t

Partnerschaft auf Augenhöhe

Go Africa ... Go Germany

18.9.2008 | Viktoria Kleber | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Maultaschen und Spätzle, sagt Victor Oteku, das möge er sehr gerne. Aber ansonsten sei das deutsche Essen nicht so gut. Victor kommt aus Kenia. Dort gibt es Ugali, das ist Maisbrei mit Suppe und Fleisch. Das schmeckt Victor. Im September ist er zwei Wochen in Deutschland unterwegs. Nicht alleine: Mit 23 anderen Studenten/innen aus Afrika und Deutschland nimmt er an "Go Africa ... Go Germany" teil, einem Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), angeregt vom Bundespräsidenten Köhler. Die Idee: einen differenzierteren Blick auf andere Kulturen zu ermöglichen, die Partnerschaft zwischen deutschen und afrikanischen Studenten/innen zu verbessern und womöglich ein deutsch-afrikanisches Bildungswerk zu gründen. Die Teilnehmer/innen treffen sich zuerst zwei Wochen in Deutschland und dann zwei Wochen in Afrika.

Afrika, das ist das Herzensthema von Bundespräsident Horst Köhler. Deshalb lädt er die Stipendiaten und Stipendiatinnen gerne auf sein Schloss ein, nach Bellevue. Alle haben sie sich schick gemacht, auch Victor. Er trägt Anzug und Krawatte. Aufgeregt ist er schon ein bisschen. "Ich mag den Horst Köhler", sagt er, "weil er so fleißig ist und so ordentlich. Und weil er sich einsetzt für meinen Kontinent."

Sicher und menschenwürdig leben

Victor studiert in Nairobi Wirtschaft und Germanistik. Sein Deutsch ist gut, nur muss er manchmal länger überlegen, bevor er spricht. Von einer Partnerschaft zwischen Afrika und Deutschland ist Victor überzeugt. Man könne gegenseitig viel lernen. Das betont auch Bundespräsident Köhler, als er zu den Anwesenden spricht. "Eine Partnerschaft ist nur dann eine gute, wenn die Partnerschaft auf Augenhöhe ist und die Partner gleichberechtigt sind."

Das gefällt Victor und auch den anderen Studierenden, sie klatschen Beifall. Köhler ist interessiert, er will wissen, wie das Projekt vorangeht, was für Anliegen die Teilnehmer/innen haben und wie es in ihren Ländern zugeht. Die Hälfte von ihnen kommt aus Ostafrika: aus Uganda, Mauritius und Ruanda, aus Tansania, Äthiopien und Kenia. "Die Menschen in meinem Land sind nicht zu sehr an Demokratisierung interessiert", erklärt Linda Bore aus Kenia in einem Vortrag beim Bundespräsidenten, "vielmehr geht es ihnen darum, sicher und menschenwürdig leben zu können." Sicherheit, das ist in Deutschland fast schon selbstverständlich.

Deshalb will Katja Böhler, die im Auftrag der bpb das Programm konzipiert hat, den Stipendiaten/innen andere Sichtweisen vermitteln. Sie selbst hat in Südafrika studiert. "Worüber sich die Deutschen Gedanken machen, das interessiert oftmals nur wenige Afrikaner", sagt sie. Zusammen mit Holger Ehmke, Leiter der bpb-Abteilung "Politikferne Zielgruppen", hat sie "Go Africa … Go Germany" vorbereitet. "Die Studenten schauen sich in Deutschland das an, was in Afrika wichtig ist, und in Afrika das, was in Deutschland wichtig ist."

Der andere Blickwinkel

Gemeinsam fahren die Teilnehmer/innen nach Brandenburg und besichtigen dort Hochleistungskühe, sie sprechen mit türkischen Migranten/innen aus Berlin, hören Vorträge über die Rolle Deutschlands in der EU und besichtigen den Kölner Dom. Wirtschaft, Politik und Kultur: Alles ist abgedeckt; es ist ein vielfältiges Programm. Das findet auch Lisa Stahl, deutsche Stipendiatin. "Ich habe sehr viel über Deutschland gelernt. Es ist interessant, Deutschland einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten." Und auch in Afrika erwartet die Teilnehmer/innen ein vielfältiges Programm.

Bereits zum zweiten Mal findet "Go Africa ... Go Germany" statt. Und auch im nächsten Jahr soll es den Austausch wieder geben. "Wir wollen ein großes Netzwerk mit Leistungsträgern aus der Gesellschaft aufbauen", sagt Thomas Krüger, Präsident der bpb. 2009 werden dann rund 80 Stipendiaten/innen das Programm durchlaufen haben. 80, die von einer Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Afrika überzeugt sind. 80, die das Potenzial haben, noch mehr zu erreichen.

"Längerfristig wollen wir ein deutsch-afrikanisches Jugendbildungswerk errichten", sagt Holger Ehmke von der bpb. Ein Jugendbildungswerk, damit noch mehr junge Leute die Chance haben, ein anderes Land besser kennen zu lernen und mehr Verständnis für eine andere Kultur zu bekommen. Das ist ein großes Anliegen von Horst Köhler. Lisa und Victor sind begeistert von der Idee. Doch zunächst freuen sich die beiden erst mal auf den Februar, wenn sie sich wieder sehen, mit allen anderen Teilnehmern/innen, in Afrika. Dann wird Lisa sich an anderes Essen gewöhnen müssen. Und Victor? Er wird die Maultaschen und Spätzle vielleicht ein wenig vermissen. "Kochen kann ich das noch nicht."

Viktoria Kleber, 22, studiert in Berlin Politikwissenschaften. Sie engagiert sich in der Jugendpresse und arbeitet als freie Journalistin.

Fotos: © Rhaban Schulze-Horn; © Linda Bore; © Miriam Shabafrouz






Kommentare

(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)

Dein Kommentar

Kommentar schreiben

(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)