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In einer anderen Welt

90 Minuten mit Zinedine Zidane

25.7.2012 | Andreas Pankratz | Kommentare (1) | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Zinedine Zidane

Zinedine Zidane

Moderne Spezialkameras und Computerprogramme machen es möglich, jederzeit die zurückgelegte Entfernung eines Fußballspielers anzugeben. Man weiß sogar, an welchen Stellen er sich am häufigsten aufgehalten hat. Fußball-Fachleute wollen mit solchen Statistiken die Gründe für Erfolg oder Niederlage liefern. Über die Liebe der Millionen für ihre Mannschaften oder einzelne Fußballer sagen die nackten Zahlen nichts. Auch dem Genie und der Größe der herausragenden Persönlichkeiten dieses Sports kommt die totale Vermessung kein Stück näher.

Ausnahme ZZ

Ein Spieler wie Zinedine Zidane hat vergleichsweise wenige Tore geschossen, er hat auch nicht besonders viele Vorlagen dazu gegeben und erst recht nicht hat er während seiner Spiele für Real Madrid oder die französische Nationalmannschaft die meisten Kilometer zurückgelegt. Und trotzdem gilt der Welt- und Europameister als einer der größten Fußballer aller Zeiten. Mit einem Film haben die beiden Videokünstler Douglas Gordon und Philippe Parrenno versucht, ihrer eigenen Faszination für Zidane auf die Spur zu kommen – und zeigen mit ihrem Porträt den Sportler jenseits seiner ursprünglich nüchternen Funktion für das Spiel seiner Mannschaft.

Dicht an den Schweißperlen

In "Zidane: A 21st Century Portrait" durchstöbern die Filmemacher nicht das Privatleben des Superstars, wie es beispielsweise Emir Kusturica mit seiner exzentrischen Dokumentation über Diego Maradona getan hat. Was zählt, ist auf dem Platz, dachten sich die beiden stattdessen und filmten Zidane bei einem gewöhnlichen Ligaspiel, Madrid gegen Villareal im April 2005. 17 Kameras waren ausschließlich auf den Spieler mit der Fünf gerichtet, vom Anstoß bis zu Zidanes Platzverweis kurz vor Spielende. Der Zuschauer kommt dem Spieler deshalb so nah wie sonst nur die anderen 21 und die Schiedsrichter, er sieht den Schweiß, hört den schnellen Atem. Close-Up-Aufnahmen – oft füllt Zidane allein den ansonsten dunklen Schirm – zeigen ihn wie abwesend. Im Zusammenspiel mit der Musik von der Instrumental-Rockband Mogwai wirken die Bilder stellenweise hypnotisch. Hin und wieder wird der ruhige Fluss der Sequenzen durch kurze Antritte oder Zweikämpfe unterbrochen, durchdrungen von der Intensität und Körperlichkeit des Sports, 90 Minuten lang.

Damit ist schon im Grunde die ganze Handlung erzählt. Hört sich monoton an? Mag sein. Dennoch ist der Film ein furioses Kunstwerk.

He's so magic

Gordon hat in einem Interview gesagt, dass er keinen Film über den Fußball gemacht hat. Viel mehr sei es ihm darum gegangen, einen Menschen darzustellen, während er seinen Beruf ausübt. Das würde auch mit einem gewöhnlichen Zimmermann gehen, behauptete der Schotte. Den Film sieht er dabei in der Tradition von Andy Warhols "Screen Tests", bei denen der Künstler von 1964 bis 1966 in minutenlangen Einstellungen die Gesichter von rund 500 Menschen abgefilmt hat. "Zidane: A 21st Century Portrait" überspitzt die natürliche Ausstrahlung des Menschen Zinedine Zidane und setzt ihn in ein beinahe sakrales Licht.

Zu dem mystischen Zusammenspiel zwischen Publikum und Sportler tragen auch Aussagen Zidanes aus einem Interview bei, die an einigen Stellen als Untertitel einlaufen: "Ich kann die Zuschauer spüren. Wenn jemand hustet. Ich bilde mir ein, das Ticken der Uhren zu hören."

DVD: "Zidane - Ein Portrait im 21. Jahrhundert" (Arthaus 2006, 90min., 9,99 Euro)

 

 

Andreas Pankratz ist Volontär der Bundeszentrale für politische Bildung.

Foto: © Arthaus/Studiocanal



Den Film kannst du über amazon bestellen.

Hier der Link zum Kinoverleih Arthaus, bei dem die DVD erschienen ist

 





Kommentare

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Was bisher geschah...

Ronaldo ist besser

Ronaldo ist besser als Zidane ,weil er Übrsteiger kann. zidane hat sein letztes spiel mit einer roten karte versaut aber seine familie wurdde beleidigt und deshalb kann man das verstehen

Franc | 14. November 2012   10:46

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