Vor vier Jahren hat der Designer Mark Kwami in Berlin das Label "Made in Africa" für moderne Möbel und Wohnaccessoires gegründet, die Handwerker und Handwerkerinnen in Ghana herstellen. Davor war er als Berater in der Entwicklungshilfe tätig. Dem Konzept von Fair Trade steht er kritisch gegenüber. Warum, erzählt er fluter:
"In meiner Kindheit in Ghana waren Labels wie 'Made in Germany' oder 'Made in the USA' ganz wichtig. Da sind sogar Leute rumgerannt, die extra die Etiketten so gedreht haben, dass man sehen konnte, dass das Hemd auch wirklich ein Gucci-Hemd war. Und deswegen haben wir gedacht, wir machen einfach ein Label 'Made in Africa'. Um die Sache umzukehren. Made in Africa hat ja eigentlich keinen Wert, in Afrika nicht und außerhalb eigentlich auch nicht. Man denkt: Afrika ist arm, in Afrika gibt's Kriege und so weiter. Niemand würde denken, dass Made in Africa auch ein Qualitätslabel sein könnte. Das war die Idee, ein Label zu gründen und einen Laden aufzumachen, wo wir afrikanischen Designern und Designerinnen und Kunsthandwerkern und Kunsthandwerkerinnen die Chance geben, ihre Produkte auf hohem Niveau zu präsentieren.
Wir spielen mit klaren Regeln
Der Aspekt Fair Trade ist für uns dabei ganz selbstverständlich. Den Fair-Trade-Ansatz finde ich sehr gut und gleichzeitig auch sehr problematisch. Weil jede Form von Trade irgendwann den ganz normalen Gesetzen des Marktes unterliegt. Und das heißt: Preis, Qualität und die Vermarktungsstruktur müssen stimmen, sonst kann sich ein Produkt nicht verkaufen. Klar kann man ein Produkt künstlich am Leben erhalten, indem man Produzenten mehr bezahlt, als ihre Produkte eigentlich wert sind. Oder indem man schlechtere Qualität akzeptiert und Leute findet, die auf Grund ihres schlechten Gewissens die Sachen kaufen. Die sagen, ach, ich kauf' mal hier die Vase, auch wenn sie nicht gut gemacht ist, ich kauf' sie und tue damit was Gutes und deswegen ist es okay.
Deswegen basteln wir gerade an einem weiterführenden Begriff von Fair Trade und sagen lieber 'Fair Business', Business heißt für uns einfach 'Business is Business'. Das hat ja manchmal so eine negative Konnotation, so Business-Kapitalismus, aber für uns heißt das: Wir spielen mit ganz klaren Regeln. Jeder muss seinen Gewinn machen.
Ich habe schon mit und für Fair-Trade-Organisationen gearbeitet und war manchmal entsetzt, wie sie in Afrika mit den Produzenten umgehen. Manchmal werden da richtige Knebelverträge gemacht, nach dem Motto: Ihr seid unsere Produzenten, ihr müsst uns im Jahr soundsoviele Muster anbieten und die Sachen, die wir mit euch entwickeln, indem wir euch einen Designer schicken, dürft ihr nur an uns verkaufen und an niemand anderen. Das waren Sachen, die für mich einfach nicht zusammenpassten. Ich denke, dass Fair-Trade-Organisationen sich Gedanken machen müssen, was sie wirklich vor Ort machen. Schafft man Abhängigkeiten, grenzt man die Produzenten ein, beschränkt ihre Kreativität? Man muss die Partner in Afrika wirklich als Geschäftsleute anerkennen.
Aber auch in Afrika muss sich das Bewusstsein ändern Viele Kunsthandwerksproduzenten haben sich daran gewöhnt, dass ihre Käufer nur aus ethischen Motiven bei ihnen kaufen, und daher mehr Verständnis für schlechte Qualität und Unzuverlässlichkeit haben. Im Grunde finde ich den Fair Trade Gedanken gut, bin aber der Meinung, dass man ihn weiterentwickeln muss."
Protokoll: Ursula Csejtei
Fotos: ©Anne Kathrin Amzoll
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