Das reicht doch nicht. Thema Armut

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Armut ist nicht die Schande der Armen. Sie sollte ein Skandal für die Reicheren sein. Oft genug wird sie aber ignoriert, verdrängt, wegerklärt. Wer ist schon reich, wenn es um die Armut der anderen geht?

Wer sich die Armut der untersten Milliarde der Menschheit ansieht, wird feststellen, dass Reichtum immer wieder aus verarmenden Verhältnissen entspringt. Vom Rohstoffreichtum Sambias haben dort nur wenige etwas, am Hauptsitz eines Konzerns in der Schweiz umso mehr. Das hat durchaus System, ist nach wie vor eine der Schattenseiten der real existierenden Globalisierung. Ideen und Vorschläge, dem etwas entgegenzusetzen, gibt es, um sie wird seit Jahren öffentlich gerungen. Ihre Realisierung ist schwierig, denn es geht nicht nur um Aufklärung. Es geht um Macht, um hohe Profitraten und auf der Gewinnerseite um durchaus angenehme Routinen ungerechter Zustände. Immerhin, es geht auch anders. In China hat der Kapitalismus in kurzer Zeit seine Aufstiegsdynamik für Abermillionen Menschen bewiesen. Doch auch hier ist der Preis hoch, die Schere zwischen Arm und Reich hat extreme Ausmaße angenommen. In Ländern wie Brasilien zeigt sich, dass der Kampf gegen die Armut auch Fragen nach der gerechteren Verteilung des Reichtums stellt.

In Deutschland muss niemand im Elend der „absoluten Armut“ leben. Aber auch hier, mitten in einem milliardenschweren Sozialstaat, stellen sich immer drängender Fragen. Die Wirklichkeit der Armut wird ja nicht angenehmer, weil diese nur noch relativ ist.

Wenn Zigtausende Menschen trotz Arbeit nicht genug Geld zum Leben haben, wenn mehr als eine Million Kinder von Armut betroffen sind, wenn jetzt schon und in Zukunft noch viel mehr Rentner verarmen, wenn Alleinerziehende armutsgefährdet sind und wenn mehr als die Hälfte der deutschen Kommunen von der Zahlungsunfähigkeit bedroht ist – dann ist das auch bei uns den öffentlichen Streit wert.

Der deutsche Sozialstaat wurde von Bismarck vor mehr als 120 Jahren aus der Taufe gehoben. Auch an seinem Beginn stand der öffentliche Streit im Kampf gegen Armut. Die Systeme der gesellschaftlichen Solidarität haben sich seitdem weiterentwickelt, sind durch Krisen und Kriege gegangen. Dieses Gut zu modernisieren und besser zu organisieren wird eine der wesentlichen politischen Fragen der nächsten Jahre sein. Armut ist immer auch ein Hinweis auf die Notwendigkeit, die Verhältnisse ihrer Entstehung zu ändern.

Thorsten Schilling

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Kommentare

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Was bisher geschah...

oliver-marl@email.de

Vielen Dank für Ihren Artikel über das zurückgebliebene Dorf Marl.Endlich mal ein realistisches Bild von diesem schrecklichen Ort! Daran ändern auch nichts irgendwelche selbsternannte Journalisten, die sich eine rosarote Brille aufsetzen, wenn diese an Marl denken, falls sie dieses Loch überhaupt kennen. Es erklärt sich dadurch von selbst, dass nicht ein einziger Marler ein positives Bild kommentiert!

Oliver Dummentat | 15. Februar 2013   21:48

Schlechter journalistischer Stil

In der Stadt Marl, über die im aktuellen Heft berichetet, geht in der Tat eine Menge den Bach runter.Das wäre aber auch ausreichend deutlich geworden, wenn er sich an die Wahrheit gehalten hätte. Stattdessen verbreitet der Artikle derartig viele Unwahrheiten und so viel verschwurbelten Mist, dass einem graust. Ich bin selbst Journalist. Nach einem solchen Artikel hätte ich wohl eine Reihe unbequemer Fragen der Chefredaktion beantworten müssen.

Frank Bergmannshoff | 8. Februar 2013   09:19

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