Evgenia
Rubinova wurde 1977 in
Taschkent in eine Musikerfamilie geboren und
lebt seit acht Jahren in Frankfurt am Main. Die frühe Kindheit
verbrachte sie in der usbekischen Hauptstadt, später lernte sie
an der Gnessin-Musikschule in Moskau und studierte schließlich
Klavier beim bekannten russisch-amerikanischen Pianisten Lev
Natochenny an der Frankfurter Musikhochschule. Heute tritt sie
weltweit am Flügel auf und spielt mit großen Orchestern.
Ein Gespräch über das viele Üben in der Kindheit und
den langen Weg zu einer internationalen Karriere.
Mila Zaharieva-Schmolke: Sie
sind in Usbekistan geboren, sind in einem musikalischen Elternhaus
groß geworden, wie entstand die Faszination für die Musik?
Evgenia
Rubinova: Sie entwickelte sich sehr natürlich, als ich drei
oder vier Jahre alt war, habe ich sehr gerne und viel gesungen,
deshalb wollten meine Eltern meine musikalische Begabung fördern.
Haben
Ihre Eltern, die Berufsmusiker sind, Ihr Interesse für die Musik
zusätzlich sensibilisiert?
Sie haben meine Leidenschaft für die Musik von
Anfang an gefördert und dafür bin ich ihnen heute sehr
dankbar. Um mir eine professionelle Ausbildung zu ermöglichen,
haben sie auf vieles verzichten müssen.
Das
Formen eines Musiktalentes erfordert sehr viel Disziplin und
tägliches Üben am Klavier. Blieb Ihnen damals Zeit für
andere Dinge?
Vielleicht haben andere Kinder mehr gespielt als ich,
aber ich hatte eine schöne Kindheit, viele Freunde und eine
gewisse Freizeit blieb trotz allem. Allerdings bin ich mit 13 Jahren
alleine nach Moskau gegangen, um dort weiter zu lernen, und
musste mich von der Kindheit verabschieden.
In
Moskau haben Sie die Musikschule Gnessin besucht. Warum war der
Wechsel der Schule in diesem Moment so wichtig?
Nur dort konnte ich mich weiterentwickeln. Meine
Lehrerin in Taschkent wurde eingeladen, an dieser angesehenen
Musikschule zu unterrichten. Deshalb hat sie ihre talentiertesten
Schüler mit nach Moskau genommen und ich war dabei. Da ich von
nun an ohne meine Eltern in dieser großen Stadt leben musste,
war es sehr schön, dass ich mit meiner Lehrerin zusammen wohnen
konnte und sie sich um mich gekümmert hat.
Und
wieso wollten sie dann doch Moskau verlassen, um in Deutschland zu
studieren?
In Russland fehlten mir die
finanziellen Mittel, um einen Meisterkurs zu besuchen oder an einem
internationalen Wettbewerb teilzunehmen. Wenn man keine Beziehungen
hat, schafft man den Sprung dahin nie. In Deutschland wurde ich von
Lev Natochenny betreut, der mich als Pianistin geformt hat.
Wie
wichtig ist für Sie als Künstlerin, ein Image zu haben oder
gar eine bestimmte Rolle zu spielen?
Als Künstlerin muss ich authentisch sein, um
überzeugend auftreten zu können. Eine Rolle oder ein Image
würde mich zu sehr einschränken. Wenn ich mich in eine
Schublade stecken ließe, könnte ich mich nicht mehr
entwickeln.
Und
was sind Ihre nächsten großen Auftritte in Deutschland und
im Ausland?
Im November werde ich in der Kölner Philharmonie
an drei Abenden Tschaikowskys erstes Klavierkonzert spielen. Im
nächsten Jahr spiele ich Chopins erstes Klavierkonzert in Leeds
in England.
Das Gespräch führte Mila Zaharieva-Schmolke.
Foto: privat
www.rubinova.wikidot.com
Klangbeispiele
und ein Mitschnitt aus Leeds von 2003
www.evgeniarubinova.com
Homepage
von Evgenia Rubinova