Roller Derby heißt Do-it-yourself

BlogDerby | 30.07.12 09:42 | 0 Kommentar(e) | » zum Blog: Ich kann nicht, ich hab Roller Derby!

"Nee, ich kann nicht. Habe Montagabend Training. Nein, Dienstag auch. Am Mittwoch? Hmm. Schwierig, da habe ich Komiteetreffen. Samstag? Weißte doch. Da hab ich ein Spiel!"  Wenn man einen Sportverein gegründet hat, viermal die Woche trainiert, aber auch alle organisatorischen und administrativen Dinge selbst erledigt, strapaziert das so manche Freundschaft über die Jahre. Die Familie auch, aber die bleibt ja bekanntermaßen.

Alles selbstgemacht 
Eigentlich habe ich jeden Abend etwas, dass mit meinem Roller Derby Verein zu tun hat. Das kann unfassbar ermüdend sein, manchmal frustrierend, aber meistens ist es ein gutes Gefühl, am Ende der Woche, des Monats oder des Jahres zurückzublicken. Wenn man sieht, wie viel man im Team geschafft und erreicht hat, dann waren es alle Entbehrungen wert. Training, Teamtreffen, Mitgliederverwaltung, PR, Organisation der Veranstaltungen, Merchandise, Termine mit der Stadt, Auslandsspiele: All das und viel mehr stemmt jede Spielerin in ihrer Freizeit, in ihrer Urlaubszeit und häufig während der Arbeitszeit - glücklich die, die einen verständnisvollen Chef hat. Dennoch würden ich und viele meiner Teamkolleginnen es nicht anders wollen. Viele Freundschaften sind über die letzten Jahre auf der Strecke geblieben. Doch es sind auch viele dazugekommen, und das weltweit. Denn was tausende Rollergirls verbindet und vor allem antreibt, ist die Möglichkeit, die Entwicklung dieses neuen Sports voranzutreiben und ihn mitzuprägen. Gerade im Bereich der modernen Sportarten, mit denen auch ein Lebensstil verbunden wird, finden Frauen bisher kaum Beachtung. Schuld daran sind aber nicht nur die Medien, auch die Frauen selbst müssen öffentlich offensiver und aggressiver  vorgehen.

Frau, trau dich
Ich bin kürzlich auf den Trailer zu dem Dokufilm „Underexposed“ der Skateboarderin Amelia Brodka gestoßen. Während männliche Profi-Skateboarder gesponsert werden, finden Frauen medial kaum bis keine Beachtung. Von Sponsoren ganz zu schweigen. Dabei stehen viele Skaterinnen ihren männlichen Pendants in nichts nach. Ist es also eine Frage des öffentlichen Interesses oder, dass Frauen sich nicht trauen, den Schritt aus der zweiten Reihe zu wagen?

Ich glaube, es ist Letzteres. Die Popularität von Roller Derby steigt, weil sich die Beteiligten dermaßen reinhängen. Für viele von uns hat der Arbeitsumfang die Dimension eines zweiten Jobs angenommen. Doch genau diese Leidenschaft und vielleicht auch Verbissenheit lässt Medien und Firmen aufhorchen. Das Angebot für Roller-Derby-Ausrüstung ist in den USA mittlerweile riesig, weil der Markt riesig geworden ist. Dass das Lebensgefühl mit vermarktet wird, mag das kleinere Übel sein, denn es ist echt. Allein die Verbundenheit zwischen Rollergirls reicht aus, bei jeder Liga auf beinahe jedem Kontinent mal anklopfen zu können, willkommen zu sein und einen Schlafplatz sicher zu haben. Ob New York, London, Paris oder Sydney. Roller-Derby-Vereine gibt es überall und überall managen die aktiven Spielerinnen alles selbst. Keine alten, spießigen Vorstände, alles ist selbstgemacht und das ganz schön gut. Wer wird denn da am Ende müde sein?

Mehr über Roller Derby gibt es im fluter-Artikel "Do-it-yourself auf acht Rollen"



Neuer Kommentar

Um Kommentare abgeben zu können, musst Du als User/in registriert und eingeloggt sein.

Mediathek