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Ein Freund der Bienen

Kehren, tragen, schleudern

27.9.2008 | Eva Schulz | Kommentar schreiben | Artikel drucken

"Sie denken jetzt, dass es brennt", erklärt Michael. "Deshalb fliegen sie ganz schnell in den Stock und fressen so viel Honig wie möglich. Da stören sie mich nicht mehr so sehr." Michael Küpers ist 19 und Imker. Gerade hat er sich seinen Netzhut aufgesetzt und die Pfeife in den Mund gesteckt, die einen feurigen Geruch verbreitet, wenn er reinpustet.

Die Bienen werden nervös und summen noch lauter als vorher. Michael hingegen ist die Ruhe selbst. Umschwirrt von Hunderten von Insekten öffnet er seelenruhig einen seiner Bienenstöcke und kontrolliert die Waben. "Den Honig habe ich schon vor ein paar Wochen rausgeholt", sagt er und deutet auf die Brutwaben, in denen jetzt zahlreiche neue Bienen heranwachsen.

Volksherrschaft im Bienenstock

Seit er zwölf Jahre alt ist, hat Michael Bienen. Das liegt bei ihm in der Familie: Schon sein Vater, Großvater und Urgroßvater waren Imker. "Bienen sind faszinierende Tiere", sagt er. "Viele denken, die Königin wäre so etwas wie die Alleinherrscherin im Bienenstock. Aber in Wirklichkeit handelt es sich um eine richtige Volksherrschaft: Wenn die Königin nicht mehr gut ist oder nicht tut, was sie soll, wird sie vom Volk ausgeschlossen. Davon könnten sich die Menschen noch etwas abgucken – aber nicht von der Sache mit den Männern."

Michael spielt auf die Drohnen an, männliche Bienen, die nur dazu da sind, die Königin zu befruchten. Anschließend werden sie aus dem Stock verbannt und verhungern. Während die Drohnen also nur einmal im Jahr gebraucht werden, hat Michael immer zu tun. Regelmäßig besucht er seine Bienenstöcke. Sie stehen in einem Waldstück, das eine Viertelstunde mit dem Auto von seinem Zuhause entfernt liegt. Dort muss er die Tiere füttern und mit Ameisensäure vor gefährlichen Milben schützen.

Zweimal im Jahr erntet er den Honig. "Das ist der intensivste Teil der Imkerei und auch ziemlich anstrengend", erzählt Michael. Sämtliche Waben werden dann in eine große Trommel gesteckt, die sich dreht und den Honig so aus den Waben hinausschleudert. Der wird später in Gläser gefüllt und verkauft.

Weltmeister im Honigessen

"Ein guter Nebenerwerb", sagt Michael, der schon zahlreiche Stammkunden für seinen Honig hat. "Echter deutscher Honig" ist eben etwas Besonderes. Deshalb braucht man auch extra ein Zertifikat, ehe man seinen Honig so nennen darf. Den Unterschied zum Supermarkthonig schmecken Imker/innen schnell: "Jeder Honig kristallisiert irgendwann und wird fest. Der aus dem Supermarkt ist aber oft flüssig – damit wurde dann irgendwas gemacht", weiß Michael. Sein Tipp: Den festen Honig vor dem Essen kurz anwärmen, dann ist er leichter zu streichen.
Tatsächlich sind die Deutschen Weltmeister im Honigessen. Jeder von uns vertilgt pro Jahr im Durchschnitt 1,4 Kilo. Davon sind aber nur 20 Prozent auch von deutschen Imkern/innen produziert – es gibt nämlich schlichtweg zu wenige. Michael ist mit seinen 19 Jahren eine Rarität unter den Imkern/innen. Deren Durchschnittsalter liegt bei etwa 60 Jahren. Deshalb sucht der Deutsche Imkerbund händeringend nach Nachwuchs.

"Bienen sind von fundamentaler Bedeutung für die Bestäubung von Blütenpflanzen. Wir gehen davon aus, dass etwa 80 Prozent der Pflanzen durch Bienen bestäubt werden, darunter auch Nahrungsmittelpflanzen, von denen wir Menschen in besonderem Maße abhängig sind", sagt Werner von der Ohe, Beirat für Honigfragen im Deutschen Imkerbund und Leiter des Bieneninstituts Celle. Ein Rückgang der Bienen in Deutschland hätte also fatale Folgen.

Mysteriöses Bienensterben

Das Bewusstsein dafür hat zugenommen, seit vor gut einem Jahr von einem mysteriösen Massensterben der Bienen die Rede war. In den USA war innerhalb kurzer Zeit ein Viertel aller Bienenvölker gestorben. Die Ursachen dafür sind bis heute nicht geklärt. Dass wir in Deutschland mit ähnlichen Zuständen rechnen müssen, hält Michael aber für unwahrscheinlich. "Wir haben hier nur mit der Varroamilbe zu kämpfen", sagt er. Gegen diesen Schädling setzt er in jedem Stock eine Flasche mit Aminosäure ein, deren Dampf die Milben abtötet. Sonst hätte Michael binnen weniger Monate gar keine Bienen mehr.

Dafür hätte er dann mehr Freizeit. "Die Imkerei ist mit einem relativ hohen Zeitaufwand verbunden", erklärt von der Ohe. "Diese Zeit kann man sich zudem nicht immer selbst einteilen, denn das Bienenvolk gibt vor, wann daran gearbeitet werden muss." Das halte viele junge Menschen davon ab, so Ohe, sich mit der Imkerei zu beschäftigen. Und wenn sie es doch tun, dann würden sie später durch Ausbildung, Umzug oder Familiengründung wieder davon abgebracht.

So geht es auch Michael. Er wird seine Bienenvölker abgeben müssen, wenn er in einem Jahr mit dem Studieren beginnt. Doch er weiß jetzt schon: "Später, wenn ich mal ein Haus mit einem schönem Garten habe, dann fang ich wieder an."

Eva Schulz ist 18 und kommt aus Borken im Münsterland. Sie hat eine Pollenallergie.

Fotos: Roman Hagenbrock



Links

Selbst Imker/in werden? Hier gibt es alle Informationen.
Mehr zum mysteriösen Bienensterben – auch "Colony Collapse Disorder" genannt – bei Wikipedia





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