Robin El Kady
Vor wenigen Tagen hat Robin El Kady, 18, seine Abiturprüfungen am Filmgymnasium Babelsberg hinter sich gebracht. Nun wartet er mehr als gespannt auf seine Ergebnisse. Nicht nur um den Notendurchschnitt geht es ihm dabei: Vor allem hofft er, einen der beiden begehrten Gastsemesterplätze an der HFF, der Hochschule für Film- und Fernsehen Konrad Wolf in Potsdam-Babelsberg, zu ergattern, die unweit des Filmgymnasiums gelegen ist.
Über das Babelsberger Filmgymnasium gibt es ein kleines Hintertürchen zum Filmstudium: Zwei Gastsemesterplätze für die Filmhochschule in Potsdam vergibt das Filmgymnasium an Schüler, die ihr filmisches Talent unter Beweis gestellt haben. Dies sind zwar keine vollwertigen Studienplätze, aber die Schüler dürfen ein Semester lang in das Studium an der HFF hineinschnuppern, in einen Studienbereich ihrer Wahl wie Kamera, Animation bis hin zu Schnitt und Regie. Auf genau so einen Gastsemesterplatz rechnet Robin sich gute Chancen aus, denn für seine bisherigen Kurzfilme, Drehbücher und Filmrollen wurde er bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet.
Gegründet wurde das Filmgymnasium 2004, mittlerweile ist es in einem schicken Neubau unweit der HFF Potsdam, den Filmstudios und dem RBB, dem Rundfunk Berlin Brandenburg, untergebracht. Hier können Schüler sich von den Großen der benachbarten Filmwelt, den Regisseuren, Kameraleuten, Schauspielern, Animateuren und Schnittmeistern inspirieren lassen – nicht nur durch die unmittelbare Nähe, sondern auch durch Kontakte und Kooperationen, die das Filmgymnasium zur HFF, den Filmstudios und dem Thalia-Filmtheater in Potsdam unterhält. Die Schüler des Filmgymnasiums können Vorträgen an der HFF lauschen, sie haben die "Goldene Karte" für die Filmstudios Babelsberg und dürfen damit nicht nur kostenfrei Besucher sein, sondern selbst in den Studios unentgeltlich Kurzfilme drehen. In dem enormen Requisiten- und Kostümfundus bekommen sie Rabatte. Und das Thalia-Kino stellt ihnen bei Bedarf ihren Vorführraum zur Verfügung. Außer dem Schwerpunkt Film gibt es am Filmgymnasium bilingualen Unterricht und Tanz. Wer das Ganztagsangebot der Schule nutzt, kann Arbeitsgruppen zum Thema Filmproduktion, Filmschnitt, Zeichentrick oder Improvisationstheater belegen.
Schon mit acht Jahren filmte Robin mit seinem Nachbarsfreund begeistert mit der Legokamera, was die Bausteine hergaben. Mit seinen Eltern wohnt Robin in Berlin-Wannsee und die tägliche Fahrt nach Potsdam nimmt er gerne in Kauf. Zwar ist das Fach "Film" kein offizieller Leistungskurs, aber zum Abiturzeugnis gibt es ein extra Zeugnis für jeden Schüler, der an der Film AG teilgenommen hat. Ab dem nächsten Schuljahr wird in Brandenburg in der 11. und 12. Klasse ein Seminarkurs Film eingeführt, der studienvorbereitend ist und für den es einen entsprechenden Abschluss gibt. Zwischen 160 und 240 Euro – je nach Verdienst der Eltern – kostet der Besuch des Gymnasiums pro Monat, denn die Schule ist privat. Robin drehte an der Schule einige Kurzfilme, für die er mit dem "Filmband" ausgezeichnet wurde. Das "Filmband" ist ein schulinterner Preis, der beim "Festival der Ersten Filme", das seit zwei Jahren am Babelsberger Filmgymnasium stattfindet, verliehen wird, in den Kategorien: "Beste Regie", "Bestes Drehbuch", "Bester Schnitt", "Bester Film" und "Beste Musik". Robin wurde zum "Besten Schauspieler" in "Liebe Hoch 7" erkoren und mit der "Besten Filmidee" für seinen Kurzfilm "Zivilcourage" ausgezeichnet.
Aber nicht nur schulintern gelang es den Filmen des Filmgymnasiums Babelsberg Preise abzuräumen: Beim Brandenburger JIM-Filmfestival, dem Filmfestival der Jugendinformations- und Medienzentren, sicherten sich "Liebe Hoch 7" und "Zivilcourage" den ersten und den zweiten Platz. In "Zivilcourage" wird eine alte Frau mit Gehhilfe von Jugendlichen belästigt. Erst scheint es, als würde sich ein anderer Jugendlicher für sie einsetzen und sie beschützen. Doch als sie sich sicher zu fühlen beginnt, kommt alles anders, als man denkt. Die Jury begründete ihre Entscheidung mit den Worten: "Dieser Film denkt quer. Und lässt alle unsere Erwartungen auflaufen. Die Frage bleibt: Darf ich jetzt eigentlich lachen oder nicht? Mit jugendlichem Humor, kunterbunten Kostümen und technischer Brillanz verdiente dieser Film nach Meinung der Jury den ersten Preis in der Kategorie Spielfilm." Robin schrieb das Drehbuch und führte Regie, zudem übernahm er die Hauptrolle des vermeintlichen Retters.
Robins momentanes Dilemma: Er ist zu jung. Denn er würde so gerne sofort loslegen mit dem Regiestudium, weil man in diesem Beruf "viel über sich und andere Menschen lernt". Doch die Hochschulen wollen Studenten, die mindestens 21 oder 22 Jahre alt sind, weil diese "mehr Lebenserfahrung haben" seufzt Robin.
Nana A.T. Rebhan dreht diesen Sommer ihren zweiten Dokumentarfilm "Welcome Goodbye" in Berlin.
Foto: © Nana A.T. Rebhan
Links
Das Babelsberger Filmgymnasium
Robins Filme "Zivilcourage" und "Liebe Hoch 7" (in dem er die Hauptrolle spielt) sind hier zu sehen.
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