Co-Management in der Jugendpolitik

Wie konkrete Mitbestimmung aussehen kann

26.4.2003 | Björn Richter | Kommentar schreiben
Der Norweger Vegard Thise und die Finnin Marja Koskela gehen in ihren Ländern neue Wege in der Jugendpolitik.
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Dass man in Skandinavien guten Urlaub machen kann, ist bekannt - dass in Skandinavien auch neue politische Ideen erprobt werden, dagegen nicht so. Immer häufiger werden in den letzten Jahren in Deutschland Modelle der Arbeitsmarktpolitik aus Dänemark oder der Sozialpolitik aus Schweden ausprobiert. Auch die skandinavische Jugendpolitik geht neue Wege: "Der größte Unterschied zwischen der deutschen und der norwegischen Jugendpolitik ist, dass sich in Norwegen Jugendliche selber vertreten, während in Deutschland politische Vertretungen von Jugendlichen weitgehend von Erwachsenen wahrgenommen werden", so Vegard Thise, 27 Jahre, vom norwegischen Jugendring LNU.

Als stellvertretender Präsident vertritt Vegard Thise in Norwegen zusammen mit dem LNU-Präsidenten und 13 weiteren Vorstandsmitgliedern mehr als 600.000 Jugendliche, die sich in 68 Jugendorganisationen organisieren. Während sich in Deutschland nur etwa 12 Prozent der Jugendlichen in Jugendorganisationen engagieren, sind es in Norwegen immerhin 45 Prozent.

Mehr Geld

"Wir konnten erreichen, dass LNU jedes Jahr acht bis zehn Millionen Euro Förderung an die Jugendverbände weitergibt. Wir sind also als Jugendorganisationen selbst verantwortlich, was wir mit dem Geld anstellen und in welchen Bereichen wir Prioritäten setzen. Das müssen wir natürlich dann auch gegenüber dem Jugendministerium vertreten", meint Vegard. Der norwegische Jugendring wird im nächsten Jahr seine Mittel nochmals verdoppeln können. Da zeigt die Summe von sieben Millionen Euro, die das Jugendministerium selbst im Jugendbereich ausgibt, deutlich, wem die norwegische Politik in der Jugendpolitik vertraut.

Als wichtige inhaltliche Bereiche hat LNU neben der lokalen Jugendarbeit auch die internationale Jugendarbeit ausgewählt. So sind Jugendverbände auf allen Kontinenten aktiv - teilweise auch mit der Unterstützung des Ministeriums für Entwicklungshilfe oder des Außenministeriums. In Israel engagieren sich norwegische Jugendliche beispielsweise seit Jahren in konkreten Projekten für die Umsetzung der UN-Resolutionen. Vegard findet: "Wir werden in Norwegen ernst genommen und wir würden gerne deutsche Jugendliche und Politiker motivieren, ähnliche Schritte zu unternehmen. Natürlich haben auch norwegische Jugendverbände und Jugendliche Probleme mit der momentanen und zukünftigen Jugendpolitik - aber wir haben dafür auch die Möglichkeiten in der Hand, sie zu verändern!"

Direkte Vertretung

Marja Koskela ist in Finnland im nationalen Jugendring aktiv: "Mit unserem Dachverband ALLIANSSI vertreten wir über 55 Prozent der Jugendlichen Finnlands, da sich so viele Jugendliche in Jugendorganisationen engagieren." Trotzdem sind alle, die bei dem Jugendverband arbeiten, noch unter 27 Jahren. Der Präsident von ALLIANSSI sitzt seit den letzten Wahlen übrigens auch im Parlament und kann dort direkt die Interessen der finnischen Jugendlichen vertreten.

Die 22-jährige Marja ist Präsidentin des internationalen Komitees von ALLIANSSI und damit für die Außenvertretungen gegenüber internationalen Organisationen wie der EU und der UN zuständig. "Im Nordic Council of Ministers entscheiden wir zusammen mit den Ministerien über alle Fragen - nehmen also ein System des Co-Managements wahr, das auch in der Jugendabteilung des Europarates angewandt wird. Das wäre auch ein sinnvolles System, um Jugendliche in Deutschland für Politik zu begeistern", meint Marja. Neben ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit studiert sie momentan Völkerrecht in Helsinki.

Ideen mit Einfluss gekoppelt

Um die Ideen des europäischen Weißbuches für Jugendpolitik nach und nach umzusetzen, diesen Prozess mit den Politikern gemeinsam anzugehen, veranstaltet ALLIANSSI jedes Jahr eine "Youth Ferry" mit mehreren hundert Jugendlichen und etwas weniger Politikern auf einer Ostsee-Fähre. Marja findet: "Dabei entstehen innovative Ideen für zukünftige Jugendpolitik und außerdem lernen die Politiker authentisch die Interessen und Ideen von Jugendlichen kennen. Wir halten es für sehr wichtig, dass Jugendliche und Politiker sich auf Augenhöhe begegnen - dann ist das Gespräch für beide Seiten sinnvoll!"

Björn Richter ist 24. Wenn er bei diesem Wetter nicht gerade in der Hängematte mit einem Drink in der Hand die Berliner Luft genießt, studiert er Politikwissenschaften an der FU Berlin und ist als Vorstandssprecher der Jugendpresse Deutschland aktiv.

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www.lno.no
Weitere Informationen über den norwegischen Jugendring
www.alli.fi
Der finnische Jugendring
www.webforum-jugend.de
Informationen zum europäischen Weißbuch zur Jugendpolitik

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