Zurück aus Belize
fluter.de | 10.08.12 17:47 | 0 Kommentar(e) | » zum Blog: Euer fluter.de-Blog
"They say your heart never leaves, once you've been down to Belize" (Jerry Jeff Walker – Come away to Belize with me)
Wir sind zurückgekehrt, vom Strand, aus der Sonne mit vier Monaten Belize-Erfahrungen im physischen und psychischen Gepäck. Der Empfang ist großartig mit Sekt aus der Dose und kühlem Berliner Bier. Berlin wirkt unverändert, wie immer. Nur wir selbst fühlen uns ein bisschen anders, also nicht grundsätzlich, aber trotzdem ist da etwas - nicht greifbar, aber anders. Vielleicht jedoch ist es nur dieser riesige Trugschluss, den man nach und nach auflösen muss, wohl auch Kulturschock genannt. Wie eine Resozialisierung ins gewohnte Umfeld, in den Alltag. Doch es geht hier nicht um die kleinen und großen Tücken vom Wiederankommen und Abschliessen, sondern um das, was mitgetragen wurde und wird. Mitgebracht aus der belizianischen Kultur, durch die Menschen, ihre und unsere Art zu leben, vorgefundene und entstandene Rituale – das Leben.
Es ist recht schwer, im Nachhinein über die Zeit und Arbeit in Belize zu schreiben, sich zurück zu versetzen in das staubig-heisse Land, während die aktuellen Nachrichten vor allem aus Europa kommen und die Ausgehtipps für heute Abend aus dem Radio tönen und ich mich doch entscheide, einen Pulli überzuziehen – es ist kalt. Auch der Versuch, nochmals ganz objektiv das Thema HIV/AIDS und die Geschichte Belizes zu recherchieren, misslingt und trotzdem geben die Artikel, Berichte und Dokumentationen – fernab vom eigenen Erlebten – wieder den Zugang zu unserer Zeit zurück, dem zweiten Abschnitt, nach dem Arbeiten mit "Tikkun Olam Belize" (TOB), der NGO in Orange Walk. Unsere Erlebnisse dort, haben wir in den ersten Teilen des Blogs geschildert. (Hier erschienen: fluter stellt vor: Safe & Sound - der Kampf gegen AIDS in Belize)
"Safe & Sound" im Land, das im Schatten blüht
Das kleine mittelamerikanische Land Belize trägt den Wahlspruch "Sub Umbra Floreo" – ich blühe im Schatten, was in den Köpfen scheinbar tief verinnerlicht worden ist, vermutlich aufgrund der geschichtlichen Gegebenheiten und dem heutigen politischen und ökonomischen Handeln. Dieser Spruch zeigt die Stärke sowie auch Schwäche des Landes eindrücklich auf. Er spiegelt sich in vielen Belizianern wieder, die wir kennen gelernt haben. Sie zeichnen sich als stolze, offene, hilfsbereite und begabte Menschen aus. Gleichzeitig wirken sie teils ziellos, beeinflussbar und abhängig. Kennen gelernt haben wir sie in Orange Walk durch Elisa und Farida von TOB, deren Familie und Freunde, sowie in Dangriga während unserer Interviews für "Safe & Sound – Music for Future".
Das kreativ-kulturelle Aufklärungsprojekt Safe & Sound fand 2010 erstmalig statt. Damals hatten Sebastian und Moritz (Diplom-Kulturarbeiter) zusammen mit dem Verein HIV-Projekt Belize den Musikwettbewerb "Music for Future" ausgerufen. Belizianische Musiker konnten dazu ein eigenes Lied zum Thema HIV/AIDS einreichen. Aus den über 40 Einsendungen wurden 15 Songs von einer internationalen Jury ausgewählt und in Belize mit den jeweiligen Künstlern zusammen im Studio aufgenommen und verfeinert, sowie beim Abschlusskonzert performt. Daraus entstand der "Safe & Sound"-Sampler, der landesweit kostenlos verteilt wurde und weiterhin auf der Internetseite www.safeandsoundbelize.de mitsamt Bildern en détail genossen werden kann.
Zwei Jahre sind seither vergangen, eine lange Zeit. Deshalb sollte unsere Arbeit kein Folgeprojekt werden, sondern eine Evaluation des Geschehenen und hoffentlich Gebliebenen. Also traten wir drei – Lisa, Ev und Nisha – im Rahmen unseres Studiums der Kulturarbeit an, um dieses erfolgreiche Aufklärungsprojekt nicht versanden zu lassen.
Wir haben uns intensiv damit beschäftigt, welche Rolle wir in dem uns fremden Land einnehmen können und wollen und wohin die Arbeit wohl führt. Es ging darum, ein medizinisches Präventionsprojekt, das nach kreativ-kulturellen Gesichtspunkten durchgeführt wurde, zu untersuchen. Was ist geblieben? Was ist entstanden? Durch den Standpunkt der Kulturarbeit haben wir vor allem nach den gesellschaftlichen Gegebenheiten gefragt, weniger nach statistischen Zahlen, wie etwa der Neuinfiziertenrate.
Die letzten beiden Teil des Belize-Blogs erscheinen in Kürze auf fluter.de.