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Elisabeth Pähtz:
Mein Vater war Profispieler in der DDR und ist mit meinem älteren Bruder, der
auch Schach spielte, herumgereist. Ich bin immer mitgefahren, weil meine Mutter
arbeiten musste. Durch das Zuschauen habe ich Schach gelernt. Und dann sind wir
eben zu dritt gereist. Inzwischen würde ich das Schachspiel aber nicht mehr als
Leidenschaft, sondern eher als Beruf bezeichnen.
Kann man denn vom Schach allein leben?
Vom Schach allein kann ich immer nur dann leben, wenn ich
sehr erfolgreich spiele. Aber ich werde ja nicht jünger, irgendwann lassen die
Gehirnleistungen nach. Manchmal muss man in Sekundenschnelle einen Zug machen,
und mit dem Alter wird man langsamer. Deshalb möchte ich nächstes Jahr anfangen
zu studieren – dann werde ich entweder Grundschullehrerin oder etwas mit
Management. Ich kann gut organisieren, für viele schachspielende Freunde
organisiere ich deren ganze Reisen.
Anstrengendes Training
Wie trainierst du?
Zurzeit im
Selbststudium: Ich schaue mir die Partien von großen Spielern an, ihre
Eröffnungen, Strategien, Neuerungen, und überlege, welche davon in mein
Repertoire passen. Es gibt viele Bereiche im Schach, die man trainieren kann,
wie Taktik, Technik, Positionsschach. Eigentlich müsste ich noch mehr
trainieren. Manchmal übe ich zwei, manchmal sechs Stunden, je nachdem, wie ich
dazu physisch und psychisch in der Lage bin. Denn wenn ich von einem
zehntägigen Turnier nach Hause komme, bei dem jede Partie im Durchschnitt vier
Stunden dauert – da schlafe ich erst mal einen Tag.
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Das liegt daran, dass ich gar keine Zeit habe, mir irgendein
anderes soziales Umfeld aufzubauen! In der Schule hatte ich Probleme, weil es
auch eifersüchtige Mitschüler gab. Jetzt habe ich nicht so viele Freunde im
nicht schachlichen Leben, weil ich nicht so oft ausgehe. Zu Hause in Berlin ist
meine nicht schachspielende Mitbewohnerin mein einziger Bezug zur "anderen Welt".
Normalerweise bin ich immer von Schachspielern umgeben.
Zweites Standbein bei
der Bundeswehr
Nach deinem Abitur bist du zur Bundeswehr
gegangen. Warum?
Die Bundeswehr fördert Sportler aus allen denkbaren
Bereichen. Ich habe mich dort als Sportsoldatin beworben, habe die Musterung
gemacht und die zweimonatige Grundausbildung. Dabei habe ich sehr viel fürs
Leben gelernt. Das Schießen, aber auch Disziplin und Ordnung. Meine Eltern
meinen, das hat mir gut getan und ihnen auch. Da muss ich ihnen wohl recht
geben! Außerdem hat es mich wirklich gereizt zu wissen, wie das ist, jeden Tag
um fünf Uhr aufzustehen und strenge Vorgesetzte zu haben. Ich habe bei der
Grundausbildung meine Grenzen kennen gelernt, physisch und auch psychisch. Daher
kann ich das jedem empfehlen.
Sportsoldatin bist du
jetzt immer noch.
Nach der Grundausbildung wurde ich nach Frankenberg in
Sachsen versetzt. Dort muss ich mich regelmäßig melden – aber meine
Hauptaufgabe ist, erfolgreich für die Bundeswehr Schach zu spielen. Einmal im
Jahr finden die NATO-Meisterschaften statt, und da werden wir auch jedes Jahr Erster
mit der Mannschaft. Zumindest in den letzten zwölf Jahren.
Eva Schulz ist 17 und
kommt aus Borken im Münsterland. Schach hat sie von ihrem Opa gelernt, gegen
den sie selten spielt und immer verliert.
Fotos: privat
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