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Klingonische Klugscheißer

Science Fiction von A-Z (Teil 2)

7.10.2012 | Stefan Brückner | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Über die Unterschiede zwischen Science Fiction und Fantasy existiert weitgehende Einigkeit. Fantasy-Sagen wie "Herr der Ringe" spielen in und mit der Vergangenheit. Sie zeichnen auf fantastische Weise eine Gesellschaft, die, mit mythischen Figuren angereichert, auf der Grundlage überholter Wertevorstellungen handelt.

Science Fiction hingegen zeigt Fortschrittlichkeit und Vorstellungen über eine mögliche Zukunft, die nahe bei philosophischen Fragen über die Menschheit bleiben. Wo genau ihre Ursprünge liegen, ist Definitionssache. Literaturwissenschaftler wollen bereits im ersten bekannten literarischen Werk, dem "Gilgamesch-Epos", frühe Science-Fiction-Elemente ausgemacht haben. Ob nun Jules Verne oder H.G. Wells die moderne Science-Fiction-Literatur begründet haben: Fakt ist, dass sie schon lange ein wichtiger Teil der Alltags- und Popkultur ist. Viel Spaß beim Stöbern in dem zweiten Teil unseres A-Z! Und wenn euch ein Begriff fehlt, dann schreibt uns und helft mit, das Alphabet auszubauen.

Klingonen in ''Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock''

Klingonen in ''Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock''

ja'chuqmeH rojHom neH jaghla'

Das ist Klingonisch. Die Phrase bedeutet so viel wie "Der feindliche Kommandant wünscht einen Waffenstillstand, um zu beraten". Dabei handelt es sich um die Transkription aus dem klingonischen Schriftsystem, das ähnlich dem Kyrillischen erst in lateinische Buchstaben gegossen werden muss. Entwickler dieser Sprache ist Marc Okrand, der auf der Basis weniger vorhandener Wörter Klingonisch für den dritten Teil der Star-Trek-Reihe ausbauen sollte. Im Gegensatz zum Kauderwelsch anderer Science-Fiction-Sprachen ist Klingonisch eine Plansprache, die auch erlernt werden kann. Darum kümmert sich das Institut für klingonische Sprache (KLI) mit Sitz in Pennsylvannia in den USA. Ihre bekannteste Publikation ist eine klingonische Version von William Shakespeares "Hamlet". Doch nur wenige Star-Trek-Fans beherrschen die Sprache perfekt. Der Versuch, seinen Sohn bilingual zu erziehen, musste ein Mitglied des KLI aufgeben – das Kind weigerte sich noch nach Jahren klingonischer Qualen vehement, die Sprache zu erlernen.

Kryostase

Ob nun bei "Avatar" oder "Futurama": Die Kryostase, das Einfrieren des menschlichen Körpers zur Überbrückung von großen Zeiträumen, ist in der Science Fiction ein wichtiges Motiv. In der Realität funktioniert die Schockfrostung bei knapp 200°C unter Null eher weniger gut. Es können nur einzelne Organe eingefroren werden, größere Organe würden beim Auftauen einer Sauerstoffunterversorgung erliegen. Ein weiteres Problem, mit dem die Kryostase noch kämpft, liegt darin, ein geeignetes Frostschutzmittel zu entwickeln, das die Zellen nach dem Auftauen nicht als unwiderruflich geschädigt zurücklässt. Die erste Konservierung einer menschlichen Leiche wurde bereits 1967 in den USA an dem Psychologieprofessor James Bedford vorgenommen. Sein Körper wird noch heute beim Kryostase-Unternehmen "Alcor" gelagert. Der russische Anbieter "KrioRus" bewahrt derzeit 22 kryonierte Körper auf. Dort spart man zwar den Grabstein, aber nicht das Einfrieren – das kostet 30.000 Dollar.

Roboter-Puppe ''Heart'' - bei Berührung klopft ihr Herz schneller

Roboter-Puppe ''Heart'' - bei Berührung klopft ihr Herz schneller

Liebe

Haben Roboter Gefühle? Forscher wie David Levy glauben an die Roboterliebe. In seinem Buch "Love & Sex with Robots" (2007) prognostiziert er, dass bis 2050 Liebesbeziehungen zu Robotern keine Seltenheit mehr sein werden. In Zukunft sind, so Levy, die Roboter so gut programmiert und sehen den Menschen so ähnlich, dass eine emotionale Bindung zu ihnen aufgebaut werden kann. Diese Liebe wäre allerdings eine sehr einseitige Angelegenheit. Ein Gefühlschaos bei den Robotern selbst ist unwahrscheinlich. Auf die schnelle Nummer mit einer Roboterdame müssen Bedürftige aber nicht verzichten, das gibt es bereits. Sexroboter Roxxxy, ein Produkt der US-Firma True Companion, ist auf Abruf bereit, auch für den post-koitalen Small Talk. Der Hersteller wirbt: "All three entries have special sensors and motors."

Militärforschung

Zweifelsohne ist es die Militärforschung, die immer wieder neueste Technologien hervorbringt. Beispiel Internet: Das wurde nicht etwa in den 1990er-Jahren erfunden, sondern in einer Vorstufe, dem ARPA-NET, um 1969. Genutzt wurde es vom US-Verteidigungsministerium und später von den Universitäten. Als Faustregel gilt, dass die mit viel Geld entwickelten Produkte aus der Kriegs- und Rüstungsindustrie erst Jahre später im Elektronikfachgeschäft liegen. Mythen und Verschwörungstheorien rund um diese Forschungen gibt es reichlich – die Geheimhaltung ist schuld daran: Werkeln Wissenschaftler in geheimen Militärbasen wirklich an UFOs herum oder sezieren gar vom Himmel gefallene Kreaturen? Laserwaffen und Kriegsroboter, sind, so viel ist sicher, heute schon im Kriegseinsatz. So lassen die Nebenprodukte der Militärforschung Science-Fiction-Szenarien wahr werden.

Nanotechnologie

Nanotechnologen nehmen sich für ihre Forschung Oberflächenstrukturen der Natur zur Grundlage. Zum Beispiel den Lotus-Effekt: So bezeichnet man es, wenn Flüssigkeiten auf einer Pflanze keinen Halt finden und einfach weggespült werden. Sehen kann man diesen Effekt, der sich auf ungefähr einem Millionstel Millimeter abspielt, nur mit einem extrem guten Mikroskop. Die Nanotechnologie will solche Strukturen für den Alltagsgebrauch nutzbar machen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung bezeichnet die Nanotechnologie als "Zukunftstechnologie mit Visionen" – sie soll für mehr Effektivität von Brennstoff- und Solarzellen oder für die Verbesserung von Prozessoren sorgen. Ob wir aber in Zukunft wie Stubenfliegen, die an ihren Beinen über feinste Andock-Härchen verfügen, sogar Wände hochlaufen können, bleibt abzuwarten.

Künstliche Luftröhre

Künstliche Luftröhre

Organe

Klon-Szenarien aus Filmen wie "Gattaca" oder "Star Wars Episode II: Clone Wars" sind vor allem Ausdruck einer Angst vor dem endgültigen Verlust der Natürlichkeit und der Individualität des menschlichen Lebens. Schaut man in die nicht ganz so ferne Zukunft, scheint es durch die Stammzellenforschung schon bald möglich zu sein, ganze Organe nachzuzüchten. Teilweise ist das bereits gelungen. Ein internationales Chirurgen-Team konnte einem Krebspatienten am schwedischen Karolinska-Institut eine künstliche Luftröhre einsetzen, deren Glas-Gerüst innerhalb weniger Tage mit neuen Körperzellen überzogen wurde. Diese Erfolge werfen ethische Fragen auf, die bereits in der Erbgesundheitsforschung Eugenik – die seit den eugenischen Exzessen der Nazis ihr fortschrittliches Image verloren hat – diskutiert wurden: Darf der Mensch Gott spielen? Und hat er das Recht dazu, menschliche Embryos auszulöschen, um an die begehrten embryonalen Stammzellen zu gelangen?

Parallelwelten

Seitdem der Kult-Physiker Stephen Hawking die Theorie veröffentlicht hat, dass Schwarze Löcher verschiedene Universen als "Raum-Zeit-Tunnel" miteinander verbinden können, haben Science-Fiction-Autoren neuen Stoff für ihre Romane. Auch Jack O'Neill, Teal'c und Co. nutzen in der TV-Serie "Stargate" sogenannte Wurmlöcher als schnelle Transportwege, um in Windeseile zu anderen Galaxien zu gelangen. Wirklich möglich ist das allerdings nicht – Wurmlöcher sollen noch kleiner als Atome sein. Auch Hawking ruderte Jahre später zurück: "Wenn du in ein Schwarzes Loch springst, wird deine Massenenergie wieder in unser Weltall zurückgegeben – allerdings in einer zermalmten Form." Die Idee von Welten, die parallel zu unserer existieren, sogenannten Parallelwelten, entkräftet das allerdings nicht. Die Frage ist nur, wo der Eingang ist.

Das Bakterium Coxiella burnetii verursacht Q-Fieber

Das Bakterium Coxiella burnetii verursacht Q-Fieber

Q-Fieber

Viren und Bakterien sind für Menschen gefährlich. Zum einen, weil sie unsichtbar sind, sich also ungesehen im Organismus einnisten können. Zum anderen, weil man sie auch gezielt züchten und als Waffe einsetzen kann. Das Q-Fieber gehört wie auch Pest, Milzbrand und Pocken zu dem sogenannten "Dreckigen Dutzend". Wegen ihrer hohen Gefahr für Leib und Leben sind Viren und Bakterien, die diese Krankheiten auslösen und in rasender Geschwindigkeit verbreiten können, Kandidaten für einen Biowaffenanschlag. Ganz in echt. Die Angst vor einer epidemischen Apokalypse und der natürlich scheiternden Massenquarantäne spielt aber auch im Science-Fiction-Genre und in Zombiefilmen eine Rolle.

Roboter

Das Wort "robota", ein Lehnwort aus dem Tschechischen, heißt so viel wie "schwere Arbeit, Sklavenarbeit". Erstmals verwendet wurde der Ausdruck im 1921 erschienenen Theaterstück "R.U.R." der tschechischen Brüder Capek. Darin rebellieren Arbeitsroboter erst gegen die Großindustrie und vernichten dann die Menschheit. Keine schöne Vorstellung. Die heutige Wissenschaft orientiert sich eher an den drei Robotergesetzen des Autors Isaac Asimov: Der Roboter muss gehorchen, den Menschen schützen und darf ihn nicht verletzen. Wenn nun also der programmierte Hilfsroboter den Menschen bei unliebsamen Aufgaben wie Geschirrspülen oder Essenservieren unterstützt, bleibt das ungute Gefühl, dass er sich selbstständig machen könnte. Und wenn die Roboter den Gesetzen nicht folgen, kann die Künstliche Intelligenz zu einer Gefahr für die Menschheit werden – so wie in Asimovs Roman "I, Robot" (1950).

Der letzte Teil unseres Science Fiction A-Z erscheint am kommenden Sonntag. Eure Vorschläge und Einsendungen zu den einzelnen Buchstaben nehmen wir gerne entgegen!

Stefan Brückner lebt und arbeitet in Berlin und ist Mitarbeiter bei fluter.de. In Halle (Saale) studierte er Medien- und Kommunikationswissenschaften.

Foto 1, Oben: © Verleih
Foto 2, Mitte: © Heart Robot
Foto 3, Mitte: National Institute of Health/public domain

Foto 4, Unten: © Karolinska University Hospital



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