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Besser-Wisser

Was ist was beim Fair Trade?

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Ursula Csejtei | 1.11.2005

Über den Freihandel und den ethischen Konsum, von FLO bis WTO - unser Glossar erklärt die wichtigsten Begriffe zum Thema Fairer Handel.

Cash Crops

Cash Crops (Crop = Frucht, Ernte) sind Agrarprodukte, die in den Ländern des Südens für den Export und nicht den Verzehr im Herkunftsland angebaut werden. Das kann dazu führen, dass die Bevölkerung eines Landes Hunger leidet, obwohl es Tonnen von Agrarprodukten exportiert. Cash Crops werden meist in Monokulturen auf Plantagen angebaut. Typische Cashcrops sind z.B. Kaffee, Bananen, Orangen und Rohrzucker.

Entwicklungsländer/Länder des Südens

Der Begriff Entwicklungsländer für arme Länder ist mittlerweile umstritten. Er suggeriert, dass sich die armen Länder den reichen Ländern des Nordens angleichen müssten, um dann "fertig entwickelt" zu sein. Insbesondere was die Zukunftsfähigkeit von Gesellschaften angeht, können Industriestaaten allerdings nicht als Vorbilder gelten, denn würden sich alle armen Länder dem Stand der Industriestaaten angleichen, wäre ein katastrophal hoher Rohstoffverbrauch die Folge. Anhand dieses Kriteriums müssten die reichen Industrieländer als fehlentwickelt gelten.
Die neuere Bezeichnung "Länder des Südens" ist nicht einfach als geographischer Begriff zu verstehen, sondern eine Metapher für die Länder, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht zu den Kolonialmächten zählten. Der Begriff ist zwar auf Grund seiner Ungenauigkeit auch nicht optimal, ist aber mittlerweile weit verbreitet.

Ethischer Konsum
Konsumverhalten unter Berücksichtigung ethischer Werte. Nicht der Preis ist der einzige Faktor, der das Kaufverhalten beeinflusst, sondern auch ökologische und soziale Kriterien der Herstellung werden beachtet.

Fairer Handel/Fair Trade
Nach der Definition der internationalen Vereinigung der Dachorganisationen des Fairen Handels FINE (FLO, IFAT, NEWS! und EFTA) ist Fairer Handel "eine Handelspartnerschaft, die auf Dialog, Transparenz und Respekt beruht und nach mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel strebt. Durch bessere Handelsbedingungen und die Sicherung sozialer Rechte für benachteiligte Produzenten/innen und Arbeiter/innen - insbesondere in den Ländern des Südens - leistet der Faire Handel einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung. Fair-Trade-Organisationen engagieren sich - gemeinsam mit Verbrauchern/innen - für die Unterstützung der Produzenten/innen, die Bewusstseinsbildung sowie die Kampagnenarbeit zur Veränderung der Regeln und der Praxis des konventionellen Welthandels." Die "Hilfe durch Handel" sichert den Produzenten/innen in den Ländern des Südens entgegen den üblichen Mechanismen auf globalisierten Märkten ein angemessenes Einkommen.

Fairtrade Labelling Organization International (FLO)
Die Fairtrade Labelling Organization International (FLO) ist eine Dachorganisation, in der nationale Siegelorganisationen des Fairen Handels zusammengefasst werden. FLO sorgt dafür, dass nationale Siegel wie z.B. das "TransFair-Siegel" in Deutschland oder "Max Havelaar" in den Niederlanden denselben Standards entsprechen. Neben der Harmonisierung der nationalen Fair-Trade-Siegel kontrolliert und inspeziert die FLO Cert. Ltd. ca. 420 Produzentenorganisationen in 50 Ländern daraufhin, ob die von FLO entwickelten sozialen und ökologischen Standards in der Produktion eingehalten werden. FLO setzt also die Fair-Trade-Standards fest und kontrolliert die Produktion.

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Fair-Trade-Importeursgesellschaften
Die Fair-Trade-Importeure kaufen Lebensmittel und Handwerksartikel zu Bedingungen von benachteiligten Produzentengruppen im Süden. Entsprechen die Produktionsbedingungen Fair-Trade-Standards, können sie in Deutschland bei Trans Fair e.V. eine Lizenz erwerben, die ihnen die Vermarktung ihrer Produkte unter dem "TransFair-Siegel" erlaubt. Zu den größten Fair-Trade-Importeuren in Deutschland gehören zum Beispiel gepa Fair Handelshaus, El Puente, dwp, BanaFair.

Fair-Trade-Standards
Kriterien, die erfüllt werden müssen, damit Produkte mit einem Fair-Trade-Siegel verkauft werden können. Die Standards unterscheiden sich je nach Produktionsart (ob Landwirtschaft oder Firmen) und nach Produkt. Produzenten/innen in der Landwirtschaft müssen in demokratisch organisierten Kooperativen zusammenarbeiten, Arbeiter/innen auf Plantagen oder Firmen müssen vernünftig bezahlt werden und sich gewerkschaftlich organisieren dürfen. Darüber hinaus müssen gewisse Gesundheits- und Umweltschutzmaßnahmen eingehalten werden. Zwangs- oder Kinderarbeit ist natürlich verboten.
Die Produkte werden auf ihre Qualität hin überprüft. Der Mehrpreis, den die Produzenten/innen erhalten, muss nachhaltig investiert werden, also in Bildung, Investitionen, Gesundheit oder Ähnliches.
FLO kontrolliert die Einhaltung der Standards mit der Hilfe von weltweit 60 Inspektoren/innen.

Free Trade/Freihandel
Freihandel meint einen von staatlichen Eingriffen und Handelshemmnissen freien, unregulierten Fluss von Gütern, Dienstleistungen und Kapital. Als Eingriffe zählen zum Beispiel Subventionen, Handelshemmnisse, Zölle, Einfuhrbeschränkungen, hohe Umweltstandards. Aus neoliberaler Sicht trägt der freie Handel zur Förderung von weltweitem Wohlstand bei.

Globalisierung
Kontrovers diskutierter und uneinheitlich definierter Begriff, der die Zunahme weltweiter Verflechtung von länderübergreifenden wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Beziehungen bezeichnet.

Globalisierungskritik
Globalisierungskritik richtet sich meist gegen den ökonomischen Verlauf der Globalisierung. Das weltweit wachsende Gefälle zwischen arm und reich und mangelnde Mitgestaltungsmöglichkeiten am Globalisierungsprozess werden angeprangert, globale Gerechtigkeit wird gefordert.

Maquiladoras
"Maquiladoras" oder "Maquilas" sind Fabriken in Mittelamerika und Mexiko, die ausschließlich für ausländische Konzerne produzieren. Für ausländische Unternehmen ist die Produktion in Maquiladoras sehr attratkiv: Ihnen werden oft steuerliche Vergünstigungen geboten, das Lohnniveau ist niedrig, Umweltauflagen und arbeitsrechtliche Schutzbestimmungen sind kaum vorhanden. Für die Maquiladora-ArbeiterInnen bedeutet das schlechte Arbeitsbedingungen und wenig Lohn. Die Produktionsweise ist typisch für die Bekleidungsindustrie.

Nachhaltigkeit
Nachhaltige Entwicklung ist eine ökonomische, soziale und ökologische Entwicklung, die weltweit die Bedürfnisse der gegenwärtigen Generation befriedigt, ohne die Lebenschancen künftiger Generationen zu gefährden. Der Begriff der Nachhaltigkeit (englisch: Sustainability) stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft: "Schlage nur so viel Holz ein, wie wieder nachwachsen kann!"

Nachhaltigkeit bedeutet im Fairen Handel (nach der Definition der gepa):
wirtschaftlich und sozial:
- Faire Preise decken die Produktionskosten der Genossenschaften und privaten Unternehmen, orientieren sich an den Lebenshaltungskosten und geben außerdem Spielraum für Entwicklungsaufgaben.
- Langfristige Geschäftsbeziehungen schaffen Perspektiven.
- Vorfinanzierung (zinsgünstige Kredite) auf Anfrage geben mehr Planungssicherheit.
- Intensive Beratung (zum Beispiel bei der Produktentwicklung) eröffnet neue Marktchancen.
- Gleichberechtigte Partner in Nord und Süd tauschen sich aus über Entwicklungsziele und treffen Vereinbarungen bei gemeinsamen Projekten.
ökologisch:
- Umweltgerechte Produktion schützt die Gesundheit von Verbrauchern/innen hier und auch die der Produzenten/innen in Übersee. Außerdem trägt die Förderung von biologischer Landwirtschaft zum Erhalt natürlicher Ressourcen bei.

WTO
Die Welthandelsorganisation (WTO) (für Englisch: World Trade Organization), ist eine internationale Organisation mit Sitz in Genf, die sich mit der Regelung von Handels- und Wirtschaftsbeziehungen beschäftigt. Ein deklariertes Ziel der WTO ist die Liberalisierung des internationalen Handels.
Wirtschaftspolitisch geht eine liberale Außenhandelspolitik bei den WTO-Mitgliedsländern zumeist einher mit einer Politik der Deregulierung und Privatisierung. Es wird kritisiert, dass die WTO nur ihre eigenen Regeln kenne und Menschenrechte, Arbeitsnormen, Sozial- und Umweltstandards und so weiter unbeachtet blieben. Weiter wird bemängelt, dass die WTO trotz ihrer Bedeutung von keinem Parlament kontrolliert wird und arme Länder in der WTO wenig Chancen auf die Durchsetzung ihrer Interessen haben. Samir Amin, Direktor des Dritte Welt Forums in Dakar, spitzt diese Kritik zu, indem er die WTO als "collective ministry of colonialism" bezeichnet, also einem gemeinsamen Ministerium der EU, USA und Japan, die durch die WTO die koloniale Ausbeutung ärmerer Länder fortsetzen.

Weltladen
Ein Weltladen (auch Dritte-Welt-Laden oder Eine-Welt-Laden genannt) ist ein in der Regel ehrenamtlich betriebenes Einzelhandelsgeschäft, das fair gehandelte Waren vertreibt. Durch Ausschaltung des Zwischenhandels kommt ein wesentlich höherer Anteil der Verkaufserlöse den Produzenten/innen sowie Entwicklungsprojekten zugute. Viele Weltläden übernehmen als weitere Aufgabe Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit zum fairen Handel und zur Nord-Süd-Problematik. In Deutschland gibt es rund 800 Weltläden.
Der Weltladendachverband versucht im Moment den Weltläden ein neues Corporate-Design zu geben. Weg vom "Müsliladen" hin zum "Fachgeschäft für Fairen Handel" ist dabei die Devise.

Zertifizierung
Als Zertifizierung bezeichnet man Verfahren, mit deren Hilfe die Einhaltung bestimmter Standards für Produkte/Dienstleistungen und ihrer jeweiligen Herstellungsverfahren einschließlich der Handelsbeziehungen nachgewiesen werden können. Im Allgemeinen besteht die Zertifizierung in der Ausstellung eines Zeugnisses. Zertifikate werden dabei meist zeitlich befristet vergeben und werden hinsichtlich der festgelegten Standards kontrolliert.

Das Glossar hat Ursula Csejtei zusammengestellt.

Fotos: © gepa Fair Handelshaus

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Weitere Infos rund um Fair Trade:

Kampagnen
* "Fair feels good" - Infokampagne zum Fairen Handel der Verbraucher-Initiative e.V.: www.fair-feels-good.de
* "Fairstärkung für Niedersachsen" - Fair-Handelskampagne Niedersachsen: www.fairstaerkung.de
* Fair Play - Fair Life - Kampagne für fair gehandelte Bälle zur WM 2006 in NRW (www.fairplay-fairlife.de)
* FairHandeln Bayern: www.fairhandeln-bayern.de
* "Fair kauft sich besser", Fair-Handelskampagne in Schleswig-Holstein: www.fair-kauft-sich-besser.de
* "Inkota-Fairtour", Fair-Handelskampagne in den neuen Bundesländern: www.inkota-fairtour.de
* "Pidecafé-Kampagne", der Regionalkaffee für Baden Württemberg: www.pidecafe.de
* Blumenkampagne: www.fian.de
* Erlassjahrkampagne: www.erlassjahr2000.de
* Kampagne für saubere Kleidung: www.saubere-kleidung.de

Fairer Handel international
* FLO - Fair Labelling Organization International: www.fairtrade.net
* IFAT - The International Fair Trade Association: www.ifat.org
* EFTA - European Fair Trade Association: www.eftafairtrade.org
* NEWS - Network of European World Shops: www.worldshops.org

Fair-Trade-Handelsgesellschaften
*gepa Fair Handelshaus: www.gepa3.org
*El Puente: www.el-puente.de
*dwp: www.dwp-rv.de
*BanaFair: www.banafair.de

Siegelorganisationen
*TRANSFAIR - Siegel für Fairen Handel: www.transfair.org
* RUGMARK - Siegel für Teppiche ohne Kinderarbeit: www.rugmark.de

Fair Trade Deutschland
* Weltladendachverband: www.weltlaeden.de
* Forum Fairer Handel - ein Netzwerk von Fair-Handelsorganisationen: www.forum-fairer-handel.de

Verbraucher-Informationen
* Verbraucher-Initiative: www.verbraucher.org

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