Es gibt sogenannte Klassiker, die seit Jahrzehnten in und sehr teuer sind. Werke von Pablo Picasso, Pierre-Auguste Renoir oder Gustav Klimt kosten Unsummen, oft mehr als 100 Millionen Dollar. Auch ein Deutscher gehört seit Jahren zu den Großen auf dem Kunstmarkt: der in Köln lebende Gerhard Richter. Gemälde des ehemaligen Professors für Malerei der Kunstakademie Düsseldorf wie "Zwei Liebespaare" wurden beim Auktionshaus Christie's für knapp zehn Millionen Euro verkauft, die "Kerze" erzielte bei Sotheby's sogar 10,5 Millionen Euro. Damit gilt Richter als der teuerste lebende Maler Deutschlands.
Im Kunstkompass 2012 des manager magazins wird Richter als der gefragteste Künstler der Gegenwart bezeichnet. Auch international wird der 80-Jährige gefeiert. Die britische Zeitung The Guardian bezeichnete Richter einst als "Picasso des 21. Jahrhunderts". Doch nicht alle Künstler sind erfolgreich und reich. In Deutschland beträgt das Durchschnittseinkommen der in der Künstlersozialkasse (KSK) Versicherten nur 11.000 Euro pro Jahr. Im Bereich bildende Kunst sind bei der Künstlersozialversicherung rund 60.000 Künstler versichert.
Die meisten Sammler haben es natürlich auf die Werke erfolgreicher oder zumindest aufsteigender Künstler abgesehen. Neben Privatpersonen, die im kleinen Rahmen, und Unternehmen, die im großen Stil sammeln, gibt es in Deutschland auch einige einflussreiche Sammler, die Hunderte Werke besitzen und diese auch ausstellen. Dazu gehören unter anderem die Sammlung Falckenberg in Hamburg mit rund 2.000 Arbeiten der zeitgenössischen Kunst, die Sammlung Frieder Burda mit 1.000 Gemälden, Skulpturen, Objekten und Arbeiten auf Papier, und die Sammlung von Christian und Karen Boros, die in Berlin-Mitte auf 3.000 Quadratmetern wechselnde Ausstellungen zeigt.
Galeristen organisieren Einzel- und Gruppenausstellungen, veröffentlichen Kataloge und stellen Kontakte zwischen Künstlern und Sammlern her. Sie verkaufen Kunstwerke aus erster Hand – also direkt vom Künstler an den Interessenten (primärer Markt) – und erhalten dafür eine Provision. Zu den angesagten internationalen Kunstgalerien gehören unter anderem Saatchi aus London, Jan Mot aus Brüssel und Gio Marconi aus Mailand. In Deutschland finden sich die meisten Galerien übrigens in Berlin, rund 450 Galerien tummeln sich in der Hauptstadt. Für Sammler, die zwar gerne Kunst an ihren Wänden haben, aber nicht Hunderttausende oder Millionen von Euro in ein Gemälde investieren können, gibt es inzwischen Onlinegalerien, die Kunst zu günstigeren Preisen anbieten. Auch Saatchi in London bietet im Internet Kunst zum Kauf an. Künstler können dort selbst entscheiden, zu welchen Preisen sie ihre Fotos, Gemälde oder Objekte anbieten wollen. Die Galerie Lumas ist vor allem für ihre Fotokunst bekannt, verkauft aber auch Gemälde und Objekte. Internetanbieter wie Buy some damn art sind auf junge, aufstrebende Künstler spezialisiert.
Galeristen gehen regelmäßig auf Messen, um potentielle Käufer zu finden und über den Werdegang ihrer Künstler zu informieren. Zu den Messen kommen Sammler, Kuratoren, Verlagsrepräsentanten und natürlich die Künstler selbst. Eine der wichtigsten Kunstmessen ist die Art Basel (14. bis 17.6. 2012), die die Londoner Zeitung Daily Telegraph einst als "Olympiade der Kunstwelt" bezeichnet hat. Dort sind rund 300 Galerien aus den USA, Südamerika, Europa, Asien und Afrika vertreten und präsentieren mehr als 2.500 Künstler. Im vergangenen Jahr besuchten die Art Basel über 65.000 Menschen. Weitere wichtige Kunstmessen sind unter anderem der Ableger der Art Basel in Miami Beach, die Frieze in London, die Art Cologne in Köln sowie die Messen in Maastricht und Dubai.
Kunst ist ein Milliardengeschäft. Das globale Marktvolumen wird in den Medien mit 64,1 Milliarden Euro angegeben. Allein Sotheby's setzte 2011 5,8 Milliarden Dollar um, das ist der zweithöchste Umsatz in der Geschichte des US-Auktionshauses. Der englische Konkurrent Christie's machte einen Umsatz von 5,7 Milliarden Dollar. Chinesische Käufer werden für den Kunstmarkt immer wichtiger. Studien zufolge beträgt der Marktanteil Chinas inzwischen 30 Prozent vor den USA mit 29 Prozent und Großbritannien mit 22 Prozent. "Der Markt in China entwickelt sich viel stärker als in Europa oder in den USA, weil dort der Hunger nach Kunst riesengroß ist", so der Europachef von Sotheby's, Philipp Herzog von Württemberg. "Viele Chinesen sammeln asiatische Kunst, aber es gibt inzwischen auch ein steigendes Interesse an westlicher Kunst." Zudem entstehen in China allein in diesem Jahr 100 Privatmuseen. "Man vergisst die Masse an Menschen und die Geschwindigkeit, mit der die Wirtschaft dort wächst."
Aber auch arabische Länder sind derzeit in Einkaufslaune, um ihre Museen mit westlicher Kunst zu bestücken. So soll Berichten zufolge das Bild "Der Kartenspieler" des französischen Impressionisten Paul Cézanne für 250 Millionen Dollar von Griechenland nach Katar verkauft worden sein. Den höchsten Preis in einer öffentlichen Auktion hat bisher eine von den vier existenten Versionen von "Der Schrei" erzielt. Das expressionistische Gemälde von Edvard Munch wurde für 119,9 Millionen Dollar versteigert.
Man kann auch in Kunst investieren, ohne sie selbst zu besitzen: Kunstfonds sammeln Geld von Anlegern, um damit Kunstwerke zu kaufen. Oft werden hohe Renditen versprochen, wenn die Kunst allerdings nicht den erwarteten Verkaufspreis erzielt, ist es jedoch ein recht risikoreiches Geschäft. In Krisenzeiten ist das Kunstgeschäft ― wie andere Branchen auch ― rückläufig: "Käufer suchen zwar weiter nach guter Qualität, aber es ist schwierig, in Krisenzeiten gute Kunst zu finden, denn während der Krise behalten Sammler wenn möglich wertvolle Werke, das ist wie bei einer Immobilie", so Herzog von Württemberg.
Claudia Steiner arbeitet für den Hörfunk und schreibt für Magazine. Sie lebt in München.
Foto: © frank13 / photocase.com
Links
Kunstmesse Art Basel
Internet-Galerien Saatchi, Lumas und Buysomedamnart
Auktionshäuser Sotheby's und Christie's
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