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Die Welt ist Kunst

Schüler/innen in Mannheim diskutieren über Kunst

12.5.2012 | Nina Aleric | Kommentare (1) | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Yaren

Yaren

Der Begriff Kunst stammt aus dem Althochdeutschen und bedeutet Wissen, Weisheit und Kenntnis. Er bezeichnet die gestaltende Tätigkeit des Menschen. Kann man den Begriff nicht ausweiten? Man kann. Schüler können. Sechs Schüler/innen der Kerschensteiner Werkrealschule in Mannheim sagen, was Kunst für sie ist. So subjektiv, wie Kunst ist, so subjektiv sind auch die Aussagen der Schüler/innen.

Yaren ist 15. Ihr fällt gleich was dazu ein. "Für mich ist Kunst, wenn man einfach so malt, ohne wirklich zu überlegen, was man jetzt darstellen will. Zum Beispiel, wenn man ein Gesicht malen will. Man versucht nicht, das Gesicht so genau wie möglich zu zeichnen, sondern malt einfach drauflos. Am Ende kommt irgendwas dabei heraus, das mir auch gefällt."

"Graffiti ist cool"

Yaren betätigt sich selbst gern künstlerisch; sie recycelt Zeitschriften, die sonst im Müll landen würden: "Zu Hause mache ich im Moment aus alten Zeitschriften Collagen. Ich schneide da die Gesichter raus und mache damit Bilder. Am Rand fange ich mit großen Gesichtern an, zur Mitte hin werden die immer kleiner." Ob sie da bestimmte Gesichter bevorzugt? "Ja, schon. Zumindest gibt es welche, die ich nicht nehme. Justin Biebers Gesicht kommt nicht auf meine Collagen. Der kommt überall vor, hat aber so ein langweiliges Babygesicht."

Sie schätzt aber auch andere Kunstformen: "Graffiti finde ich ganz toll. Das kann einfach nicht jeder, und da findet man Worte, die man eigentlich gar nicht lesen kann. Aber es sieht einfach total cool aus. Ich versuche das selber auch öfter, aber es wird nie so schön, wie ich das gerne hätte. Aber eigentlich ist es nicht wichtig, ob irgendetwas schwierig ist. Bei Kunst muss man es einfach versuchen. Dann stellen die meisten auch fest, dass sie doch malen können!"

"Kunst muss nicht ewig halten"

Rober

Rober

Der 16-jährige Rober hat einen erweiterten Kunstbegriff: "Alles, was die Natur erschafft, ist Kunst. Auch der Mensch selbst. Die perfekte Kunstausstellung wäre deshalb im Freien. Da schafft man dann Kunst. Man sammelt einfach irgendwas in der Natur, zum Beispiel Holz, und macht da irgendetwas draus. Das ist dann vergänglich. Die Natur kann es wieder kaputtmachen. Kunst hält nicht ewig."

Wenn Rober einen philosophischen Tagebucheintrag schreiben würde, dann wäre auch dieser für ihn Kunst. Für andere wahrscheinlich nicht: "Es sei denn, man sagt, das ist von einem Künstler geschrieben. Dann sehen es natürlich alle als Kunst. Wenn eine Person aber nicht wüsste, dass es von einem Künstler geschrieben ist, würde sie sich wahrscheinlich denken: 'Was interessiert mich denn, was dieser Depp hier schreibt.'"

Wenn einem selber etwas gefällt, heißt das noch lange nicht, dass es auch anderen gefallen muss, findet Rober. Kunst ist eben sehr subjektiv. "Für mich kann alles Kunst sein. Es kann auch ein Stück Scheiße sein – dann habe ich das so bestimmt, dass das Kunst ist. Das muss anderen nicht gefallen. Die sagen eh nur, dass es Kunst ist, wenn man ihnen sagt, dass es das ist."

"Über Kunst lässt sich streiten"

Kunst ist also, was Rober gefällt. So einfach ist das. "Jede Musik, also Musik an sich, ist Kunst. Außer Techno. Beziehungsweise Elektro." Warum das denn jetzt? "Weil es mir nicht gefällt. Ganz einfach – wenn es mir nicht gefällt, dann ist es für mich keine Kunst. Über Kunst lässt sich genau wie über Geschmack streiten."

Josy und Nur

Josy und Nur

Josy und Nur sind Freundinnen und beide 14 Jahre alt. Die beiden Mädchen finden auch, dass Kunst viel mehr ist als das, was Menschen erschaffen. "Die Natur! Alles draußen. Der Wald, die Wolken manchmal. Und man kann aus allem irgendwie Kunst machen. Aus Steinen zum Beispiel, wenn man sie schön zusammensetzt." Josy hat dazu konkrete Ideen: "Man kann auch aus Spaghetti was machen. Der Moderator von Art Attack [eine Kinderkunstsendung von Disney] nimmt auch alles Mögliche, alles, was man nicht mehr braucht, und macht etwas daraus. Tücher, Handschuhe, Bälle – alles."

"Gut ist, was kreativ ist"

Nur lebt ihre Kreativität auch im Schulunterricht aus, bastelt und malt, wann immer es möglich ist. Sie fügt hinzu, dass verschiedene Settings unterschiedlich auf den Künstler wirken: "Wenn man zum Beispiel allein in einem Raum sitzt und es ganz ruhig ist, kann einem mehr einfallen, man kann ruhig über die Ideen nachdenken. In der Gemeinschaft schaut man in die Gesichter der Leute, hört sich Gespräche an und dann fallen einem auch schon Sachen ein. Das fördert die Fantasie." Nur benutzt alles für ihre Kunst: "Ich nehme zum Beispiel die Alufolie von meinem Pausenbrot. Dann mache ich da Figuren daraus. Letztens habe ich eine Frau mit überschlagenen Beinen daraus gemacht. Die kann man dann auf ein Regal setzen."

Auch Josy und Nur haben einen sehr weitgefassten Kunstbegriff: "Wenn uns etwas gefällt und wir es gut finden, dann ist es für uns Kunst. Das heißt nicht, dass es schön sein muss – es kann auch etwas Hässliches sein. Solange es uns gefällt, ist es gut. Das entscheidet jeder für sich selbst." Kreativität und Ideenreichtum sind das Wichtigste dabei, zumindest für Nur: "Pablo Picasso hat seinen ganzen Körper mit Honig eingeschmiert und ganz viele Federn draufgemacht. Da sah er dann aus wie ein Huhn. Wenn es kreativ ist, dann ist es meistens auch gut!"

"Und das soll Kunst sein?!"

Bahadir und Dogus

Bahadir und Dogus

Dogus, 13, kann genau sagen, was Kunst für ihn ist: "Kunst ist, wenn man von einer Vorstellung, die man im Kopf hat, ein Bild kreiert. Das Geschick in den Händen. Wie ein Maler ein Bild malt. Das ist für mich Kunst." Doch kreativ sind nicht nur Maler, auch Architekten sind für Dogus Künstler: "Es gibt noch viel mehr. Den Eiffelturm zum Beispiel." Was ist daran Kunst? Bahadir, 15, assistiert: "Die Konstruktion an sich. Und der schiefe Turm von Pisa ist auch Kunst. Das Beste an Kunst ist, dass es einen beruhigt. Aber nur schöne Kunst. Dann gibt es auch Sachen, wo einer einfach nur irgendwo etwas draufkleckert und das soll dann Kunst sein." Das ist dann also keine Kunst? "Nein", sagt Bahadir, "das ist totaler Quatsch." Dogus erhebt Einspruch: "Warum? Wenn es ein Künstler gemacht hat, dann ist es seine Kunst, lass ihn doch!"

Auch beim Thema Musik werden sich die beiden nicht einig. Bahadir empfindet Jazz als große Kunst, Dogus Rap: "Rappen kann man einfach, man fühlt es, es ist in einem drin. Man kann es nicht lernen." "Doch!", wirft Bahadir ein. "Nein, kann man nicht", fährt Dogus fort. "Da drückst du Gefühle aus. Das kannst du nicht lernen, das musst du können! Der Rapper inspiriert die Leute."

Es ist jetzt Nachmittag, Vesperzeit. Da fällt Bahadir noch eine weitere Form von Kunst ein: "Essen ist Kunst. Köche sind Künstler. Eigentlich ist die Welt Kunst. Wie das alles entstanden ist: beeindruckend."

Nina Aleric ist Soziolinguistin, freie Journalistin und Teach First Fellow.

Fotos: © Nina Aleric







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Ich wäre euch sehr verbunden, wenn sie mir Anregungen und Verbesserungstips hinsichtlicher meiner Bilder geben könnten. www.amys-bilder.npage.de

Amélie | 22. Oktober 2012   09:34

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