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Und ein Bild dazu

Illustration zwischen Kunst und Auftragsjob

9.5.2012 | Petra Bäumer | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Der grüne Knubbelkörper schiebt sich über das Papier, der rote Kopf mit den aufgedrehten Insekten-Augen blinkt nahezu. Eigentlich genügt es schon, den Titel des Kinderbuches "Die kleine Raupe Nimmersatt" zu erwähnen, schon stellen sich die Bilder dazu ein. Viele der bunten Collagen des deutschstämmigen Illustrators und Kinderbuchautors Eric Carle sind zu Klassikern geworden.

Illustration ist natürlich nicht nur die 40 Jahre alte dicke Raupe, die sich in unser Gedächtnis gebrannt hat – das merkt auch der Besucher schnell, der durch die Ausstellung des kleinen Illustratoren-Festivals "Illu 12" in Köln streift. Hier präsentiert Illustration sich ihm in einer wilden Bandbreite von Stimmungen, Techniken, Geschichten und Medien: die Lieblingskolumne im Magazin, die zuerst über die Zeichnung ins Auge fällt, genauso wie Comics, Plakate oder großflächige Zeichnungen, Malereien und Collagen. Im Rahmen des Festivals, das der Berufsverband der Illustratoren organisiert hat, stellten Illustratoren aus dem Rheinland im April in Köln ihre Arbeiten aus und in Vorträgen, Diskussionen und Workshops ihre Arbeit vor.

Andrea Steffen

Andrea Steffen

Aus Text wird Bild

"Jeder Illustrator hat so eine bestimmte Grundstimmung, die man schwer beschreiben kann – aber sie ist sofort da", sagt Andrea Steffen, Illustratorin aus Köln. Sie bringt damit auf den Punkt, worauf es in ihrem Beruf ankommt. In zweierlei Sicht, denn zum einen ist der individuelle Stil Teil des eigenen Ausdruckes, zum anderen kann seine Wiedererkennungsfähigkeit über den Marktwert mitentscheiden. Denn Illustratoren übernehmen eine Aufgabe für den Text: Sie schaffen eine neue Ebene, übersetzen Sprache in Bilder, die auf den ersten Blick funktionieren und in den Text ziehen sollten. "Im Idealfall sind Text und Bild eine gegenseitige Ergänzung", sagt Andrea Steffen.

Sie arbeitet hauptsächlich für Kinderbücher. Häufig sieht ihre Arbeit so aus: Es gibt eine konkrete Anfrage, ein Buchprojekt, einen Text und eine Formatvorgabe. Der Verlag hat dabei oft eine recht genaue Vorstellung davon, wie das Ergebnis aussehen soll. "Bisher habe ich aber immer Glück gehabt, was die Gestaltungsmöglichkeiten angeht", sagt Andrea Steffen. Ihr kommt es darauf an, möglichst Platz für eigene Ideen zu haben, eine eigene Sicht einzubringen. Der Kniff ist dabei, sich auch vom Text zu lösen. Spannender als das Offensichtliche zu zeigen, ist es, etwas Neues hinzuzudenken, beispielsweise eine Parallelgeschichte im Bild zu erzählen.

Julia Gruner

Julia Gruner

Herzensangelegenheiten

Neben freieren Arbeiten und Jobs für Bücher und Zeitschriften sind viele Illustratoren hauptsächlich mit kommerziellen Aufträgen für Werbung, Design, Agenturen oder auch Schulbuchverlagen beschäftigt. Die Vorgaben sind dabei sehr unterschiedlich. Von Auftraggeber zu Auftraggeber.

Julia Gruner unterscheidet Herzensangelegenheiten und Geldjobs: "Das kommt darauf an, wie viel Freiheit man hat." In ihrer Diplomarbeit, einer Bilderbiographie des Naturforschers Alexander von Humboldt – die später als Serie in einer Wochenzeitung veröffentlich wurde –, hatte sie das. Es ging nicht zuerst um Bild oder Text, sondern um die Frage, wie sie die Geschichte am besten erzählt.

Julia studierte Illustration und Kommunikationsdesign und arbeitet seit ihrem Uni-Abschluss als freiberufliche Illustratorin. Seit 2010 studiert die 28-Jährige außerdem Freie Kunst in Düsseldorf. Wenn sie gefragt wird, was sie beruflich macht, dann sagt sie, "Künstlerin UND Illustratorin". Meistens. "Ich betrachte das irgendwie auch getrennt. Das eine ist Arbeit, das andere das, was ich wirklich machen will. Beides ist Teil von mir. Es gibt aber auch Illustrationsjobs, in die ich sehr viel Herzblut stecke."

Boris Servais

Boris Servais

Was macht die Kunst?

Fragen wie "Ist das Kunst?" oder "Sind Illustratoren Künstler?" schieben sich immer wieder in die Diskussionen auf dem Festival. Als "Mietkünstler" bezeichnet sich der eine, während sich für die andere die Frage gar nicht erst stellt. Boris Servais, Mitorganisator der "Illu 12" und selbst Illustrator, sieht einen fließenden Übergang. "Jeder Illustrator ist auch Künstler. Auch in der angewandten Arbeit steckt etwas Künstlerisches." Hervor kommt es immer dann, wenn einen etwas beschäftigt – ganz unabhängig vom Auftrag.

Für Servais heißt das: "Erst ist die Idee da, und dann mache ich mir Gedanken, wie man es an den Mann bringen kann." Aus Beobachtungen absurder Gegenstände und dem Faible für schwarzen Humor entstand so "The Illustrated Encyclopedia of Strange Things". Zu seinen Zeichnungen schrieb er auch die Texte, die Veröffentlichung erfolgt im Selbstverlag. Das Produkt: kein Bilderbuch, sondern ein Kunstobjekt in Kleinstauflage.

Noch nutze man Illustration aber nicht überall so, wie es möglich wäre, beobachtet Servais. "In Frankreich, Portugal oder Italien gibt es mehr und freier illustrierte Kinderbücher beispielsweise. Deutschland bleibt relativ konservativ." Der 32-Jährige nutzt daher Möglichkeiten, alternative Illustrationen zu veröffentlichen – über Ausstellungen, über das Netz oder über philosophische oder grafische Fanzines. "Ich bin nicht der klassische Illustrator, ich bin eher ein Künstler, der auch illustrativ arbeitet."

Geld und Luxus

Diese eigenen Projekte bleiben für viele Illustratoren ein gewisser Luxus. Boris Servais arbeitet neben der eigenen, an keine Auftraggeber gebundenen Buchkunst auch als Dozent an der Hochschule und in Projekten mit Jugendlichen. Nur von der künstlerischen Arbeit zu leben wäre schwer, sagt auch Julia Gruner. Wirklich viel zu produzieren, gehört häufig zum Beruf dazu. "Es ist eine Gratwanderung. Man muss versuchen, Geld und künstlerischen Anspruch zusammenzubringen. Das ist ja die Sache bei der Illustration. Es ist ein Zwischending: Es ist Dienstleistung und irgendwie auch Kunst", sagt Andrea Steffen. Das eröffnet aber auch die Möglichkeit, diese Facetten zu mischen. Wichtig bleibt, dass man eine klare Vorstellung von dem hat, was man machen will. Darin sind sich alle einig.

Petra Bäumer ist Journalistin und lebt in Köln.


Fotos: © Andrea Steffen / © Julia Gruner / © Boris Servais

Fotos illu12: © Petra Bäumer




Links

Die "Illu 12" fand vom 20. bis 22. April 2012 in Köln statt.
Illustratoren Organisation e.V., der Berufsverband der deutschsprachigen Illustratoren





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