Während die einen Zeit mit dem Schreiben verbringen, hat die Administratorin, die das Mädchenblog verwaltet, mehr regelmäßige Arbeit, sitzt durchschnittlich ein bis zwei Stunden täglich vor dem Rechner. "Heute sind es schon mehr als drei Stunden, aber es gibt auch Tage, da gucke ich nur kurz, ob es was Neues gibt." Mal ist das Neue ein Text über David Beckham, der zum "männlichsten Mann der Welt gekürt wurde", mal der "Kotzbrocken des Monats". Oder der Beitrag von Dodo über den ersten Kongress Schwarzer Europäerinnen in Wien. Darin schreibt sie: "Während es in Amerika in feministischen Bereichen längst gang und gäbe ist, sich auch mit dem Zusammenhang Rassismus - Frauenhass auseinander zu setzen, geht das in Europa (auch hier in Deutschland) zuweilen ziemlich unter."
Blinde Flecken in Medien
Feminismus und Genderpolitk sind dagegen bei jüngeren Feministen/innen und Genderaktivisten/innen hier wie dort untrennbar miteinander verbunden. "Der Genderblick ist tief in meinem Alltag verwurzelt," schreibt beispielsweise Daniele Frijia (http://sase.de/index.php). Der 26-jährige Student ist hochschulpolitisch und gewerkschaftlich aktiv. "Die 'Genderbrille' begleitet mich in allen Bereichen meines Engagements. Egal ob beim Einkauf im Möbelhaus, den Aktivitäten in der Gewerkschaft oder in der Universität."
Image 16483
Eine Frage, die ihn auch privat beschäftigt, ist die Bedeutung der Auflösung von Geschlechterrollen für Männer. "Bei den meisten Partnerschaften ist es doch so, wenn ein Kind dazukommt, stellt sich die Frage, wie ernst es feministische Männer mit ihren Positionen nehmen", erzählt Rochus beim Milchkaffee in einem kleinen Berliner Café. Rollenvorbilder bei den Vätern seiner Generation gibt es kaum. "Auch wenn sich viele darüber lustig machen, ich finde es verständlich, dass so viele junge Väter, die sich um Kindererziehung kümmern, darüber Bücher schreiben. So setzen sie sich mit ihrer Rolle auseinander."
Happy Feminists Und Guerillagirls
Anja William ist eine der Autoren/innen des Genderblogs. Die Studentin hat aber auch ein eigenes Weblog (http://anja-lesenstattputzen.blogspot.com), eine Mischung aus persönlichen Erlebnissen und politischen Analysen. Zudem ist sie in verschiedenen feministischen Foren wie Femfacts aktiv (http://www.femfacts.de/forum). Ihr öffentliches Eintreten für feministische Positionen rief Reaktionen hervor, mit denen die Bloggerin nicht gerechnet hatte. "Am Anfang hatte ich noch keine Ahnung von Maskulisten, ehrlich gesagt kannte ich den Begriff bis dato gar nicht", beschreibt Anja. Maskulismus ist eine vor allem im Internet verbreitete Analogbildung zum Feminismus. Er versteht sich laut Wikipedia als soziale Bewegung zur Korrektur bestimmter politischer Entwicklungen, für die er den Feminismus verantwortlich macht, und zur Stärkung der Position von Männern in der Gesellschaft.
Plötzlich bekam sie E-Mails mit Beleidigungen und Drohungen. "Du Fotze! Dir sollte mal einer ins Maul pissen, du Luder!", schrieb ihr einer. "Das war noch eine der netteren E-Mails", erinnert sich Anja. "Anfangs war ich sehr geschockt über diese Drohmails, weil ich mir nicht vorstellen konnte, auf welchem nicht nur sprachlichen Niveau sich diese Maskulisten bewegen." Als auch noch ihre kleine Tochter bedroht wurde, änderte sie ihre E-Mail und setzte sich zur Wehr. Sie hat sich mit anderen Frauen vernetzt, einige von ihnen werden schon seit Jahren bedroht. Die Methoden gehen dabei weit über Drohungen und Beleidigungen per E-Mail hinaus. So werden rufschädigende Beiträge in verschiedenen Foren veröffentlicht oder Sexanzeigen unter dem Klarnamen der Frauen geschaltet. Durch Recherchen kam raus, dass hinter den Angriffen wahrscheinlich nur eine einzige Person steckt. "Allerdings durften wir lernen, dass dieser eine Mann die Rückendeckung von 99,9 Prozent aller Personen hat, die in Maskulisten-Foren aktiv sind", so Anja. Cyber-Stalking ist zwar ein Straftatbestand, sich damit zu solidarisieren jedoch nicht. "Aber bei aller Vorsicht gibt es noch etwas Entscheidendes", sagt sie zum Schluss: "Sich nicht einschüchtern zu lassen! Dieser Typ wollte, dass ich mich aus der feministischen Internet-Szene zurückziehe – tja, das hat er nicht geschafft."
Haidy Damm schreibt für Zeitungen. Sie lebt in Berlin.
Foto: ©mädchenblog
Kommentare
Dein Kommentar