Unser Nachbar Frankreich ist ein Land mit einer langen Geschichte und unglaublich viel Kultur. Unser kleines ABC versammelt Berühmtheiten und Banalitäten, Historisches und Alltägliches. Viel Spaß beim Stöbern und Entdecken! Und wenn ihr findet, dass da noch was fehlt, dann schreibt doch unserer Community-Redakteurin Andrea Lakeberg und vervollständigt unser ABC.
A
L’Arc de Triomphe
Fast 50 Meter hoch erhebt sich auf der Place Charles-de-Gaulle der Arc de Triomphe. Zwei Gewölbebögen – der große misst fast 30 Meter in der Höhe, der kleine immerhin 18 Meter – verleihen dem Triumphbogen seinen Namen. Durch diese Bögen, so versprach Bauherr Napoleon, sollten seine siegreichen Soldaten in Paris triumphierend einziehen. Deshalb trägt der im römischen Stil erbaute Arc de Triomphe auch thematische Figuren und Reliefs zu französischen Kriegserfolgen. Allerdings konnten die damaligen Sieger nicht durch den Triumphbogen feierlich nach Paris einziehen: Denn als der Triumphbogen 1836 endlich vollendet war, waren Napoleon und auch die meisten seiner Soldaten bereits gestorben. Dennoch sind die steinernen Bögen am westlichen Ende der Avenue des Champs-Élysées heute ein Denkmal der Franzosen, denn unter ihnen liegt das Grabmal des "Unbekannten Soldaten" aus dem Ersten Weltkrieg. Hier brennt die Flamme du Souvenir – die Ewige Flamme der Erinnerung – im Gedenken an die Toten, die nie identifiziert wurden.
Atomenergie
80 Prozent seiner Energie bezieht Frankreich aus der Kernenergie – das ist eine der höchsten Quoten weltweit. Bis zu der Kernschmelze in Fukushima bestand hierzu ein jahrzehntelanger Konsens der meisten Parteien und gesellschaftlichen Kräfte. Die Sozialistische Partei und die Grünen wollen nach einem eventuellen Wahlsieg bei den Präsidentschaftswahlen im April 2012 24 der 58 Kernreaktoren bis spätestens 2025 abschalten. Nicolas Sarkozy will dagegen an der Atomenergie unverändert festhalten. Frankreichs Atommeiler sind nicht gegen Flugzeugabstürze gesichert, und das veraltete AKW Fessenheim, nahe der deutschen Grenze, liegt in der erdbebenreichsten Region Europas.
Banlieue
Den französichen Begriff "Banlieue" hört man oft in Zusammenhang mit so genannten "sozialen Brennpunkten". Als "Banlieue" werden in der historischen Definition die Vororte französischer Großstädte bezeichnet, die noch zu dem Zuständigkeitsbereich der Städte gehören. Heute verbindet man vor allem Sozialwohnungen, Arbeitslosigkeit und Kriminalität mit dem Begriff. Aufgrund zahlreicher Jugendkrawalle – vor allem in Pariser Vororten – gelten sie in Politik und Medien als "Problemviertel".
Baccalauréat
Das "Baccalauréat", oder einfach "le Bac", ist das französische Pendant zum deutschen Abitur. Das "Lycée", die gymnasiale Oberstufe, bereitet die Schüler auf das Baccalauréat vor. Im Unterschied zum Abitur gibt es drei Formen des Baccalauréat: Das "Bac Général" und das "Bac Technologique" bereiten auf ein Universitätsstudium vor, während das "Bac Professionnel" den Schüler/innen den direkten Einstieg ins Berufsleben erleichtern soll.
C
Carla Bruni
Carla Bruni, seit 2008 mit Präsident Nicolas Sarkozy liiert, ist die "Première Dame" Frankreichs. Dabei war das italienisch-stämmige Ex-Model schon vor der Beziehung mit dem französischen Staatschef sehr bekannt. Als Sängerin und Songschreiberin schaffte es Bruni, die 2008 die französische Staatsbürgerschaft annahm, im Laufe ihrer Musikkarriere mit all ihren drei Alben auf Platz 1 der französischen Charts.
Cannes
Leonardo di Caprio, Angelina Jolie und George Clooney – alle waren schon da. Hört man von "Cannes", kommen einem vor allem Bilder von Filmgrößen, die über einen roten Teppich stolzieren, ins Gedächtnis. Das haben wir den Internationalen Filmfestspielen von Cannes zu verdanken, die seit 1946 jedes Jahr im Mai stattfinden. Dabei hat die Stadt an der französischen Côte d'Azur mit subtropischen Temperaturen und Traumstränden auch für Reisende außerhalb der Filmszene viel zu bieten.
D
DOM-ROM
Als ehemalige Kolonialmacht zählt Frankreich heute noch mehrere Gebiete außerhalb Europas zum eigenen Staatsgebiet. Diese französischen Überseegebiete werden als DOM-ROM, "Départements et Régions d'outre-mer", bezeichnet. Im Grunde handelt es sich um Ex-Kolonien, die heute dieselbe Stellung wie Regionen des französischen Festlandes genießen. Zu den DOM-ROMs gehören Französisch-Guayana, Guadeloupe, Martinique, La Réunion und Mayotte. Da sie Teil Frankreichs sind und damit zur Europäischen Union gehören, zahlt man in den Überseegebieten mit dem Euro. Durch die dadurch entstandenen hohen Lebensstandards gab es in den DOM-ROMs nie eine prägende Unabhängigkeitsbewegung. Insgesamt 1,8 Millionen Menschen leben in den Übersee-Departements.
Egalité
"Liberté, Égalité, Fraternité", zu Deutsch "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit", waren die Parolen der französischen Revolution. Gleichheit, die Égalité, wird zunehmend mit dem Begriff der Gerechtigkeit und der Menschenrechte in Verbindung gebracht. Schon Philosophen wie Aristoteles, Rousseau oder Kant beschäftigten sich mit der Idee der "Gleichheit", die besonders während der Epoche der Aufklärung verbreitet wurde. Mehr zum Thema im Gleichheitsheft von fluter.de.
Edith Piaf
"La vie en rose" lautete der Titel des Spielfilms, der das Leben der französischen Chanson-Sängerin Edith Piaf 2007 auf die Kinoleinwände der Welt brachte. "La vie en rose" ist eines der wohl berühmtesten Lieder Piafs, das das Verliebtsein – also "das Leben durch die rosarote Brille" – beschreibt. In Frankreich hieß der Film allerdings "La Môme" – "la Môme Piaf" (der kleine Spatz) war Edith Piafs Spitzname. Piaf war nur 1 Meter 45 Meter groß. Abgesehen von ihrem internationalen Erfolg und ihrer großartigen Stimme ist Edith Piaf (geboren 19. Dezember 1915 in Paris) noch heute für ihr turbulentes Leben bekannt, das von einer harten Kindheit, gesundheitlichen Problemen und Schicksalsschlägen geprägt war. Sie zählt auch heute noch zu den bekanntesten französischen Chanson-Sängerinnen. Als "Chanson" bezeichnet man ein Musikgenre, das sich vor allem durch französische und oft erzählerische Liedtexte auszeichnet.
F
Fraternité
"Liberté, Égalité, Fraternité" steht heute nahezu an jedem Rathaus und öffentlichem Gebäude Frankreichs. Der französische Erzbischof François Fénelon brachte die drei Begriffe Ende des 17. Jahrhunderts erstmals in einen Zusammenhang. Die Fraternité, die Brüderlichkeit, wird heute oft durch die geschlechtsneutrale Solidarität ersetzt. In der fluter.de-Ausgabe "Solidarität" geht es genau darum.
Francophonie
Francophonie bezeichnet die Gesamtheit der französischsprachigen Staaten: Nationen, in denen Französisch offizielle Landessprache ist, Länder, in denen Französisch muttersprachlich gesprochen wird, aber auch solche Staaten, in denen Französisch Lehrsprache ist. Die internationale Organisation der Frankophonie ("Organisation internationale de la Francophonie", OIF) umfasst etwa 220 Millionen Französischsprechende in insgesamt 56 Mitgliedsstaaten.
Guillotine
Schaut man sich Bilder französischer Guillotinen an, läuft einem ein kalter Schauer über den Rücken. Bei der Guillotine handelt es sich um eine Enthauptungsmaschine, die bei der Vollstreckung der Todesstrafe eingesetzt wurde. Der französische Arzt Joseph-Ignace Guillotin verlangte 1789 aus medizinischen und humanitären Gründen die Einführung einer Maschine, die den Tod durch Enthauptung schnell und schmerzlos gestalten würde. Der letzte Mensch, der in Westeuropa die Todesstrafe durch die Guillotine erlitt, hieß Hamida Djandoubi. Er wurde am 10. September 1977 in Frankreich hingerichtet.
Haute Couture
Chanel, Dior, Yves Saint Laurent – die Liste der Haute-Couture-Modehäuser ist lang. Allerdings: Der Begriff "Haute Couture", zu Deutsch "gehobene Schneiderei", ist gesetzlich geschützt. Nur die Modefirmen, die von der "Chambre Syndicale de la Haute Couture" anerkannt werden, dürfen sich mit dem Label schmücken. Als Haute Couture versteht man die luxuriösen, maßgeschneiderten und meist sündhaft teuren Kreationen, die beispielsweise auf der Fashion Week in Paris bewundert werden können. Überraschenderweise gilt der Engländer Charles Frederick Worth als Begründer des französischen Begriffs. Worth gründete 1857 das erste große Modehaus in Paris und überzeugte mit seinen teuren, maßgeschneiderten Modestücken unter anderem Kaiserin Elisabeth von Österreich.
I
Intouchables
Die französische Komödie Intouchables (auf Deutsch "Ziemlich beste Freunde") läuft immer noch sehr erfolgreich in den deutschen Kinos. Die auf einer wahren Begebenheit basierende Geschichte portraitiert die Freundschaft des vermögenden Pariser Philippe (François Cluzet) und des Pflegers Driss (Omar Sy). Seit einem Unfall beim Paragliding ist Philippe vom Hals abwärts gelähmt und auf Hilfe angewiesen. Driss stammt aus der Pariser Banlieue und kommt gerade aus dem Knast. Driss begegnet Philippe mit distanzlosem Humor und zunehmendem Verständnis. Philippe schätzt seine offene und herzliche Art und lässt sich von Driss dabei mehr oder weniger freiwillig helfen, ein langersehntes Treffen mit seiner Brieffreundin Éléonore zu realisieren. Der humorvolle Film betrachtet zwei Ausgegrenzte mitleidlos und gerade deswegen mit Respekt.
Jacques Chirac
Jacques Chirac war von 1995 bis 2007 der Staatspräsident Frankreichs. Er war der erste französische Präsident, der von aktiver Beteiligung und Mitschuld Frankreichs an der Deportation und Vernichtung im Land lebender Juden während des Zweiten Weltkrieges sprach. Bereits während seiner Amtszeit tauchten schwerwiegende Korruptionsvorwürfe gegen ihn auf, die aufgrund seiner Immunität als Staatspräsident damals noch nicht aufgeklärt werden konnten. Im Jahre 2011 wurde er wegen Veruntreuung öffentlicher Mittel und illegaler Parteienfinanzierung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.
Jeanne d’Arc
Sie gilt als Nationalheldin und Heilige Frankreichs. Jeanne d'Arc, oder auch Johanna die Jungfrau von Orleans genannt, ist in dem kleinen Ort Domremy 1412 als Tochter eines wohlhabenden Bauern zur Welt gekommen. Mit 13 Jahren glaubte sie göttliche Stimmen zu hören, die ihr den Auftrag gaben, Frankreich von England zu befreien und das französische Königtum zu stärken. Als 17-jähriger Teenager erlangte sie eine Audienz beim Thronfolger, dem Dauphin, Karl Vll. Durch eine äußerst glaubhafte Schilderung konnte sie ihn von ihren Visionen überzeugen. Die charismatische junge Frau zog daraufhin als Anführerin des französischen Heeres in die Schlacht gegen die überlegene englische Armee. Der Sieg befreite die Stadt Orleans und erschien den Franzosen wie ein Wunder. Johanna wird zur Nationalheldin und 1920 heilig gesprochen. Hoch zu Ross mit gezücktem Schwert ist sie überall in Frankreich als Denkmal verewigt. 1431 wurde sie, unter anderem wegen "ihres Aberglaubens, ihrer Irrlehren und anderer Verbrechen gegen die göttliche Majestät", zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Der Tag ihrer Verbrennung, der 30. Mai, ist in Frankreich ein Gedenktag.
K
Käse
Wenn man an Frankreich denkt, schmeckt man fast schon Wein und Käse auf der Zunge. Frankreich ist das Land mit der größten Vielzahl an verschiedenen Käsesorten. Bon, die Franzosen beenden gerne ihr Mahl mit einer köstlichen Käseplatte und einem schönen Gläschen Wein.
Kolonialismus
Neben Großbritannien war Frankreich die größte Kolonialmacht des 19. Jahrhunderts. Der französische Kolonialismus entstand in erster Linie in Konkurrenz zu Großbritannien. Frankreich konzentrierte sich zunächst auf Nordamerika. Dort besiedelte es den kompletten zentralen Teil des Landes einschließlich Kanadas. Im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) musste Frankreich jedoch seine gesamten Kolonien an England abgeben und konzentrierte sich dann auf Afrika und Asien. Die politische Lage nach dem Ersten Weltkrieg gab den ersten Unabhängigkeitsbestrebungen Auftrieb und leitete das Ende des Kolonialzeitalters ein. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg jedoch gelang Freiheitskämpfern der Durchbruch zur Entkolonialisierung.
Liberté
Wie auch die Gleichheit (Égalité) und die Brüderlichkeit (Fraternité) gehört die Freiheit (Liberté) zu den drei Begriffen oder Leitmotiven, die zusammen die Parole der Revolution konstituieren. Das berühmte Gemälde "Die Freiheit führt das Volk" ("La liberté guidant le peuple") des französischen Malers Eugène Delacroix spiegelt die Bedeutung wider, die der Aspekt der Freiheit in der Julirevolution 1830 gespielt hat. Das Gemälde zeigt die Symbolgestalt für Freiheit, die Nationalfigur der Französischen Republik, die Marianne.
Marseillaise
Frankreichs Nationalhymne, die Marseillaise, war ursprünglich ein Kriegslied der Revolution. Der Offizier Rouget de Lisle war ihr Komponist. Den Namen trägt die Hymne, weil sie die Föderierten aus Marseille beim Aufstand von Tuilerien von 1792 sangen. In der dritten Republik (1879) wurde die Marseillaise offizielle Nationalhymne Frankreichs. Allerdings gab es damals ein musikalisches Durcheinander, da die Version nicht eindeutig festgelegt worden war. Professionelle Musiker legten 1887 nach einer melodischen Überarbeitung die heutige offizielle Version fest.
Den ziemlich blutrünstigen Text der Marseillaise kann man sich hier anhören.
Napoléon Bonaparte/Napoléon I
Die römische I verrät es schon: Napoleon war Kaiser der Franzosen. In den Wirren der französischen Revolution stieg der Korse in der französischen Armee auf und galt bald als politische Hoffnung. Dies ermöglichte ihm, 1799 mit einem Staatsstreich die Macht an sich zu reißen, sich selbst zum Kaiser zu krönen und Frankreich bis 1814 mit einem diktaturähnlichen Regime zu regieren. Die Reformen Napoleons wirken bis heute nach. Sein Code Civil ist Grundlage des heutigen französischen Zivilrechts und in Teilen immer noch gültig. Außenpolitisch errang Frankreich unter der Führung Napoleons die Herrschaft über Europa. Diese endete mit dem verheerenden Feldzug nach Russland und stürzte Napoleon aus dem Amt. Nach kurzer Verbannung auf der Insel Elba kehrte er für 100 Tage zurück und wurde dann durch die Schlacht bei Waterloo (Belgien) endgültig besiegt. Noch heute spricht man deswegen von jemandes Waterloo, wenn er oder sie unwiderruflich gescheitert ist.
Ein weiterer napoleonischer Mythos trifft allerdings nicht zu: Napoleon gilt heute noch als kleiner Mann. Man spricht sogar vom "Napoleon-Komplex", um die Überkompensation kleiner Männer zu beschreiben. Tatsächlich war Napoleon mit 1 Meter 68 für seine Zeit aber durchschnittlich groß. Der Mythos vom kleinen, schmächtigen Napoleon ist vor allem auf die britische Kriegspropaganda dieser Zeit zurückzuführen.
Die Auswirkung Napoleons auf das moderne Europa sind hier nachzulesen:
O
Obdachlosigkeit
Das romantische Bild von den "Clochards", den Obdachlosen von Paris, trügt: Obdachlosigkeit in Frankreich ist ein großes Problem. Es leben circa drei Millionen Menschen unter schwierigen Bedienungen oder haben gar kein Obdach. Besonders Familien trifft es hart. Sie leben oft zu sechst in einer Einzimmerwohnung und haben kaum genug zum Leben. Ursache des Problems, vor allem in der Metropole Paris, sind oft die zu hohen Mietpreise, die sich noch nicht mal ein Normalverdienender leisten kann. Also sind die Menschen, obwohl sie eine Arbeit haben, obdachlos oder leben auf engem Raum in einem Obdachlosenheim. Die Wartezeiten für Sozialwohnungen sind extrem lang. Manche warten über ein Jahr – ohne Erfolg. Staatspräsident Sarkozy gab vor seinem Amtsantritt das Versprechen ab, unter ihm gäbe es keine Obdachlosen mehr. Die Zahl der Obdachlosen in Frankreich wächst aber ungebremst.
Paris
Paris, je t'aime! Paris, ich liebe dich! Was kann man zu der wohl berühmtesten Hauptstadt Europas noch sagen? Die Stadt der Liebe, der Kunst und der Mode bleibt eines der beliebtesten Reiseziele der Welt. Jedes Jahr bewundern 29 Millionen Besucher die Seine, den Tour d'Eiffel oder den Louvre. Die Hauptstadt Frankreichs ist außerdem auch politisch von hoher Bedeutung: UNESCO, OECD und auch die Internationale Handelskammer haben ihren Sitz in Paris.
Quasimodo
Quasimodo, auch bekannt als der Glöckner von Notre-Dame, ist ein Charakter aus dem historischen Roman "Notre-Dame de Paris" (1831) von Victor Hugo. Die Romanfigur Quasimodo wurde als Säugling auf den Treppen der Notre-Dame gefunden und wird in dem Roman durch sein hässliches Erscheinungsbild beschrieben. Er hat einen Buckel, nur ein gesundes Auge und ist fast taub durch das ständige Glockenläuten. In Victor Hugos Roman steht allerdings nicht der Glöckner, sondern die Kathedrale Notre-Dame de Paris im Vordergrund. Das gotische Wahrzeichen wurde zwischen 1163 und 1345 errichtet und ist durch die 69 Meter hohen Türme leicht erkennbar.
Revolution
Im Jahre 1789 stürmt eine aufgebrachte Menschenmenge das Stadtgefängnis, die Bastille, und löst damit eines der folgenreichsten Ereignisse in der neuzeitlichen europäischen Geschichte aus: die französische Revolution. Auf den Ansturm folgen weitere Aufstände. Durch zu hohe Steuern und Brotpreise wuchs der Unmut im französischen Volk immer weiter gegen den König an. Am 21. Januar 1793 ließen die französischen Bürger ihren König Louis XVI auf einem öffentlichen Platz enthaupten, genau wie seine Frau Marie Antoinette.
Sarkozy
Demnächst sind Wahlen in Frankreich. Auch der aktuelle Staatspräsident Nicolas Sarkozy stellt sich zur Wahl. Durch Aussagen wie "In Frankreich gibt es zu viele Ausländer" macht der Politiker sich bei der rechten Wählerschaft beliebt und wird von der Opposition scharf kritisiert. Im Fall einer Wiederwahl droht er damit, wieder Grenzkontrollen einzuführen, um so den Zustrom von Einwanderern zu begrenzen. Als Hintergrund solcher rechtspopulistischer Töne gelten seine konstant schlechten Umfragewerte. Denn derzeit würde, laut Umfragen, klar Sarkozys Hauptkonkurrent, der Sozialist François Hollande gewinnen.
Staatsverschuldung
Letztes Jahr wurde die Kreditwürdigkeit Frankreichs von der Rating-Agentur Standard & Poors von der Bestnote AAA auf AA+ heruntergestuft. Frankreich kämpft nun mit Einsparungen um seine Bestnote. Reiche sollen beispielsweise mehr Steuern zahlen. Die Neuverschuldung liegt im Jahre 2011 bei 5,7 Prozent und verletzt damit das Maastrichter Abkommen. Staatspräsident Nicolas Sarkozy will diese Zahl im Jahre 2012 auf 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts drücken.
T
Tour de France
Das berühmteste Radrennen der Welt findet jedes Jahr in den Juliwochen in Frankreich statt. Le Tour – die Tour – ist für die Radfahrer nicht nur Schwerstarbeit mit Zielankünften in luftiger Höhe der Alpen sowie der Pyrenäen (mit 2.802 Metern ist die Cime de la Bonette der höchste bisher angefahrene Gipfel). Über die Streckenführung hinaus machen die Fahrer selbst die Tour zur schwersten Radprüfung der Welt: Nirgendwo sonst wird so hart und kompromisslos gefahren wie auf der Tour de France. Sie ist eben das bedeutendste Rennen der Welt: Einmal am Ende das gelbe Trikot des Gesamtsiegers zu tragen, macht einen Radrennfahrer unsterblich. Vielleicht ist dies auch der Grund, warum in den letzten Jahren immer mehr Dopingfälle das Radspektakel erschütterten. Neben der sportlichen Bedeutung agiert die Tour durchaus auch politisch. So fuhren die Radfahrer beispielsweise 1987 durch das von der DDR umschlossene Westberlin – ein Symbol der alliierten Solidarität im Ost-West-Konflikt.
Urlaub
Frankreich ist eines der beliebtesten Reiseziele weltweit. Die Beliebtheit des Landes liegt an der Vielfalt und Bedeutung seiner Sehenswürdigkeiten, wie beispielsweise das historisch bedeutende Schloss Versailles. Im Sommer laden die Küsten des Landes zur Entspannung ein und im Winter eignen sich die zahlreichen Bergregionen prima für den Ski-Urlaub mit der Familie. Frankreich begeistert auch mit seiner kulinarischen Vielfalt; und für Weinliebhaber ist das Land ein Paradies.
Versailles
Ursprünglich wurde das Schloss Versailles als ein Jagdschloss genutzt. Ludwig der XlV. hat es dann so weit ausgebaut, bis es zum Hauptsitz des Königshauses wurde. Der im Jahre 2006 gedrehte Film "Marie Antoinette" von Sofia Coppola zeigt das luxuriöse Leben im Schloss. Ebenfalls ist die prachtvolle Gartenanlage zu sehen. Der Film verschafft also einen guten Einblick in das Schloss und in das Leben des damaligen Königshauses. Schloss und Garten stehen für Besucher offen. Die Anlage ist seit 1979 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes.
Wein
Frankreich ist nicht nur für die Qualität seines Weines bekannt, sondern auch für die Vielzahl an Sorten, die man in diesem Land vorfinden kann. Die internationalen Standards werden an französischem Wein gemessen. Nur Weinexperten kennen alle Weinsorten, aber auch der Normalverbraucher kennt die berühmten Sorten wie Bordeaux, Chardonnay, Merlot oder Sauvignon. Und für die Wirtschaft des Landes ist es der fünftwichtigste Export-Artikel.
XX
Auch bekannt unter dem Namen "bise" hat sich die französische Begrüßungsart weit über die Grenzen Frankreichs verbreitet. Als "bise" wird die Art des "Hallosagens" bezeichnet, bei der man jeweils die rechte und linke Wange des Gegenübers küsst – oder vielmehr streift. "Bisou Bisou" (Küsschen, Küsschen) beziehungsweise XX findet man außerdem oft am Ende von Emails, Briefen oder SMS als geschriebene, digitale Form des Küsschengebens.
Karl X.
Der letzte "König von Frankreich und Navarra", Charles X Philippe, löste seinen älteren Bruder Ludwig XVIII 1824 als Thronfolger ab. Wie schon sieben weitere Könige und zahlreiche Monarchen in Frankreich und Europa stammte auch Karl X aus dem Haus Bourbon, dem großen französischen Adelsgeschlecht. Nach der Französischen Revolution 1789 wollte Karl X die verlorene Macht und Herrschaft des Adels wiederherstellen. Dies löste im Jahr 1830 die Julirevolution aus. Die Bourbonen wurden endgültig gestürzt und das Bürgertum ergriff die Macht. Karl X tat, was gestürzte Monarchen ziemlich oft taten: Er floh nach England.
Yann Tiersen
Yann Pierre Tiersen ist eine Art musikalisches Multitalent. Der französische Komponist gilt als Multiinstrumentalist. Seit frühster Kindheit spielt er Geige und Klavier. Wenn er Musikstücke aufnimmt, spielt er alle Instrumente selbst ein. Seine Musik wird als Nouvelle Chanson, als Neues Chanson bezeichnet. Tiersen wurde 2001 mit seinen Soundtracks zu den Kinofilmen "Die fabelhafte Welt der Amelie" ("Le Fabuleux Destin d’Amélie Poulain") sowie "Good Bye Lenin" bekannt. Nachhören und Nachlesen kann man das auf seiner Homepage.
Zugreisen (Kussverbot)
Verliebte Pärchen in Frankreich müssen sich zumindest in Zügen etwas zurückhalten. Denn im Land der Romantik ist es doch tatsächlich verboten, sich auf Zugreisen zu küssen. Schuld daran ist ein altes Gesetz von 1910, das immer noch in Kraft ist. Wie die Strafe aussehen könnte, ist allerdings unklar: Verbannung in unterschiedliche Abteile?
Unser ABC haben Sara Jabril, Mayka Marchesi und Michael Wahl zusammengestellt.
Quellen: Wikipedia & Bundeszentrale für politische Bildung
Fotos: Arc de Triomphe: ©HolgerWettstein/photocase.com
Carla Bruni: CC BY-SA 3.0
Fraternité: ©hunfi/photocase.com
Intouchables: ©Verleih
Käse: ©nailiaschwarz/photocase.com
Obdachlosigkeit: ©DonJohnny/photocase.com
Tour de France: gemeinfrei
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