Anlässlich des sechzigsten Jahrestags der Wannseekonferenz am 20. Januar 2002, auf der die "Endlösung der Judenfrage" in allen technischen und organisatorischen Details beschlossen wurde, zeigt das Deutsche Historische Museum (DHM) die Ausstellung "Holocaust - Der nationalsozialistische Völkermord und die Motive seiner Erinnerung". Auf 900 qm Ausstellungsfläche werden mit circa 1.200 Exponaten und diversen Videoinstallationen die Schrecken des Holocaust deutlich gemacht. Auch ein digitaler Führer, mit dem Informationen zu den einzelnen Ausstellungsstücken abrufbar sind, kann für drei Euro ausgeliehen werden. Neu hierbei ist, dass unter dem Motto "Jugend im DHM" zusätzlich noch eventuell unklare Begriffe wie "Auschwitzlüge" und "Kaftan" erklärt werden.
Die Struktur der Nachbereitung Ich habe die Ausstellung besucht und war positiv überrascht. Den Machern ist es gelungen, dieses "schwere" Thema auf dem schmalen Grad zwischen Über- und Untersensibilisierung in passender Form aufzubereiten.
Die Schau ist insgesamt sehr gut strukturiert. Der Besucher wird chronologisch von den Anfängen des deutschen Antisemitismus im Kaiserreich über den Aufstieg der NSDAP bis zur industriellen Massenvernichtung von sechs Millionen Juden durch das Museum geführt.
Die vielen Originaldokumente vermitteln einen authentischen Einblick. Ich war entsetzt, mit welcher Nüchternheit ein SS-Offizier seinen Vorgesetzten über eine von ihm geleitete Erschießung polnischer Juden, Sinti und Roma informierte. Er bedauerte, dass die ihm zugeteilte Transporteinheit von Zivilisten gefahren wurde, da dies die Geheimhaltung gefährdete, und dass die LKW über keine Planen verfügten, was das Aufsehen der Bevölkerung erregte. Erfreut war er jedoch über den Exekutionsplatz, da dieser so günstig gelegen war, dass man mit wenig personellem Aufwand eventuelle Fluchtversuche vereiteln konnte.
Berührt hat mich auch ein großes Modell eines der Krematorien von Auschwitz, an dem deutlich wurde, wie der systematische Massenmord nach brutalen ökonomischen und praktischen Gesichtspunkten durchgeführt wurde. Die Wirkung der Bilder von fast verhungerten und geschundenen KZ-Häftlingen, eine Videoinstallation zur Befreiung von Auschwitz und die Exponate des alltäglichen Lebens im Konzentrationslager waren, denke ich, für alle Besucher die ergreifendsten. Vor der Leinwand, die direkt am Ausgang angebracht war, blieben alle stehen und sahen mit entsetzten und fassungslosen Gesichtern diese schrecklichen Bilder. Niemand verließ den Saal, bevor der Film endete.
Wie die Nachwelt damit umging In einem weiteren Teil der Ausstellung wird der Umgang mit dem Holocaust nach 1945 in Deutschland behandelt. Es wird deutlich gezeigt, dass die Gräueltaten des NS-Regimes nach dem Krieg zunächst verdrängt wurden und dass die Aufarbeitung der Geschichte erst vor kurzer Zeit richtig begonnen hat. Besonders interessant fand ich den Bereich, der sich mit Gruppen auseinander setzt, die deutsche Kriegsverbrechen leugnen oder verherrlichen. Aber auch Formen des Gedenkens und die Nürnberger Prozesse werden behandelt.
Am Ende der Ausstellung stellen sich weitere Museen und Gedenkstätten mit ihrer Konzeption vor - z. B. Yad Vashem in Jerusalem und das U.S. Holocaust Memorial Museum in Washington. Über bereitgestellte Computer können deren Internetseiten abgerufen werden.
Alles in allem hat das Deutsche Historische Museum hier eine sehr interessante und sehenswerte Ausstellung geschaffen. Durch die gute Darstellung der Anfänge des Nationalsozialismus und über den Umgang der Nachkriegsgesellschaft mit den unfassbaren Verbrechen vermittelt sie einen authentischen Eindruck von dieser Zeit, auch indem diese in den gesamten geschichtlichen Kontext gestellt wird. Einen Besuch der Ausstellung kann ich nur empfehlen.
"Holocaust - Der nationalsozialistische Völkermord und die Motive seiner Erinnerung", bis 9. April 2002 im Deutschen Historischen Museum (zur Zeit im Kronprinzenpalais), Unter den Linden 3, 10117 Berlin (täglich von 10-18 Uhr, Donnerstag bis 22 Uhr, mittwochs geschlossen, Eintritt frei)
Ruben Herweg ist 17 Jahre alt und verbringt seine freie Zeit bei der Jugendzeitschrift mono .
www.dhm.de/ausstellungen/holocaust
Die DHM-Seite zur Ausstellung - es gibt auch ein umfangreiches kulturelles Rahmenprogramm (von der Bundeszentrale für politische Bildung veranstaltet), das findest du in der Rubrik Einplanen - oder auf eben dieser Seite
www.ushmm.org/
Hier stellt sich das U.S. Holocaust Memorial Museum in Washington vor
www.auschwitz-muzeum.oswiecim.pl/
Die Seite des Museums Auschwitz-Birkenau
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