Harte Arbeit, Leidenschaft, Hingabe

Bitte sehr: drei Jungunternehmer

30.6.2012 | Philipp Kristian G. Diekhöner | Kommentar schreiben | Artikel drucken

"Man lerne nicht für die Schule, sondern für das Leben" – mit dieser Maxime fühlen sich Jugendliche seit Jahrzehnten konfrontiert. Stimmt ja auch! Aber ist das, was man in der Schule lernt, tatsächlich von praktischem Nutzen? Ein Unternehmer würde sagen: Nein. Weder Schulbesuch noch ein Universitätsabschluss erleichtern die Entwicklung und Umsetzung einer erfolgreichen Geschäftsidee unbedingt. Ganz im Gegenteil: Eine frühe Selbstständigkeit scheint die Unternehmerkarriere zu fördern. Das machen auch die Geschichten dreier junger Unternehmer aus Deutschland, Singapur und den Niederlanden deutlich.

Mobile Cafés an Universitäten: Mohammad Reza Shams (28) aus Deutschland

Die Idee für Campua wurde aus einer Versorgungslücke heraus geboren. Die Schließung der Caféteria der Universität Köln animierte den Master-Studenten Mohammad Reza Shams dazu, die Studentenschaft über ein "Kaffeefahrrad" mit selbst zubereiteten Kaffeespezialitäten versorgen. "Bis dato gab es auf dem Campus keinen guten Kaffee", erzählt er. Aus dieser Idee heraus entwickelte er mobile "Kaffeestationen".

Mohammads Firma Campua gibt es jetzt zwei Jahre. Die meisten seiner mobilen Einheiten sind an Universitäten stationiert. Neben der professioneller Siebträgermaschine aus Italien und einem Mahlwerk bestehen sie aus einem integrierten Zu- und Abwassersystem und exakt zugeschnittenen Schubladen für Ware und Inventar. Jeder Campua-Mitarbeiter durchläuft eine Schulung in der korrekten Ausübung des Barista-Handwerks. Der Kaffee selber kommt aus einer Wiener Kaffeerösterei.

Seit einiger Zeit erhält Mohammad auch Anfragen für Events. Die Idee der Mobilität leuchtet gerade in diesem Bereich ein. "Wir sind innerhalb weniger Minuten auf- und abgebaut und damit hochflexibel." Momentan ist ein deutschlandweites Wachstum mit einem Franchise-System in Planung. Die Expansionspläne sollen durch einen Investor gestützt werden. Nach dem sucht Shams zurzeit noch. Bis dahin heißt es: Abwarten und Kaffee trinken.

Vom DJ zum Eventmanager: Prashant Chainani (26) aus Singapur

Im Alter von neun Jahren begann Prashants Karriere als junger Geschäftsmann – damals mit dem Motiv, mehr Taschengeld als seine Schulfreunde zu bekommen. Er vertickerte Schlüsselketten, Tauschkarten, Sticker, Figuren und sonstiges Spielzeug an seine Klassenkameraden.

Manche Jugendlichen gehen zur Schule, um Bildung zu erhalten und gute Noten zu schreiben, Prashant aber erzählt: "Ich war vor allem dort, um herauszufinden, wie man einen Markt kreiert und darauf ein Geschäft aufbaut." In der Schule eignete er sich, wie er behauptet, notwendige Kenntnisse für wirtschaftlichen Erfolg an – zum Beispiel Verhandlungstechniken, Finanzierungsmöglichkeiten, den Umgang mit Ablehnung, effektive Kommunikation und Kenntnisse über den Aufbau einer eigenen Marke.

Nach dem Schulabschluss begann Prashant, als DJ auf Partys zu arbeiten. Bald erhielt er so viele Buchungsanfragen für Partys und Events, dass er sich entschied, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen: Prashant gründete ein Eventmanagement-Unternehmen. High on House, 2012 als Unternehmen eingetragen, vermittelt DJs, richtet aber auch ganze Partys aus – von der Location-Suche über Dekoration und Catering, Abendprogramm bis zur fotografischen Aufbereitung. Prashant plant nun, nicht mehr nun in Singapur zu operieren, sondern auch in angrenzende Nachbarländer zu expandieren.

"Ein wichtiger Faktor für geschäftlichen Erfolg sind persönliche Beziehungen und Networking", findet er. Der Austausch von Geschäftsideen, von Träumen oder langfristigen Zielen wird über kurz oder lang, glaubt er, zu konkreten neuen Geschäftsmöglichkeiten führen. Zum Beispiel wurde Prashant durch einen Studienkollegen seiner Universität, der Singapore Management University, an ein Unternehmen vermittelt, das sich auf Lifestyle- und Anti-Aging-Produkte spezialisiert. Heute ist er sowohl dort als auch in seinem eigenen Unternehmen intensiv eingebunden. Zunächst arbeitete er dort nebenbei im Marketing, dann gründete er seine eigene Vertriebsfirma für Kosmetikprodukte, die er auch heute noch betreibt.

Prashant tritt auch weiterhin als DJ auf, auch auf den von ihm selbst organisierten eigenen Events. Dabei hat er sich auf Retro, Elektro und seine Lieblingsmusik House spezialisiert.

Allen denen, die nicht wissen, wo sie am besten anfangen sollen, rät Prashant, sich genau aufzuschreiben, was man gerne erreichen möchte, und sich jeweils die Gründe dafür zu notieren. "Das ist die innere Motivation eines jeden Unternehmers und damit der Schlüssel zu einer erfolgreichen Unternehmensgründung", sagt Prashant. "Man darf nie vergessen, dass Unternehmertum harte Arbeit, Leidenschaft und Hingabe erfordert. Durchhaltevermögen ist unglaublich wichtig."

Student, Gentleman, Internetunternehmer: Timen Baart (25) aus Holland

"Ich habe schon immer davon geträumt, mein eigenes Unternehmen zu gründen”, sagt der Niederländer Timen Baart. Gemeinsam mit einem Freund bastelte er, neben seinem Management-Studium an der Universität Groningen, eine Studentenwebsite zusammen. "Wir beide hatten einen Nebenjob, um unseren Lebensunterhalt zu finanzieren, und wir dachten, wir könnten unsere Zeit besser einteilen, wenn wir stattdessen für uns selbst arbeiten." Heute, drei Jahre später, ist mijnstudentenleven.nl eine der größten Studentenwebsites in den Niederlanden. Neben einer Vielzahl allgemeiner Informationen, zum Beispiel zu Wohnungssuche oder Studienfinanzierung, hat sich mijnstudentenleven.nl auf die Vermittlung von Versicherungen für Studenten spezialisiert.

Timen rät jedem Studenten, nebenbei ein kleines Unternehmen zu gründen. "Unternehmer zu sein hat viele Vorteile. Man ist nicht nur sein eigener Chef, trifft viele Entscheidungen selber und lernt dabei eine ganze Menge; Dinge, die einem niemand in der Schule beibringt." Theorie in der Praxis anzuwenden, öffne einem, sagt Timen, die Augen für die komplexen Zusammenhänge in der Realität.

Das letzte Projekt des Niederländers nennt sich dilatos.com und ist eine Internetplattform für Immobilien, die gerade dabei ist, sich gegen große Player in der Branche zu etablieren. "Bestehenden Portalen fehlt ein internationaler Charakter." Die Inserate bei dilatos sind in der Basisversion kostenlos und werden automatisch in acht verschiedene Sprachen übersetzt. "Dass ich dabei bin, Chancen zu ergreifen und dass ich mit meinen eigenen Ideen Erfolg habe, das finde ich, ist das Beste an meinem Job", findet Timen.

Philipp Kristian G. Diekhöner (21) arbeitet seit Abschluss seines International Business Studiums als Junior Consultant im elterlichen Unternehmen DD Die Denkfabrik und ist auch in einem Start-Up involviert.

Fotos: Privat



Links

Mobile Kaffeestationen: Campua
Event-Organisation High on House
Holländisches Studentenportal mijnstudendentleven
Immobilienportal Dilatos





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