Berlin-Moskau-Tomsk

an-nette-kamera | 25.09.12 06:12 | 0 Kommentar(e) | » zum Blog: Taiga, Tundra und krude Begebenheiten

Berlin-Moskau-Tomsk. Im 25-Kilo-Gepäck hoffentlich alles, was man zum Überleben in Sibirien braucht: Russisch-Wörterbuch, jegliche Unter-, Über- und Zwischenwäsche, die auch nur einen entfernt warmen Anschein machen konnte, Johannes der Teddybär und zunächst mal sehr viel Wehmut. Ich dekliniere alles im Kopf durch: Das letzte Mal Familie, das letzte Mal Anna, Lizzy, Jan, deutscher Bahnhof, deutscher Flughafen, bis zum Das-letzte-Mal-deutsche-Sprache-und-Deutschland.

Eigentlich hatte ich mich nie als Angsthäschen eingestuft - abgesehen davon, dass meine Lieblingstiere Hasen sind. Doch die langsam im Flugzeug auftauenden Russen, das quietschgrelle* Chaos des größten Landes der Welt (was sich leicht dahin sagt, schaut man aber auf Russland-zentrierte Karten, so weiß man erst, was das bedeutet) lassen mich dann aber doch skeptisch werden, was das wohl für eine Idee gewesen sein muss. Ein Freund bekommt am Telefon einen Lachanfall, als er realisiert, wo Tomsk liegt (ehrlich gesagt wusste ich es auch nicht, bis ich die Zusage bekommen hatte) und kann kaum glauben, dass es ja wirklich weit weg ist. Liegt anscheinend an der Grenze zur Mongolei. Auf die zwischen dem Gelächter kurz auftauchende Frage, warum ich gerade diese schrullige Stadt im Nirgendwo, eigentlich im Tomsk-Oblast, gewählt hatte, wusste ich dann doch nicht recht zu antworten. Ist im Uni-Spiegel mal zur Uni-Perle gekührt worden. Ist irgendwie im Gedächtnis hängen geblieben - da würde jetzt manch einer "Werbeopfer" brüllen - und der tollste Bonus überhaupt: liegt in Sibieren. Das bringt immer ein "Oho" ein. Auch wenn die "Oho-er" gar nicht wissen, was Sibieren ist - Region? Land? Republik? (was ich gerade übrigens auch nicht weiß, ohje!) - hat man immer ein klein bisschen Erstaunen hervorrufen können und Mitgefühl über die mit Sibirien in Verbindung gebrachten kalt-dunklen Winter.

*An dieser Stelle dient als ein Beleg die rosa-rot gekachelte und mit ebenso grausiger Farbe bepinselte Toilettentür der Frauenflughafentoilette im Moskauer Flughafen mit mannshohen Spiegelwänden.

Foto: privat



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