Bevor gegen Ende der 1930er-Jahre in den USA das goldene Zeitalter der Science Fiction anbrach, galten SF-Magazine wie "Amazing Stories" vor allem als kindische Schundliteratur. Die bunten Cover, die meist halbnackte Frauen in Bedrängnis zeigten, waren einfach nicht ernst zu nehmen. Vielleicht war und ist das Genre bis heute aber gerade wegen seiner trashigen Aura ein schier unbegrenzter Pool für Ideen. Denn wenn es nicht verrückt genug sein kann, entspringt aus dem Abseitigen der Alltagskultur oft Großes. Und ist Science Fiction heute nicht mehr als das? Viel Spaß beim Stöbern in unserem Science-Fiction-A-Z! Und wenn euch ein Begriff fehlt, dann schreibt uns und helft mit, das Alphabet auszubauen.
AI steht für "Artificial Intelligence", Künstliche Intelligenz. Die Produkte des Versuchs, intelligentes Verhalten zu automatisieren, reichen von IBMs Schachcomputer Deep Blue bis zu Apples Sprachanwendung Siri. Die Künstliche Intelligenz ist ein Teilgebiet der Informatik, eng mit der Philosophie, der Psychologie und der Sprachwissenschaft verknüpft. In Kinofilmen ist weit entwickelte Künstliche Intelligenz meist Teil von Dystopien – zum Beispiel in der "Matrix"-Reihe der Wachowski-Brüder (1999-2003) oder in Steven Spielbergs "A.I." (2001).
Im Englischen gibt es ein Adjektiv, mit dem man prima die psychologischen Auswirkungen von technologischen, sozialen und ökologischen Umwälzungen auf die Gesellschaft beschreiben kann: ballardian. Das Wort bezieht sich auf James Graham Ballard (1930-2009), einen britischen Science-Fiction-Autor. Ballards Steckenpferd war die Beschreibung von Gefühlswelten in Weltuntergangsszenarien.
Cyborg in ''Terminator 3: Rebellion der Maschinen''
Cyborg
Ein Cyborg ist ein kybernetischer Organismus – ein Mischwesen aus Maschine und lebendigem Organismus. Oftmals handelt es sich um technisch veränderte biologische Lebensformen. Nicht zu verwechseln mit humanoiden Robotern, den Androiden. Wann ein Lebewesen zum Cyborg wird, ist umstritten. So vertritt der Schweizer Philosoph und Präsident der TU Cottbus, Walther Christoph Zimmerli, die Theorie, dass ein Mensch zum Cyborg wird, sobald er von Technik umgeben ist. Der Mensch werde nämlich, etwa wenn er im Auto sitzt, Teil des "Mensch-Maschine-Komplexes". Andere Theoretiker sprechen vom "Unter-die-Haut-Kriterium": Nach diesem muss die technische Veränderung unter der Haut und nicht bloß körpernah stattfinden.
Eine Dystopie bezeichnet eine fiktionale, in der Zukunft spielende Erzählung über eine Gesellschaft, die sich zum Negativen entwickelt – oder bereits entwickelt hat. Der Begriff kam Ende des 19. Jahrhunderts auf, zur Hochzeit der industriellen Revolution. Eine dystopische Gesellschaft erkennt man an ihrer repressiven Regierung, an der gestörten Kommunikation der Menschen untereinander und an einem fehlenden Wertebewusstsein. George Orwells "1984" ist ein typischer dystopischer Roman. Der Gegenbegriff Utopie geht auf Thomas Morus "Utopia" von 1516 zurück – und wird fälschlicherweise heute noch oft als Synonym für Science Fiction gebraucht. Die Science-Fiction-Literatur ist spätestens seit E.M. Forsters "The Machine Stops" (Die Maschine versagt, 1909) eher von dystopischen Szenarien geprägt.
Ewoks in ''Star Wars: Die Rückkehr der Jedi-Ritter''
Ewokese
In "Star Wars Episode VI" (Die Rückkehr der Jedi-Ritter, 1983) treffen die Protagonisten auf dem Planeten Endor auf eine friedliebende und gastfreundliche Spezies, die trotz ihrer primitiven Lebensweise ein großes Verständnis für Technik aufweist – die Ewoks. Die Sprache der Ewoks, das Ewokese, wurde vom Sound-Designer Ben Burtt entwickelt, der sie nach eigenen Angaben an das Kalmückische angelehnt hat. Kalmückisch ist eine mongolische Sprache und Amtssprache der Republik Kalmückien in Russland. Sie hat einen für westliche Ohren sehr fremden Klang. Eine damals 80-jährige kalmückische Exilantin half Burtt bei der Entwicklung von Ewokese.
Ein Sub-Genre der Science-Fiction-Literatur, das sich mit der Rolle der Frau und der Geschlechterzuordnung in zukünftigen Gesellschaften befasst. In den Utopien dieser SF-Spielart wird meist eine vollkommene Gleichberechtigung erreicht, in den Dystopien dagegen haben sich die Unterschiede und das Machtgefälle zwischen den Geschlechtern noch verstärkt. Auch Comic- und Fernsehfiguren wie Wonder Woman und Buffy, die Vampirjägerin, werden dazugezählt.
Die Frage nach der Existenz Gottes scheint bei der Beschäftigung mit dem Weltraum fast unausweichlich. In Douglas Adams' Science-Fiction-Klassiker "Per Anhalter durch die Galaxis" (1979-1992) gibt es eine berühmte Diskussion um den Gottesbeweis, an dessen Ende sich Gott in ein "Logikwölkchen" auflöst. Und in Philip K. Dicks "Ubik" (1969), das in einer Zukunftswelt im Jahr 1992 spielt, ist Gott eine Sprühdose.
''Holodeck'' in der SF-Serie ''Star Trek''
Holografie
Holografie ist ein Verfahren, das mit Lichtwellen arbeitet und, anders als die Fotografie, ein dreidimensionales Abbild des Ursprungsgegenstandes wiedergibt. Besonders in der Medizin und in der Archäologie werden holografische Verfahren eingesetzt und weiterentwickelt. Ein Raum wie das "Holodeck" in der SF-Serie "Star Trek", in dem beliebige virtuelle Welten simuliert werden können, gilt allerdings momentan als nicht umsetzbar: Man weiß noch nicht, wie man den holografierten Figuren eine überzeugende Haptik verleihen kann.
Im nächsten Urlaub lieber Stern-Hopping statt Insel-Hopping betreiben? Die Non-Profit-Organisation Icarus Insterstellar aus dem US-Bundesstaat Alaska hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2100 interstellare Reisen zu ermöglichen. Also raus aus unserem Planetensystem! Derzeit unterstützt sie die Forschung an einem Raumschiff, das mit Hilfe von Antimaterie betrieben wird. Ihr VARIES-Konzept ("Vacuum to Antimatter-Rocket Interstellar Explorer System") basiert darauf, dass auf der Quanten-Ebene ein Vakuum nicht wirklich ein Vakuum ist, sondern ein Meer von virtuellen Teilchen, die ständig zwischen dem Zustand der Existenz und der Nicht-Existenz hin und her wechseln. Beim VARIES-Antrieb soll dieses Quantenvakuum in Antimaterie-Kraftstoff umgewandelt werden. Unklar ist noch, wie man an die zur Umwandlung der Teilchen benötigte Energie herankommen kann. Sobald dieses Problem gelöst ist, können wir in den Sommerferien zumindest schon mal auf den Mars fliegen.
Teil 2 und 3 findet ihr an den nächsten beiden Sonntagen hier – vielleicht dann schon mit euren Ergänzungen!
Kristina Schäfer kommt aus Westfalen und lebt und arbeitet inzwischen in Berlin.
Foto, Aufmacher: ©complize / photocase.com
Foto, Oben: © picture alliance
Foto, Mitte u. Unten: © Verleih
Du willst etwas zu Star Wars wissen? Frag Jedipedia!
Science-Fiction-Bücherregal beim Project Gutenberg
Der Studiengang Cognitive Science an der Universität Osnabrück beschäftigt sich u.a. mit künstlicher Intelligenz.
Mehr zu Roboterthemen auf SciLogs
Die Klingonen besser verstehen
Kommentare
(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)
Was bisher geschah...
thx
Ui, danke für die Antwort. Ist bei mir schon etwas her, und ich bin was die Interpretation angeht bin ich weiter skeptisch. Gegen Ende hatte Dick ja eine (ziemlich seltsam anmutende) religiöse Phase, und sicher in einem Drittel aller Dick-Werke könnte man Gott reininterpretieren, es geht ja nunmal extrem häufig um Metaphysik. In einigen späteren Kurzgeschichten widmet sich Dick dann allerdings explizit dem Thema Gott, es gibt eine ziemlich wirsche Geschichte bei der Psychedelika über das Trinkwasser verteilt werden, damit die Bevölkerung den Anblick ihres Führers (welcher in Wirklichkeit Gott ist) ertragen kann.
Sooker | 3. Oktober 2012 10:08
Ubik
Aber sicher doch haben wir "Ubik" gelesen! Vielleicht etwas gewagt, zu behaupten, dass Gott dort eine Sprühdose ist, doch das Ubik-Spray lässt sich auf jeden Fall als Metapher für Gott sehen. Wie schon Tessa, eine der Ex-Frauen Dicks, bemerkte: "Ubik is a metaphor for God. Ubik is all-powerful and all-knowing, and Ubik is everywhere. The spray can is only a form that Ubik takes to make it easy for people to understand it and use it. It is not the substance inside the can that helps them, but rather their faith in the promise that it will help them." Vielleicht könnte man noch etwas eindeutiger schreiben, dass Gott in Form einer Sprühdose auftaucht. Wäre dir damit geholfen, "Sooker"? Den großartigen Philip K. Dick hätten wir natürlich gern noch viel öfter erwähnt, doch es gibt so viele tolle Ideen und wir wollten ja einen Überblick bieten. Freu dich zumindest schonmal auf den dritten Teil unseres A-Z. Darin kommt der "Voight-Kampff-Test" aus "Blade Runner" beziehungsweise Dicks "Do Androids Dream of Electric Sheep?" vor.
fluter-Redaktion | 2. Oktober 2012 11:31
Philip K. Dick
Moah, Philip K. Dick gerade ein einziges Mal erwähnt, und dann nicht mal gelesen... Gott eine Sprühdose, einfach falsch
Sooker | 2. Oktober 2012 10:06
Dein Kommentar
Kommentar schreiben
(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)