Was liest denn: Viola Eckelt und Axel von Ernst
Rudolf Lorenzen: Alles andere als ein Held
Angie Reinhardt | 31.10.2008
Viola Eckelt und Axel von Ernst, Lilienfeld Verlag: Früher
haben wir alles Mögliche gelesen: Philosophie, Romane, Bücher vom Flohmarkt –
ganz viel durcheinander. Seit der Verlagsgründung lesen wir gezielter, zum
Beispiel die Bücher anderer Verlage oder die Werke von Autoren, die
möglicherweise zu unserem Programm passen. Das ist manchmal etwas schade, weil
wir nicht mehr so frei sind. Man macht aber auch tolle Entdeckungen – zum
Beispiel den Roman "Alles andere als ein Held" von Rudolf Lorenzen, erschienen
im Verbrecher Verlag. Das sieht aus wie ein ziemlicher Wälzer, für den man nie
Zeit haben wird, aber dann liest man sich fest und geht immer viel zu spät ins
Bett.
Erzählt
wird die Lebensgeschichte von Robert Mohwinkel. Der wächst in den 1930er-Jahren
in Deutschland auf – und ist eigentlich eben "alles andere als ein Held": In der
Schule wird er gehänselt, bei der Hitlerjugend hat er auch keine Chance, er
kann sich nicht richtig in Szene setzen und wird von anderen ständig benutzt.
Das zieht sich eigentlich durch sein ganzes Leben, bis er am Ende dann doch so
etwas wie sein Glück findet. Ein klassischer Entwicklungsroman ist das Buch
also – aber wie Lorenzen diese Geschichte erzählt, auf so eine wunderbar
trockene, lakonische Art, mit diesem vollkommen unheldischen Blick auf die
Welt, das hat uns fasziniert. Deshalb empfehlen wir dieses Buch.
Und nicht nur
dieses! Es folgt ein Bekenntnis: Ja, wir sind Thomas-Mannianer! Das ist uns
sehr wichtig, denn Thomas Mann wird so oft schlecht gemacht und für spießig
gehalten. Dabei stimmt das gar nicht, das ist alles nur Instrumentalisierung der
Bürgerlichkeit. Also, unsere Empfehlung Nummer zwei lautet: Lest Thomas Mann.
Viola Eckelt und Axel von Ernst erfüllten
sich im Herbst 2007 einen Traum: Die Dramaturgin und der Autor, beide
passionierte Vielleser, gründeten in Düsseldorf den Lilienfeld Verlag. Den Jungverlegern
geht es darum, kleine, feine Debüts zu präsentieren und vergessene literarische
Schätze zu heben – das tun sie bis jetzt mit großem Erfolg. Im ersten Jahr
schafften sie es mit ihrem Verlagsprogramm (darin unter anderem das erste Buch von Fehlfarben-Sänger
Peter Hein) aus dem Stand in fast alle großen Feuilletons. Jetzt legen sie
nach: Der von ihnen wiederentdeckte Roman "Dog Star" von Capote-Freund Donald Windham
wurde schon im Vorfeld als literarische Sensation gehandelt.
Rudolf
Lorenzen: Alles andere als ein Held
(Erstpublikation 1959, Verbrecher Verlag
2007, 688 S, 28 €)
Foto: ©Uwe Alexander Kirsten
www.lilienfeld-verlag.de
Die
Seite des Lilienfeld Verlags
http://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Lorenzen
Mehr
zu Rudolf Lorenzen auf Wikipedia
www.thomasmann.de
Eine
Thomas-Mann-Seite (vom Fischer Verlag)