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Helfen wollen

Spendensammeln in der Fußgängerzone

25.8.2007 | Stefanie Hiekmann | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Die Osnabrücker Innenstadt ist prall gefüllt: Lauter kauflustige Menschen nutzen den Samstagvormittag für einen gemütlichen Stadtbummel. Anna-Maria und ihre Freundinnen haben am Straßenrand einen kleinen Stand mit Informationsbroschüren und fair gehandelten Produkten aufgebaut. Mitten auf dem Tisch steht eine große Spendenbüchse, die genauso wie die Kassen in den Geschäften nur darauf wartet, gefüttert zu werden.

"Wir sammeln Geld für Kinderhilfsprojekte", erklärt Anna-Maria Anders und geht auf ein vorbeischlenderndes Ehepaar zu. Über ihrem Pullover trägt sie ein Band, wie es auch die Gewinnerinnen bei Miss-Wahlen um den Oberkörper tragen. Die Aufschrift ist aber eine andere: "Terre des Hommes - Hilfe für Kinder in Not". In der Hand hält sie Broschüren und eine kleine Spendenbüchse.

Bummel-Unterbrechung

Der Mann holt sein Portemonnaie heraus, wühlt nach ein paar Talern. Die 17-Jährige fängt an zu erklären: "Wir sind ein Kinderrechtsteam und wollen mit unserem Stand hier auf Probleme von Straßenkindern in der dritten Welt aufmerksam machen." Die herausgesuchten Münzen klimpern in die Büchse. Anna-Maria fragt höflich, ob das Ehepaar daran interessiert sei, mehr über das Hilfsprojekt zu erfahren, für das sie gerade gespendet haben. "Ja, ja, prinzipiell schon, doch wir müssen jetzt weiter", vertröstet die Ehefrau und sie gehen. "Natürlich freuen wir uns, wenn die Leute spenden", meint Anna-Maria. "Doch als Kinderrechtsteam wollen wir auch informieren und auf die Missachtung der Kinderrechte auf unserer Erde aufmerksam machen."

Hundert Millionen Straßenkinder soll es weltweit geben. Davon geht die Kinderhilfsorganisation Terre des Hommes aus. Ihr Zuhause besteht aus Pappe und alten Decken. Statt Geborgenheit ist ihr Leben von Armut, Gewalt, Drogen und Kriminalität geprägt. Oft ist es ein Teufelskreis, in den die Kinder fast zwangsläufig geraten, wenn sie erst mal auf der Straße um ihr Überleben kämpfen müssen. Auch Prostitution und Aids werden dann schnell ein Problem. Sind die Kinder erst mit dem HIV-Virus infiziert, haben sie niemanden, der sich um sie kümmert. Hilfsprojekte von Terre des Hommes setzen zum Beispiel hier an: Es werden Einrichtungen geschaffen, die sich um diese infizierten Kinder kümmern.

Aus 500 Hilfsprojekten selbst aussuchen

"Mich lassen diese Themen einfach nicht los", erzählt Anna-Maria. "Es kann doch nicht angehen, dass junge Menschen, die auf einem anderen Fleck der Erde leben als wir, nicht die gleichen Rechte haben. Und das, obwohl die UN-Kinderrechtskonvention sie jedem Kind der Welt gewährt", fügt die 17-Jährige hinzu. Durch Programme wie die Kinderrechtsteams von Terre des Hommes haben Anna-Maria und ihre Freundinnen die Möglichkeit, aktiv zu helfen und sich für die Rechte ihrer Altersgenossen/innen einzusetzen. Mit Straßentheaterstücken, Spendenaktionen und Infoständen in der Fußgängerzone wollen die jungen Helferteams für die Missachtung der Kinderrechte aufmerksam machen, für die Problematik sensibilisieren und zum Helfen auffordern. Welches der 500 Hilfsprojekte von Terre des Hommes sie mit dem Geld, das sie sammeln, unterstützen, dürfen die Gruppen selber wählen.

Vor jeder Aktion treffen sich die Mädchen und wälzen Prospekte, Infoflyer und Internetseiten, um sich über die große Projektauswahl zu informieren. Nach der Qual der Wahl steht dann ein bestimmtes Projekt fest, für das sie auf die Straße gehen werden, Spenden sammeln und Aufmerksamkeit erregen wollen. Diese Entscheidung fällt Anna-Maria, Svenja, Franka und Larissa-Isabelle jedesmal schwer. "Es gibt so viele Projekte, die wir unterstützen möchten", sind sie sich einig.

"Es tut mir gut, den Kindern auf diesem Weg ein bisschen helfen zu können, auch wenn Tausende von Kilometern zwischen uns liegen", erzählt Anna-Maria, die das Kinderrechtsteam Amor por la Vida (Liebe zum Leben) Anfang des Jahres gegründet hat. Schon als Sechsjährige hat sie helfen wollen, als sie Bilder von Armutsgebieten in Afrika sah. "Ich spürte, dass ich den Menschen helfen musste", erinnert sie sich: "Ich habe mir dann gewünscht, einen prall gefüllten Einkaufswagen durch Afrika zu schieben und die Leute mit Speisen und Getränken zu versorgen." Heute schmunzelt sie über ihre Idee. Einen sinnvollen Weg, ihren Helferdrang zu kanalisieren, hat sie durch Amor por la Vida gefunden.

Fair Gehandeltes gegen Spenden

Bei ihrer ersten öffentlichen Aktion, einem Info-Stand in der Osnabrücker Innenstadt, informierte die Gruppe die Stadtbummler/innen über ausbeuterische Kinderarbeit und nahmen über 400 Euro an Spenden ein – damit wurde ein Hilfsprojekt in Peru unterstützt. An einem anderen Wochenende war das Thema "Bildung gegen Prostitution". Das Geld sollte an ein passendes Projekt gehen, fanden die Mädchen und unterstützten mit dem Gesammelten ein Bildungsprojekt in Thailand.

Durch Kontakte zum "Eine-Welt-Laden" bekommt das Team verschiedene fair gehandelte Produkte auf Kommission, die sie bei ihrer Aktion gegen eine Spende anbieten. "Verkaufen ist nicht erlaubt", weiß Anna-Maria, "einen Verkaufstand müssten wir erst vom Ordnungsamt genehmigen lassen." Auch Kinderrechtsteams müssen sich an gewisse Regeln halten.

Die Arbeit tut den vier Mädchen gut und sie macht ihnen viel Spaß. Für die Zukunft wünschen sie sich allerdings, dass sie ihrem Konzept etwas gerechter werden können und dass die Spender/innen sich mehr über den Hintergrund ihrer Arbeit informieren lassen. Spenden ist löblich, doch zwei Minuten kann man noch draufschlagen. "Das muss noch besser werden", meinen die Schülerinnen.

Das Thema für die nächste Aktion steht schon fest: Es wird um das Schicksal von Kindersoldaten gehen. "Als ich das Buch 'Feuerherz' von der ehemaligen Kindersoldatin Senait Mehari gelesen hatte, war für mich sofort klar, dass wir was zu dem Thema machen müssen", erzählt Anna-Maria. Am besten nicht nur mit fleißigen Spendern/innen, sondern ebenso interessierten Zuhörern/innen.

Stefanie Hiekmann (17) kommt aus der Nähe von Osnabrück.

Fotos: ©Stefanie Hiekmann



www.kinderrechtsteams.de
Mehr über die Kinderrechtsteams von Terre des Hommes

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