser werden für Golfplätze, Pools und immergrüne Vorgärten verbraucht. Aber es gibt einen Plan, ein großes Ziel – und das wird sogar von Hollywood unterstützt: Die Universal Studios in Los Angeles setzen Fahrzeuge mit Biodiesel ein, verarbeiteten Tonnen von recyceltem Material im Themenpark und bei Filmproduktionen werden Abfälle kompostiert. Auf dem Gelände der Studios steht zudem ein Solaranlagensystem, das jeden Tag fast 1.400 Haushalte mit Strom versorgt. Schauspieler Leonardo Di Caprio hat eine Eco-Webseite und setzt sich für den Umwelt- und Tierschutz ein. Und Cameron Diaz fährt im Hybridwagen bei der Oscar-Verleihung vor. In der US-Talkshow von Jay Leno erklärte sie sogar einmal freimütig, wie sie beim Toilettengang Wasser spart: "Ich folge dem Spruch: 'Ist es gelb, lass es drin, ist es braun, lass es geh'n.'"

Claudia Steiner lebt als freie Journalistin in München.

Fotos: ©Marden Smith (www.mardensmith.com)



Link

Leonardo Di Caprios Eco-Webseite, auf der er sich für den Umwelt- und Tierschutz einsetzt