"Egal,
ob du dich als Mädchen fühlst oder nicht, herzlich
willkommen beim Mädchenblog!"
(http://maedchenblog.blogsport.de)
Hier schreiben über zwanzig Autoren/innen über Themen wie
Körper, Beziehungen, Sexualität und Freundschaft sowie
Psychologie, Pop- und Subkultur, Politik, Schule und Ausbildung. Das
Gemeinschaftsprojekt sieht sich als Antwort auf das, was "normale"
Jugend- oder Mädchenzeitschriften immer predigen. Über
50.000 Besucher/innen hatte das Weblog im vergangenen Jahr. Die
Autoren/innen haben überwiegend übers Internet
zusammengefunden. Eine von ihnen ist Dodo. "Feminismus
heißt, zu merken, dass in der Gesellschaft die Geschlechter
verschieden behandelt werden, das zu analysieren und was dagegen zu
tun", erklärt die Bloggerin, die schreibt, wann immer sie
etwas Interessantes entdeckt. Voll-Nuß
dagegen hat sich erst vor kurzem beim Mädchenblog angemeldet.
Sie fand es über einen Aufkleber in der Uni-Toilette. "Für
mich ist das eine Chance, mich mit Gleichgesinnten, egal welchen
Geschlechts, über Feminismus und Genderfragen auszutauschen",
beschreibt die 21-Jährige ihre Motivation.
Während
die einen Zeit mit dem Schreiben verbringen, hat die Administratorin,
die das Mädchenblog verwaltet, mehr regelmäßige
Arbeit, sitzt durchschnittlich ein bis zwei Stunden täglich vor
dem Rechner. "Heute sind es schon mehr als drei Stunden, aber es
gibt auch Tage, da gucke ich nur kurz, ob es was Neues gibt."
Mal ist das Neue ein Text über David Beckham, der zum
"männlichsten Mann der Welt gekürt wurde", mal
der "Kotzbrocken des Monats". Oder der Beitrag von Dodo
über den ersten Kongress Schwarzer Europäerinnen in Wien.
Darin schreibt sie: "Während es in Amerika in
feministischen Bereichen längst gang und gäbe ist, sich
auch mit dem Zusammenhang Rassismus - Frauenhass auseinander zu
setzen, geht das in Europa (auch hier in Deutschland) zuweilen
ziemlich unter."
Blinde Flecken in Medien
Feminismus
und Genderpolitk sind dagegen bei jüngeren Feministen/innen und
Genderaktivisten/innen hier wie dort untrennbar miteinander verbunden.
"Der Genderblick ist tief in meinem Alltag verwurzelt,"
schreibt beispielsweise Daniele Frijia (http://sase.de/index.php).
Der 26-jährige Student ist hochschulpolitisch und
gewerkschaftlich aktiv. "Die 'Genderbrille' begleitet
mich in allen Bereichen meines Engagements. Egal ob beim Einkauf im
Möbelhaus, den Aktivitäten in der Gewerkschaft oder in der
Universität."
Eine Frage, die ihn auch privat
beschäftigt, ist die Bedeutung der Auflösung von
Geschlechterrollen für Männer. "Bei den meisten Partnerschaften ist es doch so, wenn ein Kind dazukommt, stellt sich die Frage, wie ernst es feministische Männer mit ihren Positionen nehmen", erzählt Rochus beim
Milchkaffee in einem kleinen Berliner Café. Rollenvorbilder
bei den Vätern seiner Generation gibt es kaum. "Auch wenn sich viele darüber lustig machen, ich finde es verständlich, dass so viele junge Väter, die sich um Kindererziehung kümmern, darüber Bücher schreiben. So setzen sie sich mit ihrer Rolle auseinander."
Happy Feminists Und Guerillagirls
Anja William ist eine der Autoren/innen
des Genderblogs. Die Studentin hat aber auch ein eigenes Weblog
(http://anja-lesenstattputzen.blogspot.com),
eine Mischung aus persönlichen Erlebnissen und politischen
Analysen. Zudem ist sie in verschiedenen feministischen Foren wie
Femfacts aktiv (http://www.femfacts.de/forum).
Ihr öffentliches Eintreten für feministische Positionen
rief Reaktionen hervor, mit denen die Bloggerin nicht gerechnet
hatte. "Am Anfang hatte ich noch keine Ahnung von Maskulisten,
ehrlich gesagt kannte ich den Begriff bis dato gar nicht",
beschreibt Anja. Maskulismus ist eine vor allem im Internet
verbreitete Analogbildung zum Feminismus. Er versteht sich laut
Wikipedia als soziale Bewegung zur Korrektur bestimmter politischer
Entwicklungen, für die er den Feminismus verantwortlich macht,
und zur Stärkung der Position von Männern in der
Gesellschaft.
Plötzlich bekam sie E-Mails mit
Beleidigungen und Drohungen. "Du Fotze! Dir sollte mal einer ins
Maul pissen, du Luder!", schrieb ihr einer. "Das war noch
eine der netteren E-Mails", erinnert sich Anja. "Anfangs war
ich sehr geschockt über diese Drohmails, weil ich mir nicht
vorstellen konnte, auf welchem nicht nur sprachlichen Niveau sich
diese Maskulisten bewegen." Als auch noch ihre kleine Tochter
bedroht wurde, änderte sie ihre E-Mail und setzte sich zur Wehr.
Sie hat sich mit anderen Frauen vernetzt, einige von ihnen werden
schon seit Jahren bedroht. Die Methoden gehen dabei weit über
Drohungen und Beleidigungen per E-Mail hinaus. So werden
rufschädigende Beiträge in verschiedenen Foren
veröffentlicht oder Sexanzeigen unter dem Klarnamen der Frauen
geschaltet. Durch Recherchen kam raus, dass hinter den Angriffen
wahrscheinlich nur eine einzige Person steckt. "Allerdings
durften wir lernen, dass dieser eine Mann die Rückendeckung von
99,9 Prozent aller Personen hat, die in Maskulisten-Foren aktiv
sind", so Anja. Cyber-Stalking ist zwar ein Straftatbestand,
sich damit zu solidarisieren jedoch nicht. "Aber bei aller
Vorsicht gibt es noch etwas Entscheidendes", sagt sie zum
Schluss: "Sich nicht einschüchtern zu lassen! Dieser Typ
wollte, dass ich mich aus der feministischen Internet-Szene
zurückziehe – tja, das hat er nicht geschafft."
Haidy Damm schreibt für Zeitungen. Sie lebt in Berlin.
Foto: mädchenblog
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