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Rebecca Martin: Und alle so yeah!

Was tun mit dem Leben?

28.9.2012 | Stefan Brückner | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Rebecca Martin war gerade einmal 18 Jahre alt, als sie 2008 mit ihrem Debüt "Frühling und so", einem Roman über die ausufernden Bettgeschichten einer Berliner Schülerin, auf den Bestsellerlisten weit oben landete. Es war das Jahr, in dem die freizügigen "Feuchtgebiete" von Charlotte Roche wie ein Bombe einschlugen. Aber es war nicht allein der Sex, der Martins Veröffentlichung interessant machte. Dem Buch wurde vom Feuilleton auch "Authentizität" und "literarisches Können" bescheinigt. Jetzt erscheint Martins zweiter Roman "Und alle so yeah!", in dem die Jungautorin das Kernproblem der "Generation Maybe" aufgreift: die Unfähigkeit zu Entscheidungen.

Ein Leben im Schwebezustand

Ihre Romanheldin Elina hat gerade das Abitur hinter sich und zieht nun in die Wohngemeinschaft ihres älteren Bruders. Im hippen Berlin lebt sie von Party zu Party und genießt ihre neugewonnene Freiheit. Doch irgendetwas stimmt nicht: Ständig überkommt Elina ein Brechreiz, Zukunftsängste bedrücken sie, sie fühlt sich antriebslos und seltsam träge. Wie sie lernt, sich aus diesem unguten, lähmenden Schwebezustand herauszukämpfen, das ist das große Thema des Buches.

Doch wie soll sie es schaffen, sich zwischen lauter anderen Unentschlossenen zu Entscheidungen durchzuringen? Unter die Oberfläche zu dringen? Die naheliegende Konsequenz für Elina ist, sich noch mehr zu betäuben. Moscow Mules, Wodka und ab und an eine Line Koks gehören zu ihrem Partygedeck. "Ich möchte den Rausch spüren. Die Kontrolle verlieren. Abdriften."

Der gutaussehende, erfolgreiche Bruder, von dem sich Elina sehnlichst mehr Aufmerksamkeit wünscht, ist ihr keine Hilfe. Freundlich, aber desinteressiert lebt der Jurastudent, in dem Martin ein Gegenbild zur Protagonistin entwirft, neben ihr her. Erst eine gemeinsame Reise quer durch Deutschland bricht die Barriere zwischen den Geschwistern auf.

Wie die Autorin hat auch ihre Romanfigur, so wird in einer Rückschau erzählt, noch in ihrer Schulzeit ein überaus erfolgreiches Buch veröffentlicht. Somit war Elina mit 18 stets der jüngste Gast in Literaturtalks, die sonst eher von älteren Herrschaften bevölkert werden. Der Romanentwicklung nutzt dieser Erzählstrang nicht wirklich, zumal er kaum mit der Haupthandlung verknüpft ist. Deutlich wird immerhin, dass der überraschende Geldsegen des Debüts Elinas Lethargie unterstützt. Aus finanziellen Gründen ist sie jedenfalls nicht gezwungen, zu arbeiten oder sich um eine Ausbildung zu kümmern.

Autorin Rebecca Martin

Autorin Rebecca Martin

Luxusprobleme?

Martins Schreibstil ist simpel, nah an der Umgangssprache. Und doch wirkt es mitunter so, als fände die Autorin ihre eigene Sprache nicht. Ihre Figuren reden oft aneinander vorbei, ihre Gespräche führen ins Leere. Der Ex-Freund, ein Relikt aus Elinas besserer Vergangenheit, fordert sie auf: "Rede mit mir, verdammt!" "Was soll ich denn sagen?", kann sie nur entgegnen. In der Darstellung dieser Lethargie hat Martins Roman seine Schwachstellen: Dazu fehlt es Elina und den drei männlichen Hauptfiguren Freund, Bruder und Ex an Profil.

Letztlich ist es die Geschichte eines jungen Mädchens, das genug Geld auf dem Konto und noch alles vor sich hat. "Willkommen in meiner Welt der Luxusprobleme", sagt die Erzählerin selbst. Trotzdem: Den Wunsch, "ein Kind mit dem Wissen von heute" sein zu wollen, das Gefühl, in einer von existentiellen Unsicherheiten geprägten Welt zu leben, hat sicher nicht nur die finanziell abgesicherte Elina, sondern auch viele andere Twens, die sich mit der Verantwortung des Erwachsenseins überfordert fühlen. "Und alle so yeah!" zeichnet, trotz mancher Schwächen, ein zeitgemäßes Porträt dieser Generation.

Rebecca Martin: Und alle so yeah! (Dumont 2012, 190 S., 9 €)

 

 

 

Stefan Brückner lebt in Berlin und arbeitet bei fluter.de. In Halle (Saale) studierte er Medien- und Kommunikationswissenschaften.

Fotos: © Nadja Klier



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Und da kommt der Titel her: "Und alle so: Yeahh"-Flashmob 2009 in Hamburg
Mehr aus der YouTube-Welt: Rebecca Martin, damals 18, im Interview zu ihrem Debüt





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