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Am Anfang war das Schiff. Mit staunenden Gesichtern
versammelten sich 150 junge Journalisten/innen am 29. September
2008 im Kieler Hafen vor der MS Color Fantasy.
Das ist eigentlich bloß eine Fähre. Aber das zu glauben fällt schwer angesichts
mehrerer Restaurants, Diskos, eines Casinos und eines Badebereichs an Bord. In
den Genuss all dieser Einrichtungen sollten die Teilnehmer/innen der Youth Media Convention jedoch kaum
kommen – und das, obwohl sie zwei volle Tage auf Hoher See zwischen Kiel und
Oslo verbrachten.
Ungleichmäßige Verteilung
Stattdessen wartete ein straffes Programm zum Thema
Auslands- und Krisenberichterstattung auf die jungen Journalisten/innen. Dazu
hatte die Jugendpresse zusammen mit
der Friedrich-Ebert-Stiftung und der
Journalistenunion von ver.di
zahlreiche Referenten/innen eingeladen. Die gaben ganz praktische
Tipps zur journalistischen Arbeit im Ausland, diskutierten aber auch über die
ethischen Grundsätze des Berufs.
Professor Dr. Oliver Hahn von der privaten Hochschule BiTS in Iserlohn hat eine Studie über
die Arbeitsbedingungen deutscher Auslandskorrespondenten/innen gemacht. Er erklärte,
dass es neben einer unübersichtlichen Zahl freier deutscher Korrespondenten/innen
rund 600 festangestellte gibt – in fast aller Welt. "Man kann nicht gerade von
einer gleichmäßigen Verteilung der Berichterstatter sprechen", bemängelt er. "Zum
Beispiel sind in Brüssel zweihundert deutsche Medienvertreter ansässig. In
Sub-Sahara-Afrika dagegen nur zwei."
"Bad News"-Berichterstattung
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Dass es zwischen den Regionen und auch den Arbeitsbedingungen vor Ort große Unterschiede gibt, wurde sehr schnell klar. Während Daniel Scheschkewitz, ehemaliger USA-Korrespondent der Deutschen Welle, über die Zeitverschiebung klagte, durch die er so manches Mal von der Redaktion in Deutschland aus dem Bett geschmissen wurde, erzählte der Fernsehjournalist Christoph Maria Fröhder von Massengräbern in Vietnam und lebensgefährlichen Situationen im Irak. "Die vielen Anekdoten haben verdeutlicht, dass der Job sehr gefährlich sein kann", findet Konventions- Teilnehmer Christoph Naumann, 25. "Es hat mich irritiert, wie locker die Referenten damit umgehen – fast schon ironisch."
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So erzählte Boris Reitschuster, Russland-Korrespondent des Focus, dass er schon lange den aufkommenden Kaukasus-Konflikt beobachtet habe. Immer wieder bot er seiner Redaktion an, darüber zu schreiben. "Doch die wollten erst etwas, als es dort knallte." Diese und andere Geschichten führten zu grundlegenden ethischen Fragen: Müssen Auslandskorrespondenten/innen die Demokratie "exportieren"? Dürfen sie das überhaupt? Gerade die Auslands-Korrespondenten/innen aus dem arabischen Teil der Welt distanzierten sich klar von dieser Idee. "Man muss als Fragesteller in ein Land kommen, nicht als Antwortgeber", sagt Dr. Michael Lüders, ehemaliger Nahost-Korrespondent der Zeit. "Wer da glaubt, missionieren zu müssen, hat den falschen Beruf."
Nach so viel Zuhören, Nachdenken und Diskutieren bot das Programm des zweiten Tages eine willkommene Abwechslung für die jungen Medienmacher/innen: In Gruppen erkundeten sie Oslo und besuchten das norwegische Parlament, TV- und Zeitungsredaktionen und den Radiosender The Democratic Voice of Burma, der aus Norwegen ein Rundfunkprogramm in das krisengeschüttelte Land sendet.
Während der Ausflüge war endlich auch Zeit, sich näher kennen zu lernen. Die Referenten/innen waren ebenfalls mit dabei und fanden in den Schülern/innen, Studenten/innen und Volontären/innen ebenbürtige Gesprächspartner/innen. Viele hatten schon einige Zeit im Ausland verbracht oder hatten einen Migrationshintergrund. "Hier sind so viele spannende Leute mit beeindruckenden Lebensläufen", fand Veronika Schiftner, 18, die selbst ein Jahr in Südafrika gelebt hat. Neben einem umfassenden Gesamteindruck von dem Beruf des Auslandskorrespondenten nahmen die Teilnehmer/innen der Youth Media Convention 2008 also sicher auch ein dickeres Adressbuch mit nach Hause – und das ist im Journalismus ja unabkömmlich.
Eva Schulz ist 18 und kommt aus Borken im Münsterland.
Fotos: ©Cosima Gill
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