Ich betrete ein Internetcafé am großen Tahrir Platz mitten
in Downtown Kairo. Nachdem ich eine knappe Stunde lang im Internet recherchiert
habe, muss ich nicht nur die entsprechende Gebühr dafür entrichten, sondern
auch meinen Namen, meine Passnummer und meine Adresse in Kairo auf eine Liste
eintragen. "Die Regierung …", klärt mich der Besitzer schulterzuckend auf. Erst Ende Juni diesen Jahres bekam der Journalist Wael
Abbas, mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet und einer der
bekanntesten Blogger des Landes, mal wieder den Druck der Sicherheitsbehörden
zu spüren. Er kam gerade aus Schweden, wo er in Gegenwart von Mitgliedern der
unter Mubarak regierenden Partei National Democratic Party (NDP) deren Politik
kritisiert hatte. Am Flughafen in Kairo wurde sein Laptop konfisziert und er
selbst stundenlang festgehalten. Ein Großteil der Bloggerszene in Ägypten
verfolgte dieses Ereignis live auf Twitter, wo er per Mobiltelefon in kurzen
Zeitabständen von den Vorgängen auf dem Flughafen berichtete.
Sam Adam, bekannter Blogger und Autor von "Rantings of a Sandmonkey", ist nach einer solchen Aktion nicht nur wütend auf die Sicherheitskräfte, sondern auch auf seine Mitbürger/innen. So schreibt er nach einer brutal von der Polizei niedergeschlagenen Demonstration der jungen Oppositionsbewegung Kifaya (Genug!): "Ich bin wütend, weil es ihnen egal ist, weil sie die Rolle von Schafen akzeptiert haben und nicht für ihre Rechte kämpfen. Sie tun nichts, während sie zusehen, was wir durchmachen."
Bald sind wieder Wahlen in Ägypten. Doch Aufstände wie im Iran? Nein, das hält der im Juni von der Deutschen Welle für den beliebtesten arabisch-sprachigen Blog ausgezeichnete Blogger Ahmad Abdallah für unwahrscheinlich. "Selbst wenn es dazu käme, dann würden hier die Menschen eher für einen stärkeren Einfluss des Islam auf die Straße gehen, als um dagegen zu protestieren."
Die Blogger/innen lassen sich von der Passivität eines Großteils der ägyptischen Bevölkerung und von den Einschüchterungsversuchen der Regierung jedoch nicht aufhalten. Und das Internet ist für sie das vorrangige Medium, wenn es etwa darum geht, die Öffentlichkeit über geschehenes Unrecht zu informieren. "Viele haben erst durch Facebook und unsere Blogs von der Bewegung Kifaya erfahren", so Abdallah. "Informationen über Festnahmen, Videomitschnitte von Mobiltelefonen werden nirgends so schnell verbreitet wie über Twitter."
Die Internetplattformen dienen dabei nicht allein der Verbreitung von Informationen, sondern auch der rasend schnellen Mobilisierung von Öffentlichkeit zum Schutz der politischen Aktivisten/innen. So brachte die Schwester des deutsch-ägyptischen Bloggers Philip Rizk nach seiner Entführung durch ägyptische Sicherheitskräfte im Januar bei Facebook international eine riesige Solidaritätswelle ins Rollen. Wenige Tage später war Rizk wieder auf freiem Fuß. Doch andere sitzen noch immer im Gefängnis, wie Abdel Kareem, der seit 2007 inhaftiert ist, ausschließlich deswegen, weil er in seinem Blog "den Präsidenten und den Islam beleidigt" haben soll.
Frauke Manninga arbeitet für die Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin.
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