Wohin soll's gehen?

Ein Erfahrungsbericht von der Einstieg-Abi-Messe in Köln

20.3.2002 | Kristina Schreiber | Kommentar schreiben
Was die Berufsberatung in den Schulen nicht hinkriegt, schafft auch keine Messe. Aber wenigstens kann man sich seine Informationen gezielt und in rauen Mengen abholen.
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In Massen strömen die Jugendlichen in die Halle 14 der Kölner Messe. Zum zweiten Mal findet hier in diesem Jahr die "Messe für Ausbildung, Studium und Beruf" statt: Einstieg Abi. Fast 240 Aussteller, unter ihnen Universitäten, Fachhochschulen, Unternehmen wie Daimler Chrysler und Lufthansa und die verschiedensten Schulen - zum Beispiel für Mediendesign oder Schauspiel - informieren über ihr Angebot.

So groß ist das Angebot, dass es unmöglich ist, alles zu erfassen. Die Informationensfülle erschlägt einen - kein Wunder das da viele erst einmal zum kostenlosen Popcorn laufen oder sich bei der AOK ebenfalls gratis fotografieren lassen. Eine gezielte Suche stellte vor Probleme. Bei so vielen Möglichkeiten läuft ohne perfekte Planung gar nichts. Das hat auch der 20-jährige Fabian Diefenbach aus Köln gemerkt: "Ich bin viel zu schlecht vorbereitet. Ich werde mir jetzt erst mal die Stände raussuchen, die mich interessieren und dann gezielt losgehen."

Wissen, was man will, wie geht das?

Auch ich stand zunächst recht hilflos zwischen den Ständen mit freundlichen Damen und Herren, die gerne jede Frage beantworten würden. Aber welche Fragen bloß? Vielleicht wäre ein Vortrag für den Anfang gar nicht schlecht, und so höre ich mir an, ob Journalist/in wirklich ein Traumberuf ist. Für mich schon, aber Florian Ditges, der Referent vom Deutschen Journalisten Verband, desillusioniert uns potentielle Nachwuchsjournalisten gleich zu Beginn.

Arbeit gebe es nur noch in Nischen, und auch da müsse man zielstrebig, hartnäckig und selbstbewusst drangehen, viele Rückschläge überwinden und hoffen, irgendwann ans Ziel zu kommen. Es würden so gut wie keine Volontäre mehr übernommen, ein Großteil der freien Journalisten lebe knapp über dem Sozialhilfeniveau. Prickelnde Aussichten. Aber am Ende wird es freundlicher, Ditges erwähnte auch, dass es durchaus Chancen und Möglichkeiten gibt. Man muss sie wohl nur finden. Also suche ich weiter.

Die Universität Dortmund biete einen gefragten Journalistikstudiengang an, das weiß ich. Also frag ich dort einmal nach. Und: Mit den Berufschancen nach Abschluss dieses Studiums sehe es sehr gut aus, da die Studenten während der ganzen Zeit praktische Erfahrungen sammeln - in Lokalzeitungen, mit dem eigenen Radioprogramm und im Fernsehen. Aber ein Manko gebe es doch. Das spezifische Fachwissen, welches viele Arbeitgeber suchen, könne nicht vermittelt werden. Und der Numerus Clausus, der im letzten Semester bei 1,3 lag, ist auch nicht ohne. Wer trotzdem interessiert ist, kann sich unter www.fb15.uni-dortmund.de/ifj/index.html informieren.

Auch bei der Studienberatung der Bundesanstalt für Arbeit erfahre ich nicht viel Neues. Soviel steht fest: Es gibt viele Möglichkeiten, wie man Journalist wird. Später entscheidet der Erfolg, wie es mit Verdienstchancen aussieht.

Volle Taschen, sortiert wird zuhause

Ich stehe nicht alleine, einige andere haben auf der Messe auch nicht viel Neues erfahren. "Ich bin extra aus Niedersachsen gekommen, aber über Naturwissenschaften kann ich mich an so gut wie keinem der Stände informieren", sagt Dennis Hinse aus Hameln. Sein Freund Jörg Steinwedel aber war begeistert: "Ich möchte einmal etwas mit BWL machen. Und dazu gab es wirklich Infos ohne Ende." Christian Pilat aus Kaarst, der gerne Psychologie studieren möchte, ist mit dem Informationsangebot für seinen Wahl-Studiengang Psychologie aber gar nicht zufrieden. Natalie Korsunova aus Dortmund dagegen geht mit einem Erfolgserlebnis nach Hause: "Ich bin zum zweiten Mal hier. Letztes Jahr war es enttäuschend, aber in diesem Jahr hat es mir wirklich viel gebracht. Ich habe mich aber auch sehr gut darauf vorbereitet, wusste, wo ich hingehe und was ich frage."

Ich selber bin meinem Traumberuf zwar nicht wirklich näher gekommen, habe aber eine Menge neuer Eindrücke sammeln können. Über die Möglichkeiten eines Praktikums im Ausland immerhin habe ich eine Menge Infos bekommen. Und so quoll mein Rucksack am Ende über - mit wichtigen und auch weniger wichtigen Informationen, mit Kugelschreibern und Bleistiften, Gummibärchen und Schokolade.

Fotos: Kristina Schreiber

Kristina Schreiber ist 19 Jahre alt und die meiste Zeit für "Junge Zeiten" (die Jugendseite des Rhein-Sieg-Anzeigers), oder für ihre Pferde unterwegs. Ab und zu studiert sie auch noch Jura und tippe an ihrer Hausarbeit.


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