Olympia 2012 - Der London Blog
jabrilsara | 30.07.12 12:04 | 0 Kommentar(e) | » zum Blog: fluter.de-Autorin Sara über...
Tag 1 in London - Die Eröffnungsshow
"Night of Wonder" (The Guardian). "Wow" (The Sun). "A flying start" (The Times). Die britischen Zeitungen sind sich mit ihren Schlagzeilen am Tag nach der großen Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2012 einig: Für diese Leistung gibt es Gold. Der absolute Höhepunkt der Show war für die Briten der Film mit James Bond-Darsteller Daniel Craig und Queen Elizabeth II., der es so aussehen ließ, als springe die Queen ganz im Bond Girl-Stil aus einem Helikopter über dem Stadium. Alle waren es so gewohnt eine Queen-Doppelgängerin ausschließlich von hinten zu sehen, dass fast ein kleiner Aufschrei durch das Publikum bei unserer Viewing Party ging, als die Queen sich umdrehte und ganz cool "Good Evening, Mr. Bond" sagte. Es war perfekt inszeniert. Alle waren sie dabei, die berühmtesten Briten: Sir Paul McCartney, Sir Rowan Atkinson aka Mr. Bean, J.K. Rowling, David Beckham, Sir Kenneth Branagh und viele mehr. Abgesehen von all den Berühmtheiten, Royals und Sirs hat Danny Boyle seiner Show allerdings eine ganz besondere Note verliehen, indem er unter anderem die Bauarbeiter, die den Olympia Park gebaut haben, und einen Kinderchor bestehend aus gehörlosen und hörenden Kindern in die Show integriert hat. Anstelle von Profitänzern schwangen echte Ärzte und Krankenschwestern ihr Tanzbein. Auch bei den letzten Fackelläufern, die schließlich das Olympische Feuer zum leuchten brachten, entschied man sich für unbekannte Nachwuchssportler anstatt Sport-Superstars. Für mich waren das die besten Details der gigantischen Show.
Die Inszenierung sei "echt britisch" gewesen, wurde mir nach der Show berichtet. Auch die Reporter der BBC fragten sich nach der Show, ob der Rest der Welt wohl alles verstanden hätte. Zum Glück hatte ich genug Londoner um mich herum, die mir alles erklären konnten; zum Beispiel, dass Peter Pan-Erfinder und Autor James M. Barrie alle Rechte der Peter Pan-Bücher dem Londoner Great Ormond Street Hospital vermachte. Daher die Szene mit den Kindern in den Krankenhausbetten und den vielen Krankenschwestern im Anschluss an J.K. Rowlings Mini-Lesung aus einem von Barries Büchern. Außerdem waren die Kommentatoren im britischen Fernsehen extrem gut vorbereitet und haben wirklich zu jedem der 204 Fahnenträger(innen) etwas sagen können. Da unsere Viewing Party auf einer Dachterrasse mit Blick auf die Tower Bridge stattfand, konnten wir sogar live miterleben, wie David Beckham mit einem Speedboat und Olympischer Fackel im Schlepptau unter der Brücke durchfuhr. Fazit: brilliantly British and bombastic!
Tag 2 in London - Der erste Tag der Olympischen Spiele
Auf geht es nach Stratford zum Olympia Park! Alle sind noch immer ganz hin und weg von der Eröffnungsfeier. Furore gibt es über einen Tweet des konservativen Politikers Aiden Burley, der die Eröffnungsfeier als "multikulturellen Mist" bezeichnete. Auweia! In London lassen sich die Menschen heute in zwei Kategorien einteilen: Die mit Olympia-Pass um den Hals hängend und die ohne. Die mit Pass sehen ein wenig aus wie Schulkinder, die ihren Hausschlüssel an einem Schlüsselband tragen müssen. Allerdings gibt es einen Unterschied: heute sind sie die Coolen. Die restlichen von uns müssen ohne Pass auskommen.
Wir warten gerade auf die U-Bahn, als eine sehr bekannte Stimme durch die Lautsprecher hallt. Es ist der Bürgermeister von London, Boris Johnson. "Hi Folks! This is the Mayor here!". Der gute Boris macht noch mal darauf aufmerksam, dass man die Reise mit Bus und Tube doch am Besten voraus- oder umplanen sollte. Da hat uns Herr Johnson auf eine gute Idee gebracht. Wir entscheiden uns dazu die U-Bahn komplett zu meiden und stattdessen die berühmten "Boris Bikes" - liebevoll benannt nach Boris Johnson, der die Fahrräder 2010 einführte - in Anspruch zu nehmen. Man muss nur eine der zahlreichen "Bike Hire"-Stationen finden, eine gültige Kreditkarte besitzen und los geht der Fahrradspaß.
30 Minuten sind kostenlos und eine Stunde kostet gerade mal ein Pfund - solange hat die Fahrradtour nach Stratford gedauert. Bei der Fahrt durch die Bezirke Hackney und Newham kann man Gentrifizierung bei der Arbeit zusehen. Früher noch als Problemviertel betitelt, gelten die Bezirke heute als "trendy" und "hip" - man sieht Luxuswohnungen neben Sozialwohnungen. Meine Freude darüber in London erfolgreich fahrradgefahren zu sein, ohne einen Unfall verursacht zu haben (links fahren ist wirklich nicht einfach!), verflog sehr schnell, als wir vor dem Olympischen Park ein ernüchterndes "Du kommst hier net rein" abbekamen. Ohne Pass oder Eintrittskarten gibt es auch keinen Zugang zum Park.
Vor dem Eintrittstor gibt es eine Brücke, von der aus man gut Fotos schießen kann. Mir fallen dort drei Jugendliche auf, die auf den Treppen spielen. Als ich mit ihnen ins Gespräch komme, erfahre ich, dass sie aus der Gegend kommen. Sie dürfen auch nicht in den Olympia Park. "Neulich bin ich mit meiner Familie hierher gekommen", erzählt mir Amy R. (15), "wir wurden wieder weggeschickt, weil man für den Besuch des Parks extra bezahlen muss oder so". Ich frage, ob sie Karten für eine der Sportveranstaltungen haben. "Nein, die kosten ja 100 Pfund", sagt Amys Schwester Kelly, "das können sich doch nur reiche Leute leisten". Trotzdem kommen die drei Freunde öfters hierher, um wenigstens das Stadion sehen zu können. "Ich find es unfair, dass die Leute, die hier wohnen, keine Tickets abbekommen und sich das alles nur von weitem aus ansehen können", erzählt mir Tayler W. (13) frustriert. Als wir das Gelände verlassen, sehe ich in großen Buchstaben das offizielle Motto der Olympischen Spiele 2012 auf einem Plakat: "Inspire a generation". Inspiriere eine Generation. Für Tayler, Amy und Kelly, die weiter auf den Stufen der Brücke abhängen, sind das bis jetzt nur leere Worte.
Die "public transport announcements" von Bürgermeister Boris Johnson
Her Majesty The Queen & James Bond