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Stand, Salto, Spagat

Dennis, 17, ist ehrenamtlicher Gardetanz-Trainer

27.7.2012 | Nina Aleric | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Dennis, 17, treibt einen ungewöhnlichen Sport: karnevalistischer Sporttanz. Das sieht ziemlich spektakulär aus: Dennis kann zum Beispiel aus dem Stand einen Rückwärtssalto machen und geschmeidig im Spagat landen. Das führt er im Paartanz vor, aber es gehört auch zu seinem Repertoire in der Tanzgarde.

Seit sieben Jahren trainiert er selbst, seit zwei Jahren bringt er Kindern und Jugendlichen den Sport nahe – als ehrenamtlicher Co-Trainer für seinen Mannheimer Verein. Ob im Showtanz, in der Tanzgarde oder auch solo: Dennis ist in allen Bereichen seines Vereins aktiv. Er geht in die 9. Klasse einer Werkrealschule, trainiert selbst acht Stunden die Woche und findet dabei immer noch knapp zehn Stunden, um andere zu trainieren. Dass er dafür kein Geld bekommt, findet Dennis völlig ok.

Gardetanzgruppe

Gardetanzgruppe

Gardetanz gilt als Mädchensport

Ich habe durch die Kinder einer Freundin meiner Mutter angefangen zu tanzen. Ich war öfter auf Faschingsveranstaltungen bei uns in Mannheim-Schönau. Das hat mir eigentlich sehr gut gefallen, aber am Anfang habe ich mich schon ein bisschen geschämt. Es gab dort keine Jungs außer mir. Mittlerweile sind wir schon 5 Jungs unter etwa 60 Mädchen. Außerdem kennt jetzt auch jeder jeden, obwohl wir so viele sind. Wir fühlen uns sehr wohl in der Gruppe; da gibt es gar keinen Grund, sich für irgendetwas zu schämen.

Jedenfalls habe ich mich damals doch durchgerungen, zum Training zu gehen. Ich war da gerade zehn Jahre alt. Erst habe ich ein Jahr lang in der Gruppe getanzt. Als die Freunde, mit denen ich zu tanzen angefangen hatte, aufgehört hatten, weil es ihnen keinen Spaß mehr gemacht hatte, bekam ich eine Tanzpartnerin. Mit der habe ich sieben Jahre lang getanzt.

Sie hat jetzt leider aufgehört, weil es ihr zu anstrengend geworden ist: Wir gehen jetzt viel auf Turniere, und das Training hat angezogen. Man darf auch nur an Turnieren teilnehmen, wenn der Altersunterschied der Tanzpartner nicht mehr als drei Jahre beträgt. Wir lagen aber drei Jahre und zwei Monate auseinander. Jetzt ist meine beste Freundin aus der Gruppe meine Tanzpartnerin geworden.

Langziel: der Trainerschein

Vor zwei Jahren habe ich Extra-Training bekommen: Die Trainer haben mich also mehr gefördert und ich bin immer besser geworden. Deshalb wurde ich bald gefragt, ob ich vielleicht die Kindergruppe trainieren möchte. Ich konnte das erst gar nicht glauben. Ich habe mich natürlich gefreut und gleich ja gesagt. Ein paar Monate später haben sie mich gefragt, ob ich vielleicht auch in der Jugendgruppe helfen möchte. Die sind zwischen 10 und 15 Jahre alt. Und seitdem bin ich ehrenamtlicher Co-Trainer. Also ich habe natürlich nicht ausgelernt. Ich werde viel gelobt, aber ich lerne bei jedem Training auch selber neue Sachen dazu. Als Co-Trainer bin ich praktisch noch im Aufbau zum Trainer. Mit 18 kann ich dann meinen Trainerschein machen und richtiger Trainer werden.

Es ist natürlich auch anstrengend. Zehn Stunden lang Kinder zu trainieren und dann auch selbst noch acht Stunden in der Woche zu üben, ist viel Arbeit. Die Kinder machen natürlich auch nicht immer das, was man will. Und rennen dann zum Beispiel einfach nur herum. In solchen Momenten lasse ich sie etwas trinken, eine kleine Pause machen. Dann kommen sie wieder runter und wir können mit dem Training weitermachen. Der Spaß bei der Sache ist sowieso das Wichtigste.

Es muss Spaß machen

Ich finde es toll, zu sehen, wie schnell sich die Kinder entwickeln. Und wenn sie auf der Bühne sind, zu wissen, dass ich ihnen das beigebracht habe. Mich freut es natürlich auch total, dass es ihnen Spaß macht. Die umarmen mich auch immer. Also, wenn mich jemand fragen würde, ob ich Geld für meine Arbeit haben will, dann würde ich nein sagen. Das ist mein Hobby und nicht mein Beruf. Das ist für mich Spaß!

Dieses Jahr gehe ich das erste Mal mit meiner Tanzpartnerin auf Paarturniere. Das gefällt mir an der Arbeit am besten. Da gibt es immer sieben Juroren, die einen bewerten. Daran kann man auch sehr gut sehen, ob man sich verbessert hat. Wir [Dennis' Tanzgarde, Anm. d. Red.] kommen schon mal auf 90 von 100 Punkten. Aber wir sind natürlich noch nicht so bekannt wie andere, die schon länger dabei sind und auch schon länger trainieren. Ich wurde auch schon von anderen Vereinen gefragt, ob ich wechseln will. Aber ich bleibe meinem Verein treu.

Foto: Gardetanzgruppe in Schlussaufstellung / Foto: Klaus Westermann / CC BY-SA 2.0



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