Die Osnabrücker Innenstadt ist prall gefüllt: Lauter
kauflustige Menschen nutzen den Samstagvormittag für einen gemütlichen
Stadtbummel. Anna-Maria und ihre Freundinnen haben am Straßenrand einen kleinen
Stand mit Informationsbroschüren und fair gehandelten Produkten aufgebaut.
Mitten auf dem Tisch steht eine große Spendenbüchse, die genauso wie die Kassen
in den Geschäften nur darauf wartet, gefüttert zu werden.
"Wir sammeln Geld für Kinderhilfsprojekte", erklärt Anna-Maria
Anders und geht auf ein vorbeischlenderndes Ehepaar zu. Über ihrem Pullover
trägt sie ein Band, wie es auch die Gewinnerinnen bei Miss-Wahlen um den
Oberkörper tragen. Die Aufschrift ist aber eine andere: "Terre des Hommes -
Hilfe für Kinder in Not". In der Hand hält sie Broschüren und eine kleine
Spendenbüchse.
Bummel-Unterbrechung
Der Mann holt sein Portemonnaie heraus, wühlt nach ein paar
Talern. Die 17-Jährige fängt an zu erklären: "Wir sind ein Kinderrechtsteam
und wollen mit unserem Stand hier auf Probleme von Straßenkindern in der
dritten Welt aufmerksam machen." Die herausgesuchten Münzen klimpern in die Büchse.
Anna-Maria fragt höflich, ob das Ehepaar daran interessiert sei, mehr über das
Hilfsprojekt zu erfahren, für das sie gerade gespendet haben. "Ja, ja,
prinzipiell schon, doch wir müssen jetzt weiter", vertröstet die Ehefrau und sie
gehen. "Natürlich freuen wir uns, wenn die Leute spenden", meint Anna-Maria. "Doch
als Kinderrechtsteam wollen wir auch informieren und auf die Missachtung der
Kinderrechte auf unserer Erde aufmerksam machen."
Hundert Millionen Straßenkinder soll es weltweit geben.
Davon geht die Kinderhilfsorganisation Terre
des Hommes aus. Ihr Zuhause besteht aus Pappe und alten Decken. Statt
Geborgenheit ist ihr Leben von Armut, Gewalt, Drogen und Kriminalität geprägt. Oft
ist es ein Teufelskreis, in den die Kinder fast zwangsläufig geraten, wenn sie erst mal
auf der Straße um ihr Überleben kämpfen müssen. Auch Prostitution und Aids
werden dann schnell ein Problem. Sind die Kinder erst mit dem HIV-Virus
infiziert, haben sie niemanden, der sich um sie kümmert. Hilfsprojekte von Terre des Hommes setzen zum Beispiel
hier an: Es werden Einrichtungen geschaffen, die sich um diese infizierten
Kinder kümmern.
Aus 500 Hilfsprojekten selbst aussuchen
"Mich lassen diese Themen einfach nicht los", erzählt
Anna-Maria. "Es kann doch nicht angehen, dass junge Menschen, die auf einem
anderen Fleck der Erde leben als wir, nicht die gleichen Rechte haben. Und das,
obwohl die UN-Kinderrechtskonvention sie jedem Kind der Welt gewährt", fügt die
17-Jährige hinzu. Durch Programme wie die Kinderrechtsteams von Terre des Hommes haben Anna-Maria und ihre Freundinnen die
Möglichkeit, aktiv zu helfen und sich für die Rechte ihrer Altersgenossen/innen
einzusetzen. Mit Straßentheaterstücken, Spendenaktionen und Infoständen in der
Fußgängerzone wollen die jungen Helferteams für die Missachtung der Kinderrechte aufmerksam machen, für die Problematik sensibilisieren und zum
Helfen auffordern. Welches der 500 Hilfsprojekte von Terre des Hommes sie mit dem Geld, das sie sammeln, unterstützen,
dürfen die Gruppen selber wählen.
Fair Gehandeltes gegen Spenden
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