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Handlungsfreiheit

Fünf Wege, sich für die Umwelt zu engagieren

 sterne

Patricia Dudeck, Isabella Kroth, Christoph Leischwitz, Dominik Schottner | 1.4.2008

Walfänger stoppen

Es sind spektakuläre Aktionen, mit denen man die Umweltschutzorganisation Greenpeace verbindet. Bilder von mutigen Aktivisten, die auf hoher See einen Walfänger stoppen wollen, gingen immer wieder um die Welt. „Ich muss zugeben, das war es auch, was mich zu Beginn gereizt hat – diese Menschen, die sich mit einem kleinen Boot der Bedrohung stellten“, sagt Markus Semrau, der heute Freiwilligen-Koordinator ist. Doch das allein sei nicht Greenpeace. Die Hauptarbeit ist nicht anders als bei anderen Umweltorganisationen. Dazu gehören Klimaschutz, Erhaltung der Artenvielfalt, aber auch kritische Beobachtung der Landwirtschaft und Gentechnik. Eine der Besonderheiten bei der 1971 in Vancouver gegründeten Organisation sei aber, dass man brisante Informationen selbst recherchiert und an die Öffentlichkeit bringt. Semrau war zu Beginn seiner Greenpeace-Karriere 1999 bei einer Kampagne gegen einen genmanipulierten Schokoriegel dabei. „Wir haben die Riegel in den Regalen mit Aufklebern gelabelt und vor dem Supermarkt über die Gefahren aufgeklärt“, erzählt der 31-Jährige. Der Riegel wurde tatsächlich vom Markt genommen.

Mittlerweile steigt die Zahl der Aktivisten bei Greenpeace kaum noch an. Das mag auch das Ergebnis eines Imageproblems sein. Viele werfen der Organisation vor, im Umgang mit Politikern nicht kompromissbereit zu sein. Doch zumindest die Zahl der Greenpeace-Förderer steigt weiter an, im Jahr 2006 um 4500 auf 558 500. Sie finanzieren Greenpeace jährlich mit etwa 40 Millionen Euro.

www.greenpeace.de

Flugsünden gutmachen


Jeder Flug macht unsere Welt wärmer. Zu zehn Prozent soll der Flugverkehr nach aktuellen Schätzungen an der globalen Erwärmung Schuld haben. Fliegt ein Passagier von Köln nach Barcelona und zurück, verursacht er Treibhausgase, die das Klima belasten wie 640 Kilogramm Kohlenstoffdioxid. Mit einer Spende von 16 Euro kann man dazu beitragen, diese Flugemissionen an anderer Stelle einzusparen“: Auf der Internetseite atmosfair.de kann jeder ausrechnen, wie viel an klimawirksamen Gasen seine Flugreise verursacht und welchen Geldbetrag er zum Ausgleich spenden sollte. Der Rechner berücksichtigt die Anzahl der geflogenen Kilometer, Flughöhe, Typ des Flugzeugs und Anzahl der Sitzplätze. 1,3 Millionen Euro überwiesen klimabewusste Reisende im Jahr 2007 auf das Konto von atmosfair – für jeden der 40.000 Flüge im Durchschnitt 30 Euro.

2006 kamen nur 190.000 Euro an Spenden zusammen. Mit der Spende beauftragt der Kunde die gemeinnützige Agentur mit Sitz in Bonn, die entsprechende Menge Kohlendioxid durch Klimaschutzprojekte einzusparen. Die Projekte sind offiziell bei der UNO registriert und erfüllen die hohen Anforderungen des GOLD Standard. Mindestens 80 Prozent der Einnahmen fließen laut atmosfair in die Projekte, vor allem in Entwicklungsländern. So bereiten zum Beispiel Köche in indischen Großküchen Mahlzeiten mit Solarthermie zu anstatt mit Dieselbrennern. Eine klimafreundliche Stromversorgung von Dörfern in Sri Lanka ist in der Planungsphase. Ein Beirat aus Wissenschaftlern, Umweltverbänden und dem Bundesumweltministerium kontrolliert die Standards, nach denen das atmosfair-Team Klimaschutzprojekte aussucht.

www.atmosfair.de

Hier findest du den Artikel als PDF
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Bäume pflanzen

„Der Wald ist einer der kostbarsten Schätze, die wir auf der Welt haben“, davon ist die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) überzeugt. Aber auch davon, dass wir die Bäume zu wenig beachten. Etwa die deutsche Kiefer, eine Überlebenskünstlerin: Sie wächst, wo sonst kein anderer Baum steht – in schwindelerregenden Höhen, ungeschützt vor Wind und Wetter oder auf Katastrophenflächen, zum Beispiel nach Waldbränden. Die Kiefer ist der wichtigste Baum der Forstwirtschaft, weil sie so zäh und anspruchslos ist. Und dennoch steht sie unter Naturschutz. Gemeinsam mit anderen Naturverbänden hat die SDW die Kiefer zum „Baum des Jahres“ 2007 ernannt. Sie will damit auf Missstände aufmerksam machen. Auf Rodungen, künstliche
Monokulturen und darauf, dass viele kaum noch eine Kiefer von einer Tanne unterscheiden können. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Landschaften zerbombt und der Wunsch der Menschen nach Natur so groß, dass sie die Schutzgemeinschaft 1947 als erste Bürger-initiative der Nachkriegszeit gegründet haben. Inzwischen kämpfen in Deutschland rund 25 000 Mitglieder für den Wald: Sie spenden Geld, pflanzen Schulwälder, unterrichten Waldkunde. Junge Erwachsene bis 27 Jahre können in der Deutschen Wald-jugend, der Jugendorganisation der SDW, mitmachen. Als Mitglied trägt man dort die Verantwortung für ein Stück Wald in seiner Nähe, pflegt und erhält es.

www.sdw.de

Pandas retten


Die Organisation WWF arbeitet im Zeichen des Großen Pandas, des Einzelgängers unter den Bärenarten. 1600 seiner Art leben noch in freier Wildbahn. Hinter dem „World Wide Fund For Nature“ dagegen stehen weltweit mehr als fünf Millionen Förderer. Ihr Ziel ist es aber nicht nur, den Pandabären zu schützen: Seit seiner Gründung 1961 in der Schweiz setzt sich der WWF für den Erhalt der biologischen Vielfalt unserer Erde ein. Ganz anders als Greenpeace oder BUND versucht die Organisation aber nicht, mit medienwirksamen Aktionen Aufmerksamkeit zu erlangen. WWF setzt vielmehr auf den Dialog mit Wirtschaftspartnern und Politikern, kurzum auf Lobbyarbeit. Das System hat Erfolg: Insgesamt 374 Millionen Euro flossen im Jahr 2006 in den Spendentopf, allein in Deutschland fördern 324 000 Menschen den WWF, so viele wie noch nie zuvor. Mit den Geldern bezahlt die größte private Naturschutzorganisation der Welt ihre 4000 Mitarbeiter für die mehr als 2000 Natur- und Umweltprojekte. Fördermitglieder des WWF können zwar in der Regel nicht selbst auf Borneo Orang-Utans retten oder im Amazonasgebiet den Regenwald schützen, sie können aber eine Patenschaft dafür übernehmen. Und dabei das gute Gefühl zu haben, die Welt ein Stück besser zu machen.

www.wwf.de

Richtig einkaufen


Eigentlich geht es darum, eine Anleitung zur Rettung der Welt zu erstellen, durch bewusstes Konsumieren. Claudia Langer ist Gründerin und Chefin von Utopia.de, einem Internetportal mit derzeit 11 000 Usern, den Utopisten. Mit Utopia.de wolle sie „den Gedanken der Nachhaltigkeit populär machen“. Die Mutter zweier Kinder erzählt: „Sich im Internet zum Thema zu informieren kann die Zeit eines normalen Jobs beanspruchen!“ So entstand die Idee, eine zentrale Anlaufstelle aufzubauen. Das Portal steht auf drei Säulen: Community, Wissen und Kaufen. Dazu gesellt sich offline die Utopia-Stiftung, eine Art Forschungszentrum. In der Online-Community tauschen sich User über Ideen zur nachhaltigen Lebensführung aus. Wo und wie kann man Strom sparen? Wo gibt’s schöne, umweltfreundlich gefertigte Kleidung? Nach und nach soll so eine Art Wikipedia der Nachhaltigkeit entstehen. In der Abteilung „Kaufen“ werden Produkte vorgestellt, die jeder zum Leben braucht und die die Umwelt nur gering belasten – aber gut aussehen. Denn das ist vielen Utopisten wichtig: Die Natur bewahren, ja, aber bitte mit Stil und nicht um jeden Preis.

www.utopia.de

Fotos: Greenpeace; Corbis; Gettyimages; Minden Pictures / PicturePress

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Inhaltsverzeichnis des fluter-Heftes
PDF Artikel
Umfrage auf der Straße und im Netz
Die Umweltnachrichten
Interview mit Hansjörg Küster über unser Naturverständnis
Menschen, die von der Natur leben
Warum uns die Natur immer fremder wird
Handlungsfreiheit
Fünf Wege, sich für die Umwelt zu engagieren
Kann man ökologisch korrekt leben?
Warum wir auf die Klimaveränderung so langsam reagieren
Wie Erfinder die Natur kopieren
Möglichkeiten und Risiken der Gentechnik
Wie realistisch sind Filme wie 'Frankenstein'?
Neue Tierarten in der Stadt
Wenn der Mensch von der Erde verschwindet
Wie Gordon Hempton gegen akustische Umweltverschmutzung kämpft.
Generationenwechsel bei Löwenzahn

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