Aus dem Schatten heraus
fluter.de | 17.08.12 14:26 | 0 Kommentar(e) | » zum Blog: Euer fluter.de-Blog
Es ist schon recht unglaublich, wie verschiedenartig dieses kleine Land ist - geographisch wie kulturell. So unterscheidet sich jeder District in seiner Art, die im Besonderen spürbar ist. Gerade in der Kulturhauptstadt Dangriga - oder Griga, wie sie von den Garifuna genannt wird. Sie ist mit 12.000 Einwohnern die größte Stadt im Süden des Landes und liegt im Bezirk Stann Creek an der karibischen Küste. Ein kleines Piratennest mit stolzen Menschen, die um keinen Spruch verlegen sind, noch ihre Herzlichkeit verwehren würden. Ein Gefühl von Musik und Tanz liegt in den staubigen Straßen, man wird immer wieder eingehüllt in den Geruch von Köstlichkeiten, die frisch an der Straße zubereitet werden, von ständig blühenden Orangenbäumen oder der salzigen Meeresbrise.
Zwei Monate sollten es also werden, voll von interessanten, unfassbaren und wunderbaren Geschichten, die uns erzählt wurden. Ansichten, Erfahrungen und Gedanken zum bereits stattgefundenen Safe & Sound-Projekt, sowie Wünsche und Ideen für ein Folgeprojekt, von den verschiedensten Menschen aus den vielfältigsten Hintergründen: Es waren Musiker, Produzenten, Kunst- und Kulturschaffende, Lehrer, Ärzte, Pfarrer, private wie auch öffentliche Institutionen und Aktivisten im Kleinen wie Großen. Durch unsere Evaluationsarbeit und die unzähligen Interviews haben wir Stück für Stück eine faszinierende Kultur und Mentalität kennen gelernt, die geprägt ist von Verschleppung und Sklaverei, Neu-Ankommen und Fremdsein, von Überleben und einem stolzen Streben nach etwas, das sehr oft in Richtung "Big Brother America" weist.
Belizean musicians - Hell yeah!
Wir haben alles festgehalten, mit Fotos, Video- und Audioaufnahmen. Reichlich Material, dass wir immer noch auswerten. Das macht es derzeit schwer, eine klare Tendenz zu beschreiben. Aber was die Musik betrifft wurde stets sichtbar, dass sie das Medium zum Kommunizieren, zum Erzählen und zum Lernen ist. Über das Singen und Tanzen wird dort so viel transportiert, dass der Safe & Sound-Musikwettbewerb eine großartige Chance war, um die Menschen zu erreichen: Gesundheitliche Aufklärung verbunden mit dem kulturellen Verständnis von Rhythmus und Text. Mit diesem Bewusstsein haben wir unser Augenmerk auf die Musiker und die Musikszene gelegt, denn in ihnen steckt großes Potenzial, gesellschaftliches Denken zu verändern. Musik hat seit jeher Menschen beeinflusst, sie war oft schon stark genug, ganze Generationen zu prägen und in eine neue Richtung zu lenken.
Und die belizeanischen Musiker sind talentiert, was ihnen durchaus bewusst ist, nur eine Plattform in Belize zu bekommen - gespielt zu werden - ist unheimlich schwer. Denn der sehr kleine Musikmarkt wird überschwemmt von ausländischen Hits und verdrängt das Lokale. Und selbst, so sagen sie, wenn ihre Qualität hochwertig ist, bleibt es schwer, weil dann unterstellt wird, ihre Musik sei geklaut.
Wir hatten das Glück ein paar Musikern eine mediale Bühne geben zu können, dank des Senders Dangriga Cable Vision. Wir luden die Künstler, die bereits 2010 dabei waren, ein, mit uns eine MUSIC TALK-SHOW zu veranstalten. Während wir, furchtbar nervös, unsere Fragen an die eingeladene Gruppe stellten, passierte etwas sehr Schönes: Sie wurden zusammen stärker und fordernder und beschlossen: "We are not just musicians, we are Belizean musicians!" - Hell yeah! Dabei ging es weniger um eine erfolgreiche Show als mehr darum, junge begabte Menschen zu motivieren und zu bewegen. Vielleicht konnten wir durch unsere Art der Beachtung den Grundstein für ihre Eigeninitiative freilegen, ein Selbsterblühen über dem Schatten.
Und die Erkenntnis? Leute, vergesst dieses zauberhafte Land nicht!
Teil eins, zwei, drei, vier, fünf und sechs des Blogs könnt ihr hier lesen.Fotos: privat