Umbau des Socccer City Stadion für die WM 2010
Wie ein riesiger getrockneter Flaschenkürbis soll das Fußballstadion in Johannesburg aussehen. Das "Soccer City Stadium" galt während des WM-Turniers 2010 als Diva unter den Bauwerken und ist eines von zehn Stadien, das für die Fußballfestspiele in Südafrika auf FIFA-Standard gebracht wurde. Ein Neubau kam nicht in Frage, weil dort der Freiheitskämpfer Nelson Mandela 1990 nach seiner Freilassung seine erste Rede gehalten hatte. Nachdem der Sportzirkus außer Landes weitergezogen war, blieb Südafrika auf den hohen Betriebskosten sitzen.
Griechenland 2004, China 2008 oder Ukraine 2012: Regelmäßig werden für die sportlichen Großveranstaltungen zweistellige Milliardenbeträge verbaut und später über deren Vermächtnis für das Ausrichterland und seine Bevölkerung diskutiert. Der Erhalt der meisten Sportstätten kostet jedes Jahr Millionen und sie lassen sich nur in seltenen Fällen aus den laufenden Einnahmen gewinnen. Die entstandenen Investmentruinen werden "weiße Elefanten" genannt. Im Englischen bezeichnet dieser Ausdruck eine Sache, mit der man mehr Ärger hat als gedacht.
Olympic Beach Volleyball Centre Griechenland 2004
Rund 30 hochmoderne Sporthallen und Stadien wurden in Griechenland für die Olympischen Spiele 2004 gebaut. Die Kosten explodierten, als die Lichter nach der Schlusszeremonie im Athener Olympia Park ausgingen. Jetzt bröckelt der Lack an den Fassaden und die einst so imposanten Bauwerke stehen weitgehend leer. Für ihre perfekt organisierten Spiele erhielten die Griechen ein paar Wochen weltweite Anerkennung. "Die Wirtschaftlichkeit tritt zu Gunsten des Prestige in den Hintergrund", sagt Ingo Partecke vom Fachmedium "Stadionwelt". Dafür sind viele der politisch Verantwortlichen bereit, riesige Summen für den Bau auszugeben. Der Historiker Dirk van Laak hat über die Geschichte von Investmentruinen geforscht. Für ihn zeigen die "weißen Elefanten" den Zusammenhang zwischen Emotion und Geld auf, weil letzteres bei einer bestimmten Befindlichkeit der Bauherren keine Rolle mehr spielt.
Beijing National Stadion China 2008
Das Nationalstadion in Peking wurde ebenso wenig nach seiner Wirtschaftlichkeit bemessen. Riesig hebt sich seine beeindruckende Silhouette gegen den Himmel der chinesischen Hauptstadt ab. Wegen seiner wirren Korbhülle nennen die Chinesen es das "Vogelnest". 91.000 Zuschauer fanden dort bei der Eröffnungsveranstaltung Platz. Heute steht das hochmoderne Stadion leer. Auch Südafrika glänzte mit seinen Stadien in einem positiven Licht – ein beabsichtigter Effekt. "Dem Land ging es darum zu zeigen: 'Wir können es.' Die WM sollte vor allem einen Imagegewinn darstellen", sagt Gerald Guskowski, Leiter des giz-Projekts "Entwicklung Jugendlicher durch Fußball", kurz YDF in Südafrika. Nie zuvor waren so viele Erwartungen, jenseits der sportlichen, in eine Weltmeisterschaft gesetzt worden. Es ging um Entwicklung im Doppelpack. Zum einen sollte Südafrika von den Investitionen und den Touristen profitieren. Zum anderen sollte sich die Wahrnehmung der restlichen Welt verändern. Ein neues Bild von Afrika sollte entstehen, jenseits von Armut, Hunger, Seuchen und Gewalt.
Doch zum Imagewandel kamen die hohen Ausgaben hinzu. Am Ende waren es statt erwarteter 1,75 Milliarden 4,2 Milliarden Euro, die die südafrikanische Regierung für Neubauten und Modernisierung der Stadien und Verkehrsinfrastruktur investierte. "Falsche Kosteneinschätzungen sind gängig. Das war auch in Deutschland zur WM 2006 so", sagt Guskowski. Im Gegensatz zu den deutschen Stadien leiden die südafrikanischen Sportstätten jedoch an mangelnder Auslastung: "Das größte Problem ist Port Elizabeth, weil es dort keine Fußball- oder Rugby-Clubs gibt, die dort spielen könnten", sagt Guskowski. Es gebe aber auch Stadien, die durch ihre Clubs besser versorgt seien, wie in Pretoria. Zudem gebe es Planungen, wie die Stadien das Jahr über noch besser ausgelastet werden könnten. So hat es im letzten Jahr zwei Großkonzerte, darunter das von U2, in Johannesburg gegeben. Zudem wird der "Africa Cup of Nation" 2013 in einigen der Stadien ausgetragen.
Weniger optimistisch sieht der südafrikanische Gewerkschaftler Eddy Cottle die Entwicklung. 2011 hat er ein kritisches Buch veröffentlicht: "South Africa's World Cup: A Legacy For Whom?" Zu deutsch: Die WM in Südafrika: Für wen ist sie eine Altlast? "Auch wenn in den Stadien ein paar Veranstaltungen stattfinden, sind sie im Grunde genommen alle auf Hilfsgelder angewiesen", sagt Cottle. Das Land sei ein Beispiel dafür, wie das Fußballimperium FIFA die interessierte Weltöffentlichkeit und vor allem den Gastgeber aus Südafrika mit falschen und teilweise irrwitzigen ökonomischen Versprechen an der Nase herumgeführt habe.
Gleiches geht aus der Studie "Vorläufige Evaluation der Auswirkungen der FIFA-Weltmeisterschaft auf Südafrika" hervor, die Ende 2010 veröffentlicht wurde. "Der wirtschaftliche Effekt verdunstete, noch ehe der erste Tropfen gelandet war", heißt es dort. Das Fazit: Für die FIFA und ihre Partner, die Sponsoren und vor allem die Baufirmen war die WM höchst profitabel. "Es war eine riesige Party, aber die Erinnerungen der Menschen verblassen vor dem Hintergrund, ihren Lebensunterhalt bestreiten zu müssen", sagt Cottle. Lange vor der WM hätte der südafrikanische Fußballverband bereits auf das Nachnutzungsproblem hingewiesen. Cottle glaubt, dass die Regierung auch in Zukunft Gelder in die Stadien pumpen werde, um ihr Gesicht zu wahren. "Über einen Abriss zu sprechen, wäre ein Eingeständnis, das sich die Regierung nicht erlauben kann."
Doch wie kann ein Stadionbau nachhaltig gestaltet werden? In der Theorie heißt es, dass die Stadionplaner der Versuchung widerstehen müssten, sich nur auf die Bauphase und das Event zu fokussieren. Es gebe keine großen Stadien, die kurzfristig profitabel seien. Lohnend sei ein Bau langfristig nur, wenn es später genügend Mieter für ihn gebe, sagt Partecke von "Stadionwelt". "Die Versuchung, über den Bedarf hinaus zu planen, ist groß. Doch selbst in einer Weltmetropole ist es schwierig, ein Stadion für 80.000 Menschen zu betreiben."
Allianz Arena München
Deshalb gelten die meisten WM-Stadien in Deutschland von 2006 auch als positives Gegenbeispiel. "Gut rechnet sich die Allianz-Arena in München", sagt Johannes Bühlbecker von der Vereinigung "International Association for Sports and Leisure Facilities" (IAKS). Die Sportanlagen für die Olympischen Spiele in London 2012 gelten als Musterbeispiel für nachhaltigen Bau. "Nicht jedes Stadion muss für die Ewigkeit gebaut werden, sondern kann andernorts zurückgebaut oder weiterverwendet werden, indem es aus einzelnen Modulen zusammengesetzt wird", sagt Bühlbecker. Modulare Bauweise nennt sich diese Technik, mit der auch das Hauptstadion in England gebaut wurde. Nach den Spielen und einem geplanten Umbau soll es mit verringerter Kapazität genutzt werden.
Hadija Haruna (32) schreibt für Magazine und Zeitungen. Sie lebt und arbeitet in Frankfurt und Berlin.
"Soccer City Stadium" / Foto: NJR ZA / CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
"Olympic Beach Volleyball Centre" / Foto: Galis / CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons
"Beijing national stadium" / Foto: Peter23 / CC BY 2.5, via Wikimedia Commons
"Allianz-Arena Munich" / Foto: Lapunkd / CC BY-SA 2.5, via Wikimedia Commons
Coverabbildung: © University of Kwazulu Natal Press
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