Olympias goldene Momente der etwas anderen Art
jabrilsara | 12.08.12 21:39 | 0 Kommentar(e) | » zum Blog: fluter.de-Autorin Sara über...
Lange liefen die Vorbereitungen und groß war die Freude, doch nach zwei Wochen ist das gigantische Sportereignis Olympia nun vorbei. Die Bilanz: der Gastgeber Großbritannien hat sich eine Goldmedaille verdient. "Wir haben der Welt gezeigt, woraus wir gemacht sind und uns selbst daran erinnert, wozu wir fähig sind [...] Die letzten Wochen haben gezeigt, dass Großbritannien ehrgeizig sein kann und soll", sagte der Premier Minister David Cameron. Veranstalter Lord Sebastian Coe verkündete bei der Abschlussfeier: "Als unsere Zeit kam, Großbritannien, haben wir es richtig gemacht". Mit 29 Goldmedaillen und 65 Medaillen insgesamt belegt das Gastgeberland Platz drei der inoffiziellen Rangliste aller teilnehmenden Nationen. Ein echter Erfolg, wenn man bedenkt, dass die Briten in den ersten Olympia-Tagen aufgrund des Ausbleibens von Goldmedaillen zittrige Knie bekamen und man sogar überlegt hatte, die Anzahl angestrebter Medaillen zurückzusetzen. Auch ansonsten verlief hier in London alles besser als erwartet - kein Verkehrschaos, keine überfüllten, öffentlichen Verkehrsmittel und keine Menschenmassen. Läden und Restaurants im Londoner Westen ärgerten sich über Versäumnisse im täglichen Geschäft und beklagten das Fernbleiben von Touristen und Londonern, die vor den Spielen in die Ferien geflüchtet waren.
Nach zwei Wochen Olympia lässt sich die Aussage treffen, dass die Spiele nicht nur ein sportlicher, sondern vor allem auch ein politischer und gesellschaftlicher Erfolg waren. Noch vor den Spielen standen viele Briten dem Großereignis eher skeptisch gegenüber. Umfragen haben schon einen Tag nach der spektakulären Eröffnungsfeier eine positive Veränderung der öffentlichen Meinung gezeigt. Auch der Patriotismus konnte von Olympia profitieren. Drei Viertel der Befragten fühlen sich Umfragen zufolge nun stolz, britisch zu sein. Und auch Politiker wie David Cameron und Bürgermeister Boris Johnson dürfen sich über Umfragewerte der Spitzenklasse freuen. Der Kommentar eines konservativer Politikers, der Danny Boyles Eröffnungsfeier als "multikulturellen Mist" bezeichnete, könnte der Wahrheit nicht ferner sein. Olympia und der Erfolg der britischen Athleten haben das deutlich gemacht. Der neue Held der Nation beispielsweise, Mo Farah, ist Muslim, in Somalia geboren worden und nun zweimaliger Olympiasieger.
Um die Olympischen Spiele in London abschließend zu würdigen, präsentiere ich euch rückblickend nochmal einige der besten, ungewöhnlichsten und verrücktesten Momente der letzten zwei Wochen.
Einer meiner ganz persönlichen Lieblingsmomente, der sich noch vor Beginn der Spiele ereignete, ist der zweier Jungs, die die Olympische Fackel auch ganz gerne mal getragen hätten. Als die Fackel noch auf dem Weg nach London in Coventry unterwegs war, gelang es zwei kleinen Jungs, die Absperrung zu überwinden und die Fackel wenigstens zu berühren. Ich finde, sie hätten die Jungs das ruhig mal machen lassen können - wenigsten für ein paar Meter.
Zwei Jungs gelingt es, die Olympische Fackel zu berühren
Es ist gut bekannt, dass Sportkommentatoren gerade bei Länder-Wettkämpfen nicht immer unparteiisch sind. Die meisten Zuschauer mögen das auch so. Durch die Stimme der Kommentatoren soll dem Zuschauer daheim ja auch etwas von der Stimmung vor Ort vermittelt werden. Man will mitgerissen werden. Wie wichtig und spannend der Sieg Farahs über 10.000 Meter war, zeigt folgendes Video der BBC-Reporter im Olympischen Stadion, das nach Veröffentlichung zum Hit auf der BBC-Webseite geworden ist. Hier sieht man die Reporter beim Anfeuern und Jubeln. Ein wahrlich goldener Moment der Spiele.
Hinter den Kulissen bei der BBC: Die Kommentatoren sind bei Farahs Sieg ganz aus dem Häuschen
Einen Schock-Moment gab es für die deutsche Siebenkämpferin Lilli Schwarzkopf, die sich eine Silbermedaille erkämpft hatte, als auf der Anzeigetafel im Stadion auf einmal ein "disqualifiziert" aufleuchtete. Nach dem Triumph für Team-GB-Liebling Jessica Ennis gab es ein minutenlanges Rätselraten der deutschen Kommentatoren. Warum die Disqualifikation für Lilli Schwarzkopf? Was ist da schief gelaufen? Am Ende wurde das Rätsel dann doch noch gelöst, als klar wurde, dass es eine peinliche Verwechslung gab. Lilli durfte sich freuen und bekam ihr verdientes Silber.
Lilli Schwarzkopf wird nach dem Lauf disqualifiziert - Rätselraten der Kommentatoren
Interview mit Lilli Schwarzkopf - Das Rätsel wird gelöst
Aller guten Dinge sind drei. Ganze drei Mal stand Usain Bolt auf dem Siegertreppchen und bekam die Goldmedaille überreicht. Man könnte meinen, dass diese drei Medaillen die kostbarsten Mitbringsel sind, die der schnellste Mann der Welt aus London mit nach Hause nach Jamaica bringen wird. Falsch gedacht. Für Usain Bolt gab es nämlich neben den Goldmedaillen noch ein weiteres Objekt der Begierde: den Staffelstab des vier mal 100 Meter-Wettkampfes der Männer. Und für dieses Souvenir musste er härter kämpfen als gedacht. Zum Glück hatte die Geschichte ein Happy End.
Usain Bolt diskutiert mit den olympischen Kampfrichtern um die Wette
Foto (privat): Die Olympischen Spiele in der britischen Hauptstadt sind am Sonntagabend nach einer großartigen Abschlussfeier zu Ende gegangen. Die Anzeigetafel von London 2012 auf dem Trafalgar Square direkt vor der National Gallery im Londoner West End macht es offiziell: 0 days and 0 hours to go.