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Traumberuf Journalist/in?

Mehr als nur irgendwas mit Medien

 sterne

Patricia Dudeck | 4.8.2009

Jugendmedientage 2009

Der Journalistikprofessor Klaus Meier von der Hochschule Darmstadt verrät, was gute Nachwuchsjournalisten/innen ausmacht: Welche Praktika bringen weiter, welche Hobbys sind hilfreich und welche Charaktereigenschaften sind für Journalisten/innen überlebenswichtig?

Herr Meier, gibt es ein Gen, das Journalisten auszeichnet?

Das ist die Neugierde für vieles Verschiedenes: nicht nur für ein spezielles Themengebiet wie Sport, Reisen oder Mode, sondern immer auch für Politik und Wirtschaft. Wichtige Charaktereigenschaften sind Durchsetzungs- und Durchhaltevermögen. Sie geben nicht gleich auf. Sie können mit Menschen und wollen mit ihnen zu tun haben. Journalismus ist keine Beamtenlaufbahn, in der ich einmal Fuß fasse und bleibe. Ich muss mich immer wieder bewähren. Und wenn ich scheitere, brauche ich im Kopf einen Plan B für meinen Berufsweg.

Gibt es Hobbys, die mich für den Job als Journalist fit machen?

Teamsport ist hilfreich. Oder die verantwortliche Mitarbeit in Jugendgruppen etwa in Kirchengemeinden oder das Engagement in Parteien und gemeinnützigen Vereinen. Das alles qualifiziert mich für den Job und hilft mir, mit verschiedenen Menschen zusammenzuarbeiten.

Wie finden junge Leute heraus, ob Journalismus überhaupt das Richtige für sie ist?

Erst mal muss ich mir klar machen, was Journalismus ist. Die Medien – vor allem Fernsehen und Internet – sind eine große Bühne, auf der vieles stattfindet. Jungle Camp zum Beispiel ist kein Journalismus. Auch nicht DSDS, GZSZ und Facebook.

Und was macht Journalismus aus?

Egal ob Fernsehen, Internet oder andere Medien: Journalismus hat vor allem etwas mit Nachrichten zu tun – mit dem, was für die Menschen und die Gesellschaft relevant ist: aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport. Ich muss heiß auf Neuigkeit und Nachricht sein. Wenn es eines meiner täglichen Rituale ist, dass ich mich auf den neuesten Stand bringe, dann ist das eine gute Grundlage – sei es in Spiegel und Süddeutsche oder auf Tagesschau.de und FAZ.NET oder auf Neon.de.

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Hauptschulabschluss, Mittlere Reife, Abitur – kann ich mit jedem Abschluss in den Journalismus gehen?

Es gibt keine formalen Voraussetzungen. Doch mit einem Hauptschulabschluss ist es ungleich schwerer. Ein breites Allgemeinwissen ist nötig. Nach der Hauptschule ist es daher sinnvoll andere Bildungswege anzuhängen. Mit einem Praktikum bei der Heimatzeitung kann ich herausfinden, ob die Arbeit mit Recherche, Sprache und Formulieren etwas für mich ist.

Und nach dem Abi, studiere ich da gleich Journalismus oder mein Lieblingsfach?

Ein journalistikfremdes Fach zu studieren mit dem Ziel Journalist zu werden, ist nur sinnvoll, wenn mich das Fach wirklich interessiert – es also mein Lieblingsfach ist. Wirtschaftswissenschaftler mit Abschluss in BWL oder VWL haben gute Chancen. Auch Biologie und Medizin können funktionieren. Einen Hochschulabschluss kann ich dann immer noch mit einer Journalistenschule kombinieren. Praktika und freie Mitarbeit bei Lokalzeitungen oder anderen Medien – schon vor und während des Studiums – sind in jedem Fall ein Muss.

Was ist, wenn ich beim ersten Mal die Aufnahmeprüfung der Journalistenschule nicht bestehe?

Beim zweiten oder dritten Mal kann es klappen. Aber noch wichtiger ist eben einen Plan B zu haben und einen anderen Ausbildungsweg zu nehmen. Die Konkurrenz ist enorm.

Und wie ist es mit Journalistik?


Die bringt mehr Vorteile, als etwa allgemeine Medienwissenschaft zu studieren, wenn man vorher schon weiß, dass man Journalist werden möchte. Im Journalistikstudium vermitteln wir den Studierenden Hintergrundwissen und Praxis. Im Journalismus ist nicht mehr nur das "Handwerk" wichtig, sondern zunehmend auch das "Kopfwerk" – also nicht nur Recherchieren und Schreiben, sondern auch das Nachdenken über neue Formen und Formate für sich rasant ändernde Medienbedingungen.

Kann ich nach dem normalen Studium auch quer in den Journalismus einsteigen?

Ohne jegliche journalistische Erfahrung ist das schwierig. Mit Glück klappt das vielleicht. Am besten ist es, während des Studiums Praktika zu machen und frei zu arbeiten, um Kontakte zu knüpfen. Nach dem Studium kann sich aus einem Praktikum ein Volontariat ergeben, also die Ausbildung zum Redakteur bei einem Verlag oder einer Rundfunkanstalt.

Immer wieder beschweren sich Volontäre über zu wenig Ausbildung und fühlen sich als billige Arbeitskräfte ausgenutzt.

Die Qualität der Volontariate ist sehr unterschiedlich. Bei manchen Arbeitgebern gibt es kaum außerbetriebliche Kurse und in der Redaktion nur "training on the job". Daher muss man sich vorher über den Ausbildungsplan des Unternehmens informieren. Da immer mehr junge Leute in diesen Beruf drängen, ist die Konkurrenz um die guten Ausbildungsplätze hart.

Was ist, wenn ich keinen festen Job als Journalist bekomme?

Auf einen anderen Beruf ausweichen. Öffentlichkeitsarbeit und Public Relations, also PR, sind Alternativen. Klar, als PR-Fachmann habe ich andere Ziele und eine andere gesellschaftliche Funktion – und benötige im Detail auch andere Kompetenzen. Aber der Job ist nicht schlechter als der des Journalisten und genauso notwendig.

Ist die freie Mitarbeit eine realistische Alternative?

Wer sich eigentlich eine Festanstellung wünscht und nur aus der Not heraus frei arbeitet, sollte das nicht zu lange tun. Das zermürbt. Lieber den Beruf wechseln. Als Freier Journalist brauche ich einen konkreten Businessplan, um davon leben zu können: Wie viel Geld möchte und sollte ich verdienen, wer sind meine Auftraggeber? Kann ich mich mit anderen Freien zusammenschließen – für ein Projekt oder in einer Bürogemeinschaft? Wenn ich Journalismus und PR als zwei Standbeine habe, muss ich sehr aufpassen, dass ich die Bereiche scharf trenne. Die Themen und Auftraggeber sollten sich nicht überschneiden, sonst werde ich als Journalist unglaubwürdig.

Medien arbeiten immer mehr crossmedial, ist das eine Chance für junge Leute?

Klar, wenn man am Ball bleibt und Innovationen mutig aufgreift. Videojournalismus zum Beispiel gehört mittlerweile bei einigen Sendern und Verlagen mit zur Ausbildung und wird in Redaktionen zunehmend gebraucht. Journalismus im Internet ist nach wie vor ein boomendes Feld. Es gilt also offen zu bleiben auch gegenüber neuer Technik, viel zu lernen und seine Stärken als Eigenmarke auszubauen. Man lernt nie aus.

Zeitungen machen pleite, Verlage entlassen Redakteure, Einstellungsstopp. Und trotzdem lehren Sie jedes Semester 60 Studentinnen und Studenten das Handwerk. Machen Sie das guten Gewissens, Herr Meier?

Ja. Natürlich. Wir brauchen gut ausgebildete Nachwuchsjournalisten – auch jetzt und in Zukunft.

Und was geben Sie angehenden Journalisten mit auf den Weg?

Journalist sein ist ein sehr spannender und kreativer Beruf. Doch man braucht viel Geduld und muss hartnäckig sein. Mit einem kritischen und ehrlichen Blick auf die Welt und auf sich selbst.

Das Gespräch führte Patricia Dudeck.

Fotos: "Tino Höfert" / www.jugendfotos.de, CC-de-DE, License(by) http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/deed.de ; "Erik Hellsing" / www.jugendfotos.de, CC-de-DE, License(by-nc) http://creativecommons.org/licenses/by-nc/3.0/deed.de; "Niels Richter" / www.jugendfotos.de, CC-de-DE, License(by) http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/deed.de


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www.klaus-meier.net
Die Website von Klaus Meier

www.djv.de
Du willst Journalist/in werden? Tipps und Infos des Deutschen Journalistenverbandes

www.bpb.de/lokaljournalistenprogramm
Eine Liste von Ausbildungsstätten hat die Bundeszentrale für politische Bildung zusammengestellt

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