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Unser Sportarten-ABC

Von Amateurfunkpeilen bis Zwergenwerfen

23.7.2012 | Stefan Brückner | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Fußball, Badminton und Handball kennt jeder. Doch wie sieht es mit den Sportarten Zwergenwerfen, Indiaca, Jugger oder Fingerhakeln aus? fluter.de buchstabiert das ABC der Sportarten neu. Zu Entdecken gibt es Sport, der mal zum Staunen bringt und mal zum Ausprobieren anregt.

Amateurfunkpeilen

In der Vorstellung von im Keller sitzenden Nerds, die an Funkgeräten herumlöten, klingt dieser Sport im ersten Moment ziemlich dröge. Doch beim Amateurfunkpeilen geht es hinaus in die Natur. Dazu werden im Wald fünf kleine Sender versteckt, die auch Füchse genannt werden und die der Teilnehmer finden muss. Der Clou: Die Füchse geben immer nur kurzzeitig ein Lebenszeichen in Form eines Morsecodes von sich, so dass der Läufer selbst entscheiden muss, in welcher Route er sie erläuft. Und wie so oft im sportlichen Wettkampf gewinnt der Beste, in diesem Fall der schnellste Fuchsjäger.

Base-Jumping

Wer sich traut, sich vom Burj Khalifa, dem höchsten Gebäude der Welt, zu stürzen, muss schon ein wenig lebensmüde sein. Basejumper haben es bereits getan. Schwindelfrei und furchtlos sollte man als Springer sein. Oli Kahn würde es so formulieren: Man braucht Eier. BASE-Jumping ist ein Apronym der englischen Begriffe building (Gebäude), antenna (Sendemast), span (Brücke) und earth (Felsen). So viel zu den Objekten, von denen sich der gemeine Basejumper herunterstürzt. Die reflexartige Vermutung, dass diese Luftsportart nicht legal sein kann, stimmt nicht ganz. In vielen Ländern gibt es keine Toleranzgrenze, aber in Deutschland dürfen für ein paar Sekunden Flugzeit noch die Mühlen der Bürokratie mahlen. Basejumping stellt eine "Außenlandung mit Luftsportgerät" dar und verlangt die schriftliche Genehmigung der Immobilienbesitzer und der Eigentümer der zu bespringenden Fläche. Erst dann wird gesprungen, gezogen und gehofft, dass der Fallschirm sich öffnet.

Curling

Curling steht im Ruf, die langweiligste Sportart der Welt zu sein. Mit einem Besen assoziieren die meisten schließlich ein Haushaltsgerät und keine Sportausrüstung. Doch beim Curling ist dieser Besen unerlässlich. Wenn der Lead-Spieler auf dem spiegelglatten Eis den Stein in Richtung einer Art Bullseye schiebt, versuchen drei mit Besen bewaffnete Spieler den Stein durch Wischen der Eisfläche in geregelte Bahnen zu lenken. Das Eis wird durch die Wischbewegung kurzzeitig entfrostet; der Wasserfilm beschleunigt den Curling-Stein. Es ist gleichzeitig die einzige Möglichkeit, die Laufrichtung des Steines zu beeinflussen. Ziel des Spiels ist es, ähnlich der Bouleregeln, als letztes Team den Stein so nah wie möglich in die Mitte des "Hauses" zu spielen.

Darts

This is no game of chance. Mit diesen Worten wies der urteilende Richter im Jahr 1908 die Klage "Wetten auf ein Glücksspiel" gegen einen Pub-Besitzer zurück. Zum Glück hatte der beste Dartspieler seiner Zeit, William "Bigfoot" Anakin, im Gerichtssaal seine Treffsicherheit demonstriert. Mit mehreren Würfen in die zweifache Zwanzig. Über 100 Jahre später sind Aufbau der Dartscheibe und Kampfnamen wie "The Menace" oder "Old Stoneface" gleich geblieben. Die im Arbeitermilieu sehr beliebte Freizeitbeschäftigung kann wohl als einzige Sportart angesehen werden, die es auch ungelenksten Pub-Kumpanen ermöglicht, in einer Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Geschichte sportlich erfolgreich zu sein. Vor allem in Großbritannien hat der Dart-Sport Eventcharakter entwickelt und füllt ganze Hallen. So zum Beispiel, wenn der gelernte Maschinenschlosser und 15-fache Weltmeister Phil "The Power" Taylor seine Gegner deklassiert. Dann wird wieder zu hören sein: Onehundreteighty!

Elefantenpolo

Als den britischen Kolonialherren in Indien nicht genügend Pferde zur Verfügung standen, mussten sie sich etwas einfallen lassen, um ihren elitären Sport Polo weiter ausführen zu können. Nur gut, dass sich der indische Elefant für das Spiel domestizieren ließ. Doch wenn man eine Partie der Elefantenpolo-Weltmeisterschaft beobachtet, muss man unweigerlich an ein Fußballspiel der F-Jugend denken, bei dem alle Spieler dem Ball hinterherjagen. Nur eben in Zeitlupe. Über Sinn und Unsinn des Sportes machen sich auch Tierschutzorganisationen Gedanken, die mahnen, dass die Tiere häufig mit Stöcken geschlagen oder mit scharfen Metallspitzen malträtiert würden. Die Tiere lebten mit sozialen und emotionalen Entbehrungen. Unsere Meinung: Polo gehört nach England und der Elefant in den indischen Urwald.

Fingerhakeln

Beim ur-bayrischen Kräftemessen sollte man es vermeiden, sich über den Tisch ziehen zu lassen. In früheren Zeiten zum Austragen von Streitigkeiten herangezogen, erlebt das Fingerhakeln im alpennahen Wirtshaus eine Renaissance. Zunächst werden die Mittel- oder Zeigefinger der Teilnehmer durch einen genormten Lederriemen verbunden. Nach dem Startschuss sollten die Wagemutigen unbedingt Kraft und Technik mitbringen. Das Geheimnis beim Hakeln liegt im Überwinden des Dehnungsschmerzes, der sich unweigerlich einstellt. Wenn der zu groß wird, braucht es einen guten Freund, der den Fingerhakler beim Rückstoß auffängt.

Gummistiefelweitwurf

Die spinnen, die Finnen. Seit 1975 küren die Nordeuropäer die besten Gummistiefelweitwerfer. Die Tradition soll der Überlieferung nach aus dem Umfeld finnischer Seeleute stammen, die bereits seit dem 19. Jahrhundert "Gummi geben". Das Problem des unhandlichen Stiefels: Er ist nicht so aerodynamisch wie etwa ein Diskus und muss für einen guten Wurf im richtigen Winkel losgeschleudert werden. Auch in Deutschland finden jährlich Meisterschaften statt. Den finnischen Rekord von 67,31 Meter hat man da allerdings noch nicht geknackt.

Harrassenklettern

Wer das Wort Harrasse noch nie gehört hat, dem sei gesagt, dass es sich nur um eine handelsübliche Getränkekiste handelt. Harrassenklettern hört sich eben bedeutungsschwerer an als Kistenstapeln. Das heißt aber nicht, dass der Sport, der sich auf Volksfesten großer Beliebtheit erfreut, ungefährlich ist. Die Hochstapler erreichen teilweise eine Höhe von über 30 Bierkästen beziehungsweise 10 Metern und müssen deshalb mittels einer Traverse und mehreren Seilen gut gesichert sein. Die Teilnehmer müssen neben nassforschem Eifer auch gut ausbalanciert und schwindelfrei sein.

Indiaca

Es muss nicht immer ein Ball sein. Der Indiaca besteht aus einer Kunststoff- oder Schaumstoffkugel, in der zwei oder mehr Federn stecken. Die Spielregeln sind denkbar einfach. Wie beim Volleyball versuchen zwei Teams das Spielgerät mit den Händen über ein Netz auf gegnerischen Boden zu befördern. Sich den Indiaca Freestyle mit Händen und Füßen zuzuspielen und in der Luft zu halten, ist für den Anfänger die wohl beste Methode, Ballgefühl, pardon, Federspitzengefühl zu erwerben. In Südamerika ist Indiaca seit mehreren hundert Jahren Volkssport. In Deutschland war es 1972 das "Trimmgerät des Jahres".

Jugger

Wie gefährlich ist eine Sportart, die mit dem Waffenarsenal eines römischen Gladiators aufwartet? Nicht gefährlicher als Fußball, sagen die Jugger. Die Schilder, Ketten und verschieden langen Stäbe, die Pompfen genannt werden, sind gepolstert und dienen dazu, den gegnerischen Spieler für einige Sekunden aus dem Spiel zu nehmen. Rein symbolisch, versteht sich. So kann der Läufer den Ball, der als Hundeschädel bezeichnet wird, in ein Loch bugsieren. Der Freizeitsport Jugger klingt mit seinen Spielgeräten martialischer, als er letztlich ist. Vor allem aber ist es eine Kombination aus Individual- und Teamsportart mit eigener Liga und verrücktem Regelwerk, das sich an einen australischen Trashfilm der 1980er-Jahre orientiert.

Kubb

Hast du dich auch schon einmal über eigenartige Holzklotzformationen im Park gewundert? Der skandinavische Präzisionssport Kubb, auch unter dem Namen Wikingerschach bekannt, hat Deutschland längst erobert. Die Spielregeln lassen sich am besten durch Learning-by-doing aneignen, nur so viel: Zwei Teams versuchen mit Wurfstücken die gegnerischen Holzklötze zu treffen, um so die Berechtigung zu erhalten, den König abzuwerfen. Generationenübergreifende und international besetzte Meisterschaften finden jährlich auf Godland (Schweden) statt. Hierzulande messen sich die besten Kubb-Spieler bei Turnieren in Berlin und Rostock.

Lacrosse

Es gibt Sportarten, die man mit improvisierten Hilfsmitteln aus dem Stegreif spielen kann. Eine Getränkedose aus dem Abfall und schon wird gekickt. Und es gibt Lacrosse. Der von den nordamerikanischen Ureinwohnern inspirierte Ballsport kann als Vermengung der Disziplinen Eishockey, Feldhockey und American Football beschrieben werden. Die Spieler dürfen zum Beispiel hinter dem Tor weiterspielen und sich gegenseitig "umhauen". Abgesehen von umfassender Ausrüstung, die vor hartem Gegner und pfeilschnellem Ball schützt, greifen Lacrosse-Spieler zu unterschiedlich langen Schlägern mit Netzeinsätzen, je nachdem auf welcher Position sie eingesetzt werden. Das Verwunderliche hierbei: Die Spieler müssen mit dem Ball in der Obhut ihres Schläger-Netzes nicht zwingend abspielen und können so im Ego-Trip nach vorne laufen.

Motoball

Da kommt Manta-Manta-Feeling auf. Wenn jemals ein zweiter Teil des Klamauk-Klassikers in die Realisierung geht, sollte der Plot ein Motoball-Spiel aufweisen. "Motoball ist quasi Fußball auf Motorrädern", so die punktgenaue Wikipedia-Beschreibung. Die letzten Sekunden des Films sähen dann so aus, dass der gute Bertie sich in letzter Sekunde durch die Moped-Abwehr seines PS-starken Konkurrenten Axel tankt und den zwei Pfund schweren Ball zum entscheidenden Treffer einnetzt. Auf einem staubigen Hartplatz irgendwo im Pott tönt es dann: "Uschi, mach schon mal den Sekt auf." Kaum vorstellbar, dass die beschriebene Ruhrpottromantik beim Bundesliga-Nord-Schlager MSF Tornado Kierspe gegen den MSC Pattensen aufkommen soll. Was für eine Spritverschwendung!

Novuss

Das Geschicklichkeitsspiel Novuss gehört in Lettland zu den drei beliebtesten Sportarten, gilt dort also als Nationalsportart. Novuss erinnert ein wenig an Billard, nur das mit dem Queue keine Kugeln in die Taschen gestoßen werden, sondern kleine Scheiben. Auch der Spieltisch ist nicht rechteckig und mit grünem Tuch bespannt, sondern quadratisch und ganz aus Holz. Praktischerweise ist dieser auch transportabel, so dass man nicht an lettische Hafenkneipen gebunden ist. In Umlauf wurde das Präzisionsspiel von baltischen Seefahrern gebracht, die den Bauplan aus England stibitzt haben. Mittlerweile gibt es internationale Wettkämpfe – auch mit deutscher Beteiligung.

Orientalischer Tanz

Auf der Weltausstellung 1893 in Chicago war sie die Sensation: die Tänzerin "Little Egypt". Sie führte dem internationalen Publikum erstmals den Orientalischen Tanz, allgemein bekannt als Bauchtanz, vor. Ihre Aufmachung galt für die damalige Zeit als höchst unsittlich. Denn Bauchpartie, Arme und Füße werden beim Tanz offen präsentiert, während umgangssprachlich ausgedrückt die Hüften geschwungen werden. Technisch formuliert isolieren die Tänzerinnen und Tänzer einzelne Körperpartien, vorzugsweise Bauch und Hüften, und bewegen sie rhythmisch. Ausstaffiert werden sie mit paillettenbesticktem und möglichst kurzem Textil und oftmals auch mit einem Schleier. Das erotische Klischee, das dem Orientalischen Tanz anhaftet, reduziert ihn auf rein sexuelle Animation. Doch der über Jahrhunderte tradierte und ursprünglich aus Ägypten stammende Solotanz rührt wahrscheinlich von Initiationsriten auf großen Festlichkeiten her.

Pankration

Die Pankration (die letzte Silbe ohne Z-Laut aussprechen) heißt aus dem Griechischen übertragen so viel wie "Gesamtkampf". Und damit klingt die Bezeichnung harmloser, als die alt-olympische Disziplin dann tatsächlich war. Bei der brutalen Kombination aus Ringen und Boxen war bis auf Beißen und das Eindrücken der Augen praktisch alles erlaubt, um den Gegner zu besiegen. Die verbliebenen Möglichkeiten gingen von Schlagen, Treten, Hebeln bis hin zu Werfen und Würgen. Der Kampf führte nur über Aufgabe oder K.O. zum Ende. Nicht selten war der Tod eines Pankratiasten Folgeerscheinung eines Kampfes. Überraschenderweise war nicht immer der Überlebende der Gewinner. Oft wurde dem Leichnam der Sieg zugesprochen – wegen der guten Kampfleistung.

Quad

Motorsport halten wir nicht zwingend für eine Sportart, aber aus Mangel an Alternativen beim Buchstaben "Q" müssen wir uns auf das Quad setzen. Die Quad-Historie lehrt uns, dass das Gefährt, das aussieht, als sei es eine Symbiose zwischen einem Bobbycar und einem Motorrad mit vier Rädern, von einem militärischen Transportmittel der Bundeswehr inspiriert ist: dem Kraftkarren, kurz Kraka. Ein Quad zu fahren soll vor allem Off-Road Spaß machen, im Straßenverkehr ist es nur unter strengen Auflagen zugelassen. Für Diskussionsstoff sorgt das hohe Verletzungsrisiko auf dem Kraftfahrzeug und die vielen Todesopfer, die im Zusammenhang mit Quads zu beklagen sind.

Roller Derby

Im Zuge der letzten Welle der Frauenbewegung entstanden in den USA Anfang der 1990er-Jahre Frauen-Bands wie "Le Tigre" oder "Bikini Kill", die sich für die künstlerische Gleichberechtigung im Musikbusiness formierten. Der Frauen-Sport Roller Derby greift die Punk-Attitüde der Riot-Grrrls auf und konvertiert sie in den Sportkontext: Aus einer langweiligen Rollschuhpartie wird beim Roller Derby eine beinharte Angelegenheit, weil Bodychecks und hartes Einsteigen nicht nur erlaubt, sondern vielmehr erwünscht sind. Das Ziel der Jammerin ist es, das gegnerische Team zu überrunden, ohne dass sie den heftigen Attacken der gegnerischen Blockerinnen zum Opfer fällt. Die Roller Girls wollen zeigen: Auch wir haben das Recht darauf, uns wie Rüpel zu benehmen. Sie pflegen das Image der rotzigen Pin-Up-Braut, mit der man gerne mal einen heben geht, und heißen gerne "Blitzkrieg Baby" oder "Heavy Rotation".

Schach

Es ist das komplexeste Brettspiel unserer Zivilisation. Zwei Farben, 32 Figuren, 64 Felder, die Zahl der möglichen Stellungen – sie erreicht eine Zahl mit 46 Nullen. Schach ist das Spiel der Könige. Ein Sport, der nicht an die körperliche, sondern an die geistige Leistungsgrenze geht. Das musste der ehemals weltbeste Schachspieler und Super-Großmeister Garri Kasparow am eigenen Leibe erfahren. 1997 verlor er erstmals gegen den Schach-Computer Deep Blue, der in der Sekunde 126 Millionen Stellungen berechnen konnte. Nach der Niederlage war Kasparow psychologisch angeschlagen.

Tonnenspringen

Kaum vorstellbar, aber wahr: Tonnenspringen war bei den Olympischen Spielen 1904 in St. Louis neben Tabak-Weitspucken und Sackhüpfen eine von vielen absurden Disziplinen. Deshalb wurden die Wettkämpfe augenzwinkernd als "Western-Olympiade" bezeichnet. Auf einer 400 Meter weiten Strecke hatten die Athleten alle 50 Meter eine auf Hüfthöhe schwebende Tonne zu durchspringen, die selbstverständlich als Fass ohne Boden daherkam. Noch eine Rolle vorwärts dazu – und schon war eine olympische Disziplin geboren. Wohl nicht ganz ernst gemeint sind auch die Bemühungen des "Komitee zur Wiedereinführung des Tonnenspringens als olympische Disziplin", das sich aus einigen Hardlinern der südwestdeutschen Tonnenspringer-Szene zusammensetzt.

Ultimate (Frisbee)

Studenten der Columbia High School in New Jersey reichte es irgendwann nicht mehr aus, sich die Frisbee-Scheiben belanglos am Strand hin und her zu werfen. Sie stellten im Jahr 1968 eine neue, athletische Form der Öffentlichkeit vor, die auf einem abgegrenzten Spielfeld gespielt wird. Um zu punkten, muss, wie beim Football, das Spielgerät am Ende des Feldes in einem Karree sicher gefangen werden. Wer bereits ein professionelles Spiel beobachtet hat, weiß, dass spektakuläre Hechtwürfe und brisante Luftkämpfe essentieller Bestandteil des Spiels sind. Organisiert sind Ultimate-Spieler zumeist in Hochschulvereinen. Mit dem Schwerpunkt auf dem nordamerikanischen Kontinent gibt es weltweit etwa fünf Millionen aktive Spieler.

Völkerball

Im Schulsport ist Völkerball der Klassiker schlechthin. Das Spiel hat zwei Lesarten. Die erste, noch aus den Zeiten Turnvater Jahns, bezeichnet das Spiel als symbolischen Kriegsschauplatz, auf dem zwei verfeindete Völker die Vernichtung des jeweils anderen zum Ziel haben. Die "Unschädlichmachung" des Balles, der als Angriffswaffe verstanden wird, kann nur durch geschicktes Ausweichen und Fangen erfolgen. In der modernen Lesart hat das Spiel seinen wehrertüchtigenden Charakter verloren und ist pädagogisch wertvoller gestaltet. Die Spieler können nach einem Abwurf erneut das Feld betreten, wenn sie von außen einen gegnerischen Spieler treffen konnten. Aus der Patsche hilft der Mannschaft am Ende der König des jeweiligen Teams. Er wird auch als Torwart, Strohpuppe, Hintermann und so weiter bezeichnet. Die unterschiedliche Bezeichnung lässt erahnen: Völkerball wird überall und in unzähligen Varianten gespielt.

Wurftaubenschießen

Bei der Präzisionssportart Wurftaubenschießen werden nicht etwa städtische Flugvögel in Mitleidenschaft gezogen, sondern dafür eigens präparierte Wurfscheiben aus Ton, die durch das Schrot der Flinten zerschellen. In die Tat setzen dies professionelle Schützen um, die ausgestattet mit Reaktion und Auge die bis zu 70 km/h schnellen und aus Wurfmaschinen gefeuerten Scheiben treffen. Die Wettkampfvariante Skeet-Schießen ist auch bei den Spielen in London wieder olympisch.

Xtrembügeln

Die Idee, Spaß und Pflicht miteinander zu verbinden, ist nicht neu. Und weil über dem Wort "bügeln" mit großen Lettern die Zuschreibung "langweilig" prangert, überlegte sich Phillip Shaw, wie er das ändern könnte. Kurzerhand entschied der sich, das Bügelbrett in die Natur zu stellen und dort das Eisen gleiten zu lassen. Später wurden die Orte immer verrückter und die Zahl der Extrembügler stieg rasant an. Man sieht Fotografien von Männern und Frauen, die ihr Bügelbrett in einem Bach aufgestellt haben oder auf einem Felsvorsprung. Sie sitzen mit ihren Eisen in Bäumen oder bügeln unter Wasser. Natürlich muss diese Funsportart aus dem Mutterland der Skurrilsports kommen: England.

Yoga

Ganz bei sich sein. Sich selbst reinigen. Die Schwingungen spüren. Alles das verspricht Yoga. Besonders seit der Wellness- und Wohlfühlwelle des beginnenden Jahrtausends ist der "Seelensport" gefragter denn je. Bereits über fünf Millionen Deutsche sollen Yoga betreiben. Ursprünglich ist Yoga eine indische philosophische Lehre, die sowohl geistige als auch körperliche Übungen enthält. Es gibt unzählige Formen des Yoga, einige konzentrieren sich mehr auf Meditation, andere legen den Schwerpunkt auf Körper- und Atemübungen. Um die komplexen Verschränkungen der Lehre zu entwirren, braucht es allerdings mehr als ein paar Zeilen. Oder einen guten Yoga-Lehrer.

Zwergenwerfen

Am Rande der Legalität befindet sich derjenige, der es als sein Hobby betrachtet, Zwerge durch die Luft zu werfen. Dass es politisch korrekt eigentlich Kleinwüchsiger heißt, ist den Betreibern von Kneipen oder Striptease-Lokalen ebenso egal wie den Wurfobjekten selbst. Denn die fühlen sich durch das "Zwergenweitwurfverbotsgesetz" in ihrem Broterwerb geschädigt. Im Präzedenzfall um den 91-Zentimeter-Mann David Flood hatte dieser argumentiert, dass Entwürdigungen, die im Fernsehen zu sehen wären, um einiges höher seien, als in Schutzkleidung auf weiche Matten geworfen zu werden. Dennoch hat das Uno-Menschenrechtskomitee im Jahr 2002 das Zwergenwerfen als menschenverachtend verurteilt. In Deutschland wird das Verbot damit argumentiert, dass sportliche oder akrobatische Elemente nicht im Vordergrund stünden.

Unser ABC hat Stefan Brückner zusammengestellt. Der Autor selbst ist begeistert vom Pferderennsport und spielt im Sommer Beachvolleyball.

Foto, oben: © froodmat / photocase.com

Foto, unten: © ispike / photocase.com







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