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Schachwunderkind

Elisabeth Pähtz, 22, ist zweifache Schach-Weltmeisterin

16.2.2008 | Eva Schulz | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Die Bretter, die die Welt bedeuten, sind für Elisabeth Pähtz schwarz-weiß kariert. Mit 22 Jahren ist sie bereits zweifache Schach-Weltmeisterin. Als "Wunderkind" saß sie auf den Sofas von Johannes B. Kerner und Harald Schmidt. Jetzt belegt die gebürtige Erfurterin Rang 25 der Frauen – weltweit. Mit fluter.de sprach sie über hartes Training, dumme Vorurteile und ihren Dienst bei der Bundeswehr.

Eva Schulz: Wie ist deine Leidenschaft für Schach entstanden?

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Elisabeth Pähtz: Mein Vater war Profispieler in der DDR und ist mit meinem älteren Bruder, der auch Schach spielte, herumgereist. Ich bin immer mitgefahren, weil meine Mutter arbeiten musste. Durch das Zuschauen habe ich Schach gelernt. Und dann sind wir eben zu dritt gereist. Inzwischen würde ich das Schachspiel aber nicht mehr als Leidenschaft, sondern eher als Beruf bezeichnen.

Kann man denn vom Schach allein leben?

Vom Schach allein kann ich immer nur dann leben, wenn ich sehr erfolgreich spiele. Aber ich werde ja nicht jünger, irgendwann lassen die Gehirnleistungen nach. Manchmal muss man in Sekundenschnelle einen Zug machen, und mit dem Alter wird man langsamer. Deshalb möchte ich nächstes Jahr anfangen zu studieren dann werde ich entweder Grundschullehrerin oder etwas mit Management. Ich kann gut organisieren, für viele schachspielende Freunde organisiere ich deren ganze Reisen.

Anstrengendes Training

Wie trainierst du?

Zurzeit im Selbststudium: Ich schaue mir die Partien von großen Spielern an, ihre Eröffnungen, Strategien, Neuerungen, und überlege, welche davon in mein Repertoire passen. Es gibt viele Bereiche im Schach, die man trainieren kann, wie Taktik, Technik, Positionsschach. Eigentlich müsste ich noch mehr trainieren. Manchmal übe ich zwei, manchmal sechs Stunden, je nachdem, wie ich dazu physisch und psychisch in der Lage bin. Denn wenn ich von einem zehntägigen Turnier nach Hause komme, bei dem jede Partie im Durchschnitt vier Stunden dauert – da schlafe ich erst mal einen Tag.

Was für ein Schachtyp bist du: Spielst du risikoreich oder immer auf Nummer sicher?

Wenn ich gewinnen muss, gehe ich mehr Risiko ein. Das kommt auf das Resultat an, das ich brauche. Manchmal reicht ja auch ein Remis – ein Unentschieden. Das ist auch so, wenn ich in Alltagssituationen Entscheidungen treffen muss. Die analysiere und berechne ich dann wie beim Schach.

Risikosport

Manche Leute behaupten, Schach wäre gar kein richtiger Sport. Was antwortest du denen?

Wir holen uns zwar keine Stauchungen oder Brüche. Aber Schach ist zum Beispiel in der Hinsicht Sport, als dass ich dabei Gewicht verliere! Wir denken unglaublich viel nach, dieses Gehirnjogging kostet unheimlich viel Kraft. Dazu kommt großer psychischer Stress während der Partie in Situationen, wo man ganz cool bleiben muss. Ein Blackout, ein kleiner Fehler, und das ganze Spiel ist verloren! Bei Leichtathleten ist die Chance, dass sie kurz vorm Ziel patzen, viel kleiner als bei uns – die fallen nicht einfach so hin.

Dein ganzer Freundeskreis kommt aus der Schachwelt, auch dein Freund ist ein begabter Spieler. Kommst du nur mit Schachspielern klar?

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Das liegt daran, dass ich gar keine Zeit habe, mir irgendein anderes soziales Umfeld aufzubauen! In der Schule hatte ich Probleme, weil es auch eifersüchtige Mitschüler gab. Jetzt habe ich nicht so viele Freunde im nicht schachlichen Leben, weil ich nicht so oft ausgehe. Zu Hause in Berlin ist meine nicht schachspielende Mitbewohnerin mein einziger Bezug zur "anderen Welt". Normalerweise bin ich immer von Schachspielern umgeben.

Zweites Standbein bei der Bundeswehr

Nach deinem Abitur bist du zur Bundeswehr gegangen. Warum?

Die Bundeswehr fördert Sportler aus allen denkbaren Bereichen. Ich habe mich dort als Sportsoldatin beworben, habe die Musterung gemacht und die zweimonatige Grundausbildung. Dabei habe ich sehr viel fürs Leben gelernt. Das Schießen, aber auch Disziplin und Ordnung. Meine Eltern meinen, das hat mir gut getan und ihnen auch. Da muss ich ihnen wohl recht geben! Außerdem hat es mich wirklich gereizt zu wissen, wie das ist, jeden Tag um fünf Uhr aufzustehen und strenge Vorgesetzte zu haben. Ich habe bei der Grundausbildung meine Grenzen kennen gelernt, physisch und auch psychisch. Daher kann ich das jedem empfehlen.

Sportsoldatin bist du jetzt immer noch.

Nach der Grundausbildung wurde ich nach Frankenberg in Sachsen versetzt. Dort muss ich mich regelmäßig melden – aber meine Hauptaufgabe ist, erfolgreich für die Bundeswehr Schach zu spielen. Einmal im Jahr finden die NATO-Meisterschaften statt, und da werden wir auch jedes Jahr Erster mit der Mannschaft. Zumindest in den letzten zwölf Jahren.

Eva Schulz ist 17 und kommt aus Borken im Münsterland. Schach hat sie von ihrem Opa gelernt, gegen den sie selten spielt und immer verliert.


Fotos: privat



www.elisabeth-paehtz.de
Die Website von Elisabeth Pähtz

http://sport.bundeswehr.de
Mehr über die Sportförderung der Bundeswehr




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