In den Führungsetagen von Deutschlands Unternehmen arbeiten fast nur Männer – Frauen sind in hohen Positionen noch immer unterrepräsentiert. Daher wird die Einführung einer Frauenquote zurzeit wieder heiß diskutiert: Bundesarbeitsministerin von der Leyen ist für eine strikte Quotenregelung, Bundesfamilienministerin Schröder für eine freiwillige Selbstverpflichtung der Konzerne, ähnlich wie Bundeskanzlerin Angela Merkel. Fest steht: Es muss sich etwas ändern.
Wie sehen das die fluter-Leser und -Leserinnen? Verfolgen sie die Diskussion um die Frauenquote überhaupt? Und was halten sie von Emanzipation und Feminismus? Würden Mädchen von heute wieder für ihre eigenen Rechte kämpfen – wie in den "frauenbewegten Zeiten" der 1960er- oder 1970er-Jahre? Die fluter-Praktikantinnen Mayka (17) und Sara (22) haben sechs junge Berliner und Berlinerinnen nach ihrer Meinung gefragt.
Kimia Amir, 18
Ich kann Gutes wie Schlechtes an der Frauenquote sehen. Zum einen gibt es Berufsfelder, in denen es Frauen deutlich schwerer haben; Berufsfelder, die, geschichtlich betrachtet, klar den Männern zugeteilt waren. Auf der anderen Seite zeigt gerade das, dass so eine Quote vonnöten ist. Aber es besteht dann die Gefahr, dass nicht mehr nach Qualifikation, sondern nach Geschlechtszugehörigkeit beurteilt wird. Grundsätzlich würde ich "ja" zu einer freiwilligen Quote sagen. Aber eine aufgezwungene Quote würde ich vermeiden.
Ich denke, dass Emanzipation erst dann vollkommen ist, wenn es einer Frau frei steht, sich darzustellen und auszuleben, wie es ihr gefällt – ohne dass sie in ein Klischee gedrückt oder als Objekt betrachtet wird. Meine ersten Assoziationen zum Feminismus sind: Freiheit in der Lebensgestaltung, Respekt und das Streben nach Gleichberechtigung.
Ich selber bin ohne Rollendruck aufgewachsen. Auch wenn ich im Kindergarten gern mein rosafarbenes Prinzessinnenkleid getragen habe, bin ich trotzdem mit den Jungs um die Wette geklettert und in alle Pfützen gesprungen. Ich weiß natürlich, dass es nicht allen so ging. Und dass ich in meinem Leben sicher noch auf Situationen treffen werde, in denen ich mich wegen meines Geschlechts benachteiligt fühlen werde.
Es gibt immer noch Traditionen, wie zum Beispiel die Frauenbeschneidung, die durch keinen religiösen Hintergrund oder kulturellen Wert gerechtfertigt werden können. Für die Rechte dieser Frauen würde ich heute kämpfen!
Ada Böhmer, 17
Ich denke, dass die Frauenquote an sich eine gute Idee ist und ein richtiger Schritt in Richtung Chancengleichheit. Allerdings funktioniert sie meiner Meinung nach nicht, wenn zwanghaft Frauen für Führungspositionen gesucht werden, um der Quote gerecht zu werden – obwohl es dafür wesentlich qualifiziertere Männer gibt. Wichtig ist meiner Meinung nach der Schritt davor: der, der den Frauen gleiche Qualifikationen ermöglicht.
Lisa Höfling, 19
Ich denke, dass die Idee der Frauenquote schon einen Sinn hat und dass sie am Anfang einige Hürden besiegt hat. Heutzutage sollte man sich jedoch die Frage stellen, ob die Gesellschaft dieses "Stützrad" noch benötigt.
Es ist natürlich klar, dass in vielen Kulturen, Ländern und Gesellschaften die Frauen noch weit entfernt von der Gleichberechtigung stehen. Dennoch nehme ich Feminismus heutzutage nicht stark wahr. Da ich Abiturientin bin, habe ich mit Arbeitssituationen noch keine Erfahrungen gemacht. Wenn jedoch meine eigenen Rechte als Frau eingeschränkt würden, würde ich auf jeden Fall für Gleichberechtigung kämpfen – die meiner Ansicht nach, in einer offenen Gesellschaft, selbstverständlich sein sollte.
Elisabeth Winterer, 16
An sich finde ich es wichtig, dass Frauen beruflich nicht hinter Männern zurückbleiben, weil sie ebenfalls zur Gesellschaft gehören und genau so qualifiziert wie Männer sein können. Ich bin mir jedoch nicht sicher, wie sehr diese Gleichberechtigung durch Gesetze geregelt werden sollte. Für mich ist wichtig, dass objektiv bewertet wird.
Ich denke, dass die jungen Frauen von heute mehr Gleichberechtigung genießen als die Frauen in den Sechzigerjahren und dass sie dadurch nicht mehr so viel Interesse am Feminismus haben. Ich würde heute für die Rechte der Frauen kämpfen, aber vielleicht lieber in Dritte-Welt-Ländern als hier, weil sie dort kaum existieren.
Lotte Steenbrink, 21
Quoten sind ein legitimes Mittel, um Benachteiligungen auszugleichen und langfristig einen Anreiz zu schaffen, strukturelle Diskriminierung zu minimieren. Eine Quote bringt nichts oder kann gar zur Ausrede verkommen, wenn nicht gleichzeitig auch eine Veränderung in den Köpfen stattfindet.
Auch wenn es "den einen Feminismus" meiner Meinung nach nicht gibt, verbinde ich mit dem Begriff Feminismus grundsätzlich eine lange Geschichte gesellschaftlicher Verbesserungen. Dass unsere Gesellschaft leider doch noch nicht so gleichberechtigt ist, wie ich dachte, wurde mir erst nach dem Abitur klar, beispielsweise durch die Reaktionen anderer auf mein Studienfach: "Warum studiert man als Frau Informatik?" Oder: "So schlecht siehst du doch gar nicht aus!"
Als ich herausfinden wollte, warum ich eigentlich so wenige Kommilitoninnen habe, entdeckte ich gesellschaftliche Strukturen, die uns systematisch und dennoch subtil in Rollenbilder hineinerziehen.
Als politisch aktive Informatikstudentin bewege ich mich in gleich zwei Männerdomänen, in denen man regelmäßig mit sexistischen Vorfällen konfrontiert wird. Mir liegt der Netzfeminismus sehr am Herzen. Das Internet bietet uns vollkommen neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit und des Überwindens von Geschlechterrollen. Gleichzeitig sind viele Teile des Netzes sexistisch geprägt.
Abgesehen davon zeigen beispielsweise der Gender Pay Gap [etwa: geschlechtsspezifische Lohnungleichheit] von 22 Prozent, abstruse Konzepte wie die Herdprämie in Kombination mit fehlenden Krippenplätzen, Rape Culture, sexistische Werbung und stark gegendertes Kinderspielzeug, dass noch massiv Handlungsbedarf besteht. Dass Quoten in der Wirtschaft mittlerweile ernsthaft diskutiert werden, zeigt aber auch, dass es voran geht. Das alles macht es umso motivierender, sich für eine Gesellschaft einzusetzen, die Gleichberechtigung nicht nur auf Papier schreibt, sondern wirklich lebt.
Joshua Pacheco, 19
So wirklich fühle ich mich nicht in der Lage, ein fundiertes Statement zu Feminismus und Frauenquote abzugeben. Ich habe mich nie ernsthaft mit dem Thema auseinandergesetzt und finde die ganze Diskussion auch ein bisschen überzogen bis albern. Witwen-Verbrennungen in Indien fallen mir ein und Genitalverstümmelungen in Afrika.
In meiner Klasse sind die Mädchen schon immer Klassensprecher gewesen und sie haben die besseren Noten. Angeblich sind sie damit keine Ausnahme, auch in anderen Schulen soll das so sein.
Ob aber eine Frauenquote das Richtige ist, kann ich nicht beurteilen. Vielleicht sollte man sich in der Politik eher auf die Förderung von Müttern und Familien konzentrieren. Wie steht es noch mal um flexible Arbeitszeiten, Kindergartenplätze, wie um den Vaterschaftsurlaub? Kinderlose Karrierefrauen werden diese Welt wohl nicht verbessern, sie sind zu sehr Mann. Mütter dagegen, die ganz oben mitspielen, weil sie auf ihrem Weg "nach oben" nicht aufgehalten worden sind durch ihren Kinderwunsch, können vielleicht verantwortungsbewusster und sozialer handeln.
Nur, warum eine Quote für Frauen und keine für Ausländer, Alte, Junge und so weiter?
Mayka Marchesi (17) besucht die Freie Waldorfschule Kreuzberg in Berlin. Sara Jabril (22), gebürtige Berlinerin, studiert Sozialwissenschaften an der HU Berlin.
Fotos: Privat
Die Mädchenmannschaft - mit Blogs und einer Menge nützlicher und interessanter Links
Mehr zur Diskussion um die Frauenquote auf Wikipedia
Kommentare
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Was bisher geschah...
Frauenquote
ich bin für eine Frauenquote und überhaut wäre ich dafür das in höheren Positionen nur noch Frauen seihen dürfen schließlich sind Frauen das überlegene Geschlecht Frauen machen schließlich alles besser und auch nicht schlechter wie männer neben bei wäre dafür das Frauen MEHR verdienen als männer mann sorry Frau könnte ja die Schulischen Leistungen ins Gehalt schäm mit einbeziehen dann würden wahrscheinlich männer die helfe von Frauen verdienen Frauen an die Macht LG oliver
Burstaller oliver | 20. Oktober 2012 04:40
Frauenquote
Also ich muss ehrlich sagen,dass ich ziemlich ueberrascht bin, dass niemand wirklich fuer eine Frauenquote stimmt und sich ziemlich zurueckhaltend gegnueber Frauenrechten verhaelt. Wir leben in einem Land, dass den hoechsten Lohnunterschied zwischen Mann und Frau innerhalb der ganzen EU aufweist (Ein Armutszeugnis), ganze 23% ! Und das, obwohl gut die Haelfte der Bevoelkerung weiblich ist. Statistisch gesehn haben Frauen die bessere Ausbildung und machen einen besseren Abschluss wie Maenner. Und trotzdem verschwinden diese gut Ausgebildeten Frauen in Arbeitsstatistiken, wenn es zu den Fuehrungsetagen von Unternehmen kommt. Das mag zum Einen daran liegen, dass Deutschland ein grosses Problem hat, es Frauen zu ermoeglichen arbeiten zu gehen und die Frage nach der Kinderbetreuung zu loesen, dennoch ist es nicht komplett darauf zurueck zu fuehren,dass all diese gut ausgebildeten Frauen sich fuer eine Familie entscheiden und deswegen nicht arbeiten gehen ( Geburtenrate sagt etwas anderes). Irgendwie ist es letztlich so, dass in den DAX Unternehmen nur 8 Frauen in Vorstaenden sitzen. Kurze Anmerkung: die sogenannte "Herdpraemie" ist meiner Meinung nachein grosser Rueckschritt, wenn es um Frauenrechte, beziehungsweise wenn es um die Frauenquote geht. Es ist sehr kontraproduktiv und verhindert noch mehr, dass Frauen sich fuer eine Karriere und Kind entscheiden. Man sollte das Geld stattdessen in KITA Plaetze investieren! Ich finde ein gutes Beispiel ist Norwegen. Norwegen hat in 2003 entschieden, dass in allen Verwaltungsraeten ein Mindestanteil von 40% weiblich sein muss. Statistiken haben gezeigt, dass das Qualifikationsniveau darunter nicht gelitten hat. Heute hat Norwegen einen Frauenanteil von ca. 39%. Wir diskutieren schon seit geraumer Zeit ueber eine Frauenquote in Deutschland. Vor kurzem haben sich die fuehrenden DAX Unternehmen und unsere Familien- und Arbeitsministerin getroffen um darueber zu diskutieren, wie die weitere Entwicklung einer Frauenquote auzusehen hat. Es ist doch wirklich laecherlich, dass Unternehmen wie BASF eine Frauenanteil von 11% bis 2020(!!!) einfuehren wollen. Es hat sich bis jetz nichts getan und leider hat es den Anschein, als ob sich freiwillg auch nichts tut. Vielleicht ist das zu weit gegriffen, aber ich empfinde es als sexistische Machtstrukturen, dass die Fuehrungsetage fast ausschliesslich mit Maennern besetzt ist und diese auch anscheinend kein grosses Interesse daran hat, dies in den naechsten 10 Jahren grundlegend zu aendern!
Daniella | 22. April 2012 07:13
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