t

Nick McDonell: Zwölf

Sie wissen nicht, was sie wollen

27.3.2003 | Daniela Künne | Kommentar schreiben | Artikel drucken
"Zwölf", der Debüt-Roman von Nick McDonell, spielt in der fragilen Jeunesse Dorée der reichen Kids von Manhattan: Dort, wo die Eltern für ein gut gefülltes Konto sorgen, versuchen sie, "... ein bisschen Spaß zu haben, an Gras ranzukommen, die Zeit zu vertrödeln, auf eine bestimmte Art zu reden, sich auf eine bestimmte Art anzuziehen, auf eine bestimmte Art zu gehen, auf eine bestimmte Art zu sein, denn ihr Weg ist unklar und uncool und richtungslos, denn eigentlich hat niemand was zu tun, in der ganzen Stadt hat niemand was zu tun, deshalb tun alle dasselbe und reden über Popkultur und die Trickfilme aus ihrer Kindheit (Ghostbusters war viel, viel besser als Ninja Turtles) und alle wollen bumsen und cool sein und alle wollen sportlich sein und alle wollen und wollen und wollen ..."

Coolness zählt

Der Held des Romans, White Mike, trägt einen Brooks-Brothers-Mantel und darunter einen Kapuzenpullover. Damit sieht er ein bisschen aus wie James Dean, auf jeden Fall cool. White Mike dealt mit Drogen, aber er nimmt das Zeug selber nicht, er nimmt überhaupt keine Drogen. "Ich weiß, warum", sagt eine Freundin, "dir gefällt die Macht, die du im Beisein von Betrunkenen hast, wenn du die ganze Zeit nüchtern bist."

White Mike ist klug. Das hilft ihm aber nicht weiter, sondern macht nur den Abstand etwas größer zwischen ihm und der Welt. Seine Wohnung ist zu groß und leer, seinen Vater bekommt er nie zu sehen. Mike liebt die Welt der Samurai, und als er Nietzsche entdeckt, hat er seine Lebensphilosophie gefunden: Das, was kommt, muss man lieben, ob es Freude oder Trauer, Schmerz oder Glück ist.
"Wir sind alle bloß Schüler, die gekleidet sind wie Investmentbanker", denkt White Mike. Die Mädchen lassen sich die Nase machen und tragen Prada zu Jeans und Parka. Auf der Suche nach was auch immer irren sie durch "die Hauptstadt der Welt". Denn man muss ja etwas haben wollen, weiß Mike: "Wenn du nichts haben willst, dann hast du nichts."

Deshalb verfällt Claude seinen Waffen, Jessica der irren neuen Droge, die einfach nur "Zwölf" heißt, Sara verliert sich in ihre Begabung, Menschen zu manipulieren, Chris verfällt Sara, Molly exitistiert nur auf angesagten Partys, Timmy und Mark sind süchtig danach, cool zu sein ... und White Mike? Durchschaut er mehr als die anderen? Ein Lehrer hatte ihm empfohlen, eine Art Auszeit zu nehmen, bevor er sein Leben wirklich selbst in die Hand nimmt. Vielleicht hat er nur Glück.

Frühes Ende

Die Silvesterparty soll was ganz Besonderes werden, etwas, wovon alle noch lange später reden. Der Showdown des Jahres. Nicht nur, weil Jessica dieses "Zwölf" für alle besorgen will. Und irgendwie wird es das ja auch, etwas ganz Finales.

Nick McDonell war erst 17, als er diesen Roman schrieb - so alt wie White Mike. Sein Vater ist Redakteur, die Mutter Autorin, sein Patenonkel (sein) Verleger: keine Störfaktoren auf dem Weg zum Shooting Star. Wie bei Bret Easton Ellis zeichnen akribische Beschreibungen der Kleidungen und Accessoires das Bild einer Generation. Ein schnelles Buch, das das Lebensgefühl seiner Figuren mit ihren seltsamen Kopfwelten genau trifft. Das Ende lässt einen verkatert zurück, und damit so, wie sich White Mike und seine Freunde wohl die ganze Zeit fühlen.

Daniela Künne lebt und schreibt in Berlin.

Nick McDonell: Zwölf (Kiepenheuer & Witsch, ca. 8 €)




Kommentare

Dein Kommentar