Keine bis unschöne Überraschungen

Rominka | 23.04.12 00:56 | 0 Kommentar(e) | » zum Blog: Frankreich hat die Wahl

Nein, wirklich überrascht waren wir nicht von dem Ergebnis. Doch! Vielleicht ein bisschen über den deutlichen Vorsprung von François Hollande, der mit 28,8% den Sieg in der ersten Wahlrunde erringen konnte. Lange Zeit sah es so aus, als würden die beiden Spitzenreiter Kopf an Kopf in die Stichwahl ziehen. Jetzt aber scheint es für Nicolas Sarkozy ein nahezu aussichtsloses Unterfangen, innerhalb von 2 Wochen die von Meinungsforschern vorhergesagten 12-14% Rückstand auf Hollande aufzuholen.

Da können wohl auch nicht die 'Stinkbomben' helfen, die von Seiten seiner UMP-Parteifreunde in Richtung der Sozialisten abgefeuert werden, wie Spekulationen über falsche Teilnehmerzahlen bei den Meetings des Herausforderers oder bewusste Angstmacherei vor einer möglichen "Reichensteuer" unter Hollande. Und da kann auch der UMP-Parteivorsitzende François Copé noch so sehr schwärmen, er spüre eine "unerhörte Mobilisierung"unter den Sarkozisten: der noch amtierende Präsident hat viele Franzosen in den letzten fünf Jahren bitter enttäuscht und dieser Enttäuschung machten sie gestern an der Wahlurne Luft.

Alles außer Sarkozy

Viele der Hollande-Wähler waren deshalb auch keine Überzeugungstäter, auch wenn der Sozialist in den letzten Monaten mehr und mehr über sich hinausgewachsen war und durchaus Charisma zeigte, steht hinter vielen seiner Stimmen vor allem ein Wunsch: "Alles außer Sarkozy" (Tout sauf Sarkozy). Wie oft zierten diese drei Worte dessen Konterfei auf den Wahlplakaten. Schlimmer noch war es bei Marine Le Pen, denn nicht Worte, sondern das Hakenkreuz malte man der Kandidaten des Front National (FN) auf's Gesicht. Trotzdem haben ihr gestern über 18% der Franzosen ihre Stimme gegeben, einer von fünf! Das war in der Tat die sehr unschöne Überraschung des Abends, denn damit sicherte sich die blonde Tochter von Jean-Marie Le Pen den dritten Platz vor dem Kandidaten der extremen Linken, Jean-Luc Mélenchon. Sein Ergebnis von 11% fiel bescheidener aus, als man in den letzten Woche hätte vermuten können.

Der Zentrumspolitiker François Bayrou landet mit 9% nur auf dem fünften Platz und bei den 'ganz kleinen Kandidaten' gab es dann wirklich überhaupt keine Überraschungen mehr: es blieb bei den unterirdischen Resultaten von 2% für die Grüne Eva Joly und sowohl Philippe Poutou als auch Nathalie Arthaud kamen nicht über die 2% Hürde, ganz zu schweigen von Jacques Cheminade, der sich wohl nur noch mit der Parole "Dabei-sein ist alles" trösten kann.

Ein neuer Wahlkampf

Ab heute beginnt also ein neuer Wahlkampf. Er wird kürzer sein und viiiieeel komplizierter. Wir warten nämlich gespannt darauf, was die Verlierer ihren Wählern für die zweite Wahlrunde empfehlen werden. Einmal mehr dürfte es nicht überraschen, dass Mélenchon und die kleinen linken Kandidaten (Arthaud, Poutou, Joly) sich hinter den sozialistischen Herausforderer stellen. Aber wie werden Marine Le Pen (FN) und Bayrou (MoDem) sich verhalten? Im Jahre 2007 hatte sich der Zentrumspolitiker geweigert, sich im Stechen für einen Favoriten auszusprechen. Dieses Mal aber wird von ihm erwartet, sich zu positionieren. Beide, Hollande und Sarkozy, werden versuchen den einst als 3. Mann gehandelten Bayrou zu 'betören'. Was die Wähler des Front National angeht, so hatte Sarkozy bereits in Wahlkampf rechte Töne angeschlagen, um Sympathien zu gewinnen. Es ist zu befürchten, dass er in den kommenden zwei Wochen noch lauter die rechte Trommel rührt!  

 

Diane La Phung/ Romy Straßenburg 



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