Auf Mike Leighs Sessel

dialogue_en_perspective | 17.02.12 15:57 | 0 Kommentar(e) | » zum Blog: Berlinale im Dialog - der Blog zur 62. Berlinale

von Franziska Hessberger.

Wir, die Jury, sind nach Berlin eingeladen, um einen Preis in der Sektion „Perspektive Deutsches Kino“ zu vergeben. Wie ist das so? In jedem Fall passiert so viel, dass ich erst am Ende des Festivals dazu komme, etwas darüber zu schreiben. Das Problem an diesem Text ist: Ich darf vor der Preisvergabe nichts über unsere Jury-Arbeit verraten. Nichts darüber, welche Filme uns gefallen und welche nicht, worüber und wie wir diskutieren. Dieser Text ist also wie die Geschichte mit dem rosa Elefanten, an den man nicht denken soll …

Aber immerhin kann ich über den Raum schreiben, in dem diese geheimen Jury-Sitzungen jeden Abend nach der Film-Premiere abgehalten werden. Wir sitzen im gleichen Raum wie „die große Jury“, so nennen wir Mike Ligh, Charlotte Gainsbourg, François Ozon und all die anderen. Wir können uns also immer vorstellen, dass auf unserem Stuhl vor einigen Stunden noch … gesessen hat. Im Raum sind breite Ledersessel und ein überdimensionaler runder Tisch, so als ob wir über die Zukunft der Welt beraten … ähmm, na ja, so ist es dann ja doch nicht.

Sonst haben wir den Ehrgeiz, neben unserer Jurytätigkeit möglichst viele Filme zu sehen. Ich glaube, fünf Filme pro Tag sind zur Zeit der Rekord, der übrigens von den Franzosen gehalten wird. Eigentlich geht es dabei weniger um Quantität als darum, die wirklich guten Filme gesehen zu haben. Was wirklich gut ist, darüber sind wir uns, wie es sich für eine Jury gehört, nicht immer einig. Aber um nur einen zu nennen: Tabu hat fast alle begeistert. Jeden Tag gibt es eine unmöglich zu bewältigende Liste mit Filmen, die uns interessieren, und sogar möglichen Ausweichterminen. Wenn ein Filme dann zwei Leute für gut befunden haben, dann steigt zumindest bei mir der Druck, ihn auch sehen zu wollen.

Um mithalten zu können, muss man eigentlich schon in die 9-Uhr-Vorstellung morgens. Allerdings schwindet diese Motivation schnell, wenn der Wecker klingelt. Beruhigt erfährt man dann, dass die anderen auch nicht alle da waren. Denn damit man in netter Atmosphäre über Filme sprechen kann, gibt es ja noch diverse Partys … und damit es keine Gefahr gibt, dass wir den Regisseuren dort „auflauern“, haben wir sogar eigene Treffen mit Denis Côté (Bestiare, Forum), Ursula Meier (L’enfant d’en haut, Wettbewerb) und Christian Petzold (Barbara, Wettbewerb), um sie mit Fragen zu löchern.

Jetzt sind wir zwar schon etwas erschöpfter, aber auch immer gespannter, denn wir haben fast alle Perspektive-Filme gesehen, und die finale Diskussion und Preisvergabe rückt näher!

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